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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 26

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
10 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
Materialien zur Statistik der jüdischen Gemeindeschulden in Polen in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts
Date
1914-02-01
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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jüdische Wirtschaftsleben so gut wie ganz-; lieh zerrüttet. Dazu kam noch der Umstand, j daß durch die fortdauernde Vernichtung der Judengemeinden eine große Binnenwanderung und mit ihr eine völlige Verschiebung der jüdischen Bevölkerung entstanden ist, welche Erscheinung den begonnenen Auflösungsprozeß noch mehr j förderte. Als nun zu Ende des XVII. Jahrj hunderts eine allmähliche Reorganisation des \ jüdischen Gemeindelebens begonnen hatte,! mußten die Gemeinden zwecks Deckung J ihrer Ausgaben Schulden machen. Aber abgesehen von dem rein Wirtschaftj liehen Momente müssen wir noch folgenden i Umstand berücksichtigen : Die darauffolgende j Epoche (XVIII. Jahrhundert) in dem pol-! nischen Volksleben trägt das Zeichen der! Intoleranz; es begannen Ritualmordprozesse, j die fast unaufhörlich bis in die 60 Jahre des! XVIII. Jahrhunderts fortdauerten. Die Reisen j der jüdischen Syndici, Bestechungen von i Beamten, Prozesse etc. kosteten die jüdischen; Gemeinden ungeheure Summen, die auf dem j Wege von Steuern und Abgaben nicht zu j decken waren. Man mußte also Schulden i machen. \ Die Schulden der einzelnen Gemeinden j erreichten sehr oft ungeheuere Summen. Zui meist liehen die Gemeinden das Geld bei j den Klosterorden und Kirchen, in den j wenigsten Fällen bei Privatleuten. Es ist j begreiflich, daß die Geistlichkeit, in deren j Händen große Kapitalien konzentriert waren, j gerne mit den Juden Geldgeschäfte machten, j um auf diese Weise aus ihren totliegenden j Kapitalien Nutzen zu ziehen. So schuldet! die Posener Judengemeinde im Jahre 1700 j den Geistlichen 109 270 polnische Gulden.1) j . ') P c r 1 e s : Gesch. der Juden in Posen und Dr. j M. B a I a b a n: Ustroj kahalny \v. Polsce im Kwarlalnik j poswiecony badamin przesziosci Sydow w. Polsce j H. 2. S. 33. 1 Im Jahre 1757 schuldet sie den Jesuiten allein 293 744 polnische Gulden. Im Jahre 1774 betrugen die Schulden der Posener Judengemeinde 686 081 polnische Gulden, von welcher Summe 85 283 polniche Gulden 25 Groschen die bei weltlichen Kreisen, 432 256 polnische Gulden 10 Groschen die bei den Geistlichen, 180 000 polnische Gulden die bei den Jesuiten gemachten Schulden ausmachen. Die Schulden wurden mit 7 bis 10% verzinst, außerdem wurde auch eine spezielle Steuer geleistet. In der Regel konnten die Gemeinden infolge der fortdauernden schlechten wirtschaftlichen Lage nie ihre eigentlichen Schulden amortisieren, sie zahlten nur ihre Zinsen und verschoben die Deckung der Schuldsummen. Statt die Schulden zu verringern, mußten viele Gemeinden (Kahale) jahrjährlich noch größere Geldsummen entleihen, um nicht zu einem Bankerott zu kommen. Ein klares Bild des steten Wachstums der Schulden zeigen uns die Zahlen der Gemeinde Leszno. Der genannte Kahal schuldet im Jahre 1703 3 345 polnische Gulden » n 1707 17 342 55 n r» r> 1710 35 711 » »??? n 1712 40 645 " <}• »5 « 1718 52 938 »; " ♦1 M 1719 45 938 « m n » 1729 69 238 *t r * » 1734 98 238 »> *) n y> 1739 173 938 .»> » » « 1744 236 092 5)?> n w 1749 316 602 * f) „ » 1754 335 328 » » „ „ 1759 485 227 V M >J }1 1764 535 493 l) V Yt J Wir sehen die rapide Steigerung in der Schuldsumme, die im Laufe von 61 Jahren l) Dr. M. Balaban: Ustroj kahalny w. Polsce im Kvvartalnik, Heft 2, S. 4. Anmerkung 4.

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