Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Materialien zur Statistik der jüdischen Gemeindeschulden in Polen in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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— 27 — von 3 345 polnische Gulden auf 535 493; polnische Gulden gestiegen ist. Diese Steij gerung ist in manchen Zeiträumen beinahe mehr als ums Doppelte vor sich gegangen, so schuldet diese Gemeinde im Jahre 1734! 98 238 polnische Gulden, in fünf Jahren; wächst diese Schuldsumme zu 173 938 polj nischen Gulden, d. L um 75 700 polnische! Gulden, wogegen sie in einem früheren fünfj jährigen Zeiträume (1729—1734) von 69 238 j polnische Gulden auf 98 238 polnische Gulden gestiegen war, somit nur um 29 000 polnische Gulden gewachsen ist. Je näher wir dem Jahre 1764 kommen, desto j größer wird die Schuld dieser Gemeinde.! Aber abgesehen von den einzelnen Gej meinden, hatte auch die jüdische Gemeindej Organisation mit ihren Landschaften Geld j entliehen. Um das Jahr 1765 begann die polnische j Regierung Schritte zu unternehmen, um die | Kahale zur Deckung ihrer Schulden zu j zwingen. Man bestimmte, daß ein jedes \ Gemeindemitglied eine außerordentliche Abj gäbe von 3 polnischen Gulden pro Kopf be- | zahle. Es war aber unmöglich, bei den wirt- | schaftlich ruinierten Judenmassen diese Abgaben einzuziehen. Dieser Zustand dauerte bis zum Jahre 1772 fort. Durch die Teilung kam ein großer Teil der Juden unter neue Reiche. Es war nun Sache der neuen Besitzer, die Schuldenangelegenheiten zu regeln. So hat beispielsweise Preußen im Jahre 1773 Schuldenlisten anfertigen lassen, um die Regelung der Schulden vorzunehmen. Auf Grund solcher Schuldenlisten aus den westpreußischen Judengemeinden im Jahre 1773, unmittelbar nach ihrer Einverleibung, können wir so manche interessante Daten zur Statistik der Kahalsschulden in Polen erfahren. Die betreffenden Listen umfassen die Synagogen1) zu Flatow, Zempelburg, Fordon, Krojanke, Dobrin, Krone, Nakel, Czarnikow, Schloppe, Lobsens, Schneidemühl, Filehne, Wirsitz, Tütz, Cammin, Jastrow und Friedland. Die Schulden dieser Gemeinden zerfallen in Privat- und Kirchenschulden. Die Kreditoren der ersteren waren zumeist polnische Adelige, die der letzteren Kirchen und Klöster. Was die Kirchen anbetrifft, so sind es nicht nur Ortskirchen, sondern auch fremde. Um ein klares Bild über die Art der Schuldenverteilung zu haben, wollen wir folgende Tabelle anführen: Tabelle I.2) Die Zempelburger Judengemeinde schuldet im Ganzen 360 preußische Taler, 13 582 Tymphen, 13 000 preußische Gulden, 6 350 polnische Gulden,3) davon schuldet sie den*) CJ "o ZI n cj Sj2 p c.w i i Tympticn [ polnische Gulden preußische Taler A) Kirchen Camminschc collegiat Kirch e 11800 — — Lubienschen Kirche .... — 1200 — — Makowskische Kirche . . . — 500 — — Mooczcnschc Kirche . . . 600 — — — Runowsche Kirche . . . . — 1600 — — Schiossinsche Kirche . . . 100 2000 350 — Sabartowsche Kirche . . . — 1000 — — Vansburgische Kirche . . . — 2282 — — Wal da irische Kirche . . . — 2000 — — Wowelnosche Kirche . . . — 2000 — — Summe 12500 12582 350 *) Irn Sinne Gemeinden. -) Die Tabelle I u. II ist auf Grund der Akten (Judensachen R 7, B 1230) im Berliner Geheimen Staatsarchiv bearbeitet :i) Wir behalten hier die in den Akten bezeichnete Währung: Der preußische Taler gleich 11/2 Reichsgulden. 1 Tymphe, nach ihrem Münzmeister Tympf benannt, war eine polnische Münze, seit 1655 im Verkehr; ihr Nominalwert 18 Groschen. Preußischer Gulden -~ 30 Groschen Polnischer Gulden ~ 52,6 Pf. 1 Groschen 4,872 Pf. *) Judensachei? R 7, B. 1230, Z 138.