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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 47

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
10 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
Die statistischen Ziffern für Austritte aus dem Judentum und Mischehen
Date
1914-03-01
Page
Seite 47 (sequence 2)
Language
German
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— 47 - Judentum erfolgen. Diese Ziffer ist in Preußen schon erheblich groß geworden und fehlt beim Vergleichsbilde in Österreich vollkommen. 3. Wird das Bild durch die österreichische Ehegesetzgebung verfälscht. Eine Zivilehe existiert in Österreich nur tn Form der Notzivilehe, d. h. Christen können mit einem j Juden oder Konfessionslosen nicht getraut j werden. Nur die Notzivilehe zwischen j Konfessionslosen oder zwischen Konfessions-! losen und Juden ist zulässig* Wenn nun j der christliche Teil aus den verschiedensten j Gründen sich nicht entschließen kann oder j darf, konfessionslos zu werden oder den j Glauben zu wechsein, so kann eine Ehej Schließung nur erfolgen, falls der jüdische! Teil zum Christentum übertritt. j Ich glaube, daß die Wirkung der Verj schiedenheit der gesetzlichen Bestimmungen! so einleuchtend ist, daß man endlich darauf verzichten sollte, die betreffenden öster-; reichischen und deutschen Ziffern miteinander zu vergleichen, um daraus immer wieder zu j falschen Schlüssen zu gelangen. j Auch über die im erwähnten Artikel! H o r a t o r s aufgestellte Statistik der Mischj ehen und über die daran geknüpften ' Folgerungen möchte ich mir einige Bej merkungen erlauben. Der Verfasser meint, j daß es eine „bekannte Tatsache sei", daß j die Mischehen „sehr wenig fruchtbar sind".; Mir ist nur bekannt, daß dies wiederholt 1 behauptet wird. Die statistischen Ziffern | sind — nicht nur für Österreich — völlig; unverwendbar, um eine solche Feststellung j zu treffen. Es ist hier nicht der Ort, näher; auf die wiederholt in so grellen Farben ge-; machten Schilderungen einzugehen, welche die Unfruchtbarkeit der Mischehen überhaupt und besonders der christlich-jüdischen Misch- : ehen darzutun bestrebt sind. Gemeint kann; aber doch nur die Unfruchtbarkeit wegen Rassen Verschiedenheit sein. Ebenso wie beim Austritte aus dem Judentum nur die Gesamtzahl der faktischen Austritte von Juden verstanden werden kann, — die eben von der Statistik in Preußen nicht erfaßt werden, — erblicke ich in den Mischehen eine rassengemischte Ehe, also Ehen zwischen Angehörigen der jüdischen Rasse und anderer Rassen oder, um den beliebten Terminus zu gebrauchen, die Mischehen zwischen Semiten und Ariern. Sind nun die Ziffern, welche der Statistik als christlich-jüdische Mischehen zugrunde liegen, rassenmäßig irgendwie zu verwerten? Ich glaube ganz und gar nicht. Wer die tatsächlichen Verhältnisse kennt, weiß — ob hier eine rassenmäßige oder durch soziale Verhältnisse bedingte Affinität mitspielt, steht dahin —, daß es sich bei den christlichjüdischen Mischehen nicht nur oft um Ehen zwischen christlichen Judenstämmlingen d. h. von Halbsemiten, sondern weit mehr um Ehen von Juden handelt, von denen der eine Teil kürzer oder länger vor Eheschluß erst getauft wurde, so daß es sich im letzteren Falle um Ehen von Vollsemiten handelt. Diese werden aber von der Statistik als rein „christliche" verzeichnet. Das Bild ergibt also alles —nur nichtdas derRassenmischung, wie dies bei Tieren in Gestalt der Pedigrees festgestellt wird. Von der kurzenBeobachtungsperiode abgesehen, ist bei den Mischehen nirgends der Beweis geliefert, daß die Unfruchtbarkeit in der Rassenmischung liegt. Die Unfruchtbarkeit kann auch ganz anders erklärt werden. Vor allem muß darauf hingewiesen werden, daß auch hier ein unvergleichbares Material verglichen wird, indem man einen aus mehreren Gründen differenzierten Ausschnitt seiner Gesamtgruppe gegenüberstellt, für welche die Ziffer der M a s s e, und zwar der kulturell tieferstehenden Masse

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