Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 3 (März 1914)
- Article
- Die Juden im Königreich Sachsen von 1832 bis 1910
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
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- 46 - 5 in der Konfession eines der beiden Elternj teile erzogen; die übrigen Mischehen mit jüj dischem Manne und nichtjüdischer Frau I sind an Zahl zu gering, um für Schlüsse j verwertet werden zu können. Es genügt festzustellen, daß von 126Kindern, die von jüdischem Manne und nichtjüdischer Frau stammen, nur 31 in der Konfession des jüdischen Vaters, dagegen 86 in der Konfession der nichtjüdischen Mutter aufj wuchsen. Von 67 Kindern aus Mischehen j mit jüdischer Mutter und nichtjüdischem Vater gehörten sogar 60 der Konfession des Vaters an, mit anderen Worten: die weitaus überwiegende Zahl der Kinder aus Mischehen geht dem Judentume verloren. In diesem Zusammenhange mag schließlich noch erwähnt werden, daß in Dresden von 1886 bis 1911 277 Personen aus dem Judentume zur evangelischen Kirche übergetreten sind, denen nur 30 Übertritte zum Judentume gegenüberstehen. Die statistischen Ziffern für Austritte Von Maximilian P Ich habe wiederholt, zuletzt im Januarj heft 1913, auf die irrigen Deutungen hin- 1 gewiesen, denen die statistischen Ziffern j betreffend die Austritte aus dem Judentum in Österreich ausgesetzt sind. Diese irrigen Deutungen enthalten auch die Ausführungen von H o r a t o r über die Bevölkerungsj bewegung der Stadt Wien im Januarheft 1914, Es heißt dort pag. 13, daß die Austritte aus dem Judentum in Wien „fast viermal so hoch als in Berlin sind". Wie H o r a t o r dazu gelangt, eine in Wien fast viermal so hohe Austrittsziffer wie in Berlin festzustellen, ist unerfindlich. Die Ziffern pro 1911 sind nämlich für Berlin: 229, für Wien 575 Austritte, wobei ich ganz außer Betracht lassen will, daß den 575 Austritten in Wien 178 Eintritte bezw. Rücktritte gegenüberstehen, die die wirkliche Verlustziffer auf 367 reduzieren, während mir für Berlin keine Ziffern über Rücktritte bezw. Eintritte in das Judentum bekannt sind. Es bedarf wohl keines Hinweises, daß die positiven Ziffern unvergleichbar sind, daß nur die Verhältnisziffern — berechnet auf die Seelenzahl der ansässigen jüdischen Bevölkerung Wien's bezw. Berlin's :— in aus dem Judentum und Mischehen. a u I - S c h i f f in Wien. Frage kommen können. Aber auch diese Berechnung wäre falsch, da die gesetzlichen Bestimmungen über Konfessionswahl und Konfessionswechsel ganz verschieden in Preußen und in Österreich wirken. Die Unterschiede sind folgende: 1 In Preußen ist es zulässig — und geschieht in großem Ausmaße —, daß die Kinder von beim Judentum verbleibenden Eltern sofort nach der Geburt christlich getauft werden. Sie werden von der Statistik nicht als Austritte und meines Wissens überhaupt nicht erfaßt. Dieser Modus ist in Österreich unzulässig. Um die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen, muß in Österreich mindestens ein jüdischer Elternteil — fast immer tun es dann beide —, aus dem Judentum austreten, Während der Volksschulpflicht (vom 6. bis zum 14. Lebensjahre) ist ein Religionswechsel von Kindern selbst dann nicht statthaft, wenn die Eltern einen solchen vollziehen. 2. In Preußen ist der Austritt aus der Synagogengemeinde ohne Verlassen des Judentums möglich, in Österreich nicht. Hier kann der Austritt aus der Synagogengemeinde nur in Form des Austritts aus dem