Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 10 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Die Bevölkerungsbewegung der Stadt Wien von 1900 bis 1911 mit besonderer Berücksichtigung der Juden
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 9)
- Language
- German
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- 13 - fremde gewesen, da viele Frauen aus der Provinz zureisten, hier niederkamen und bald darauf mit den Neugeborenen die Stadt verließen. Man kann daher mit Bestimmtheit annehmen, daß wenn man diese Zahl genau eruieren könnte, das Ergebnis noch viel ungünstiger ausfallen würde. Für die Jahre 1908 und 1909 konnte ich die Heimatsberechtigung der Lebendgeborenen und -verstorbenen auf Grund der Matrikelbücher feststellen, und da stehen 410 beziehungsweise 466 Lebendgeburten Heimatsberechtigter gegenüber 554 bezw. 523 Sterbefällen, also 144 bezw. 57 mehr Sterbefälle. Tabelle IX. Stand der aus dem Judentum ausgetretenen und in das Judentum eingetretenen Personen. Jahr Anzahl ledig verheiratet j verwitwet geschieden unbekannt | Austräte 1910 564 412 96 23 17 16 1911 575 427 85 27 21 15 Eintritte 1910 190 _ __ _ __ _ » 1911 188 — — ._. — — Uneheliche Geburten waren zirka 13% aller Lebendgeborenen und hiervon ein großer Teil aus rituell geschlossenen Ehen, die gesetzlich nicht anerkannt werden. Im Jahre 1908 waren von 170 legitimierten Kindern 73 und im Jahre 1909 von 161 legitimierten Kindern sogar 92 aus rituellen Ehen. In Anbetracht dessen kann man mit Recht behaupten, daß die unehelichen Geburten bei den Juden in Wahrheit bedeutend niedriger sind als ausgewiesen. Die Kinderlegitimierungen sind überhaupt von 96 auf 178 jährlich gestiegen. Die Zahl der Eheschließungen ist von 782 auf 1138, also um fast 50% gestiegen und aus der niedrigen Geburtenziffer kann man mit Recht schließen, daß der größte Teil der jüdischen Ehen der Tabelle X. Alter. Jahr Alter 2-7 Jahr. 14-24 Jahre 24-30 Jahre 30 - 40 Jahre 40-50 Jahre 50-60 Jahre 60—70 Jahre über70Jahre unbekannt 1 Austritte 1910 7 99 191 164 68 20 10 4 1 1911 8 176 180 135 43 20 5 5 3 Eintritte 1910 29 49 40 38 9 2 3 — 20 1911 26 39 56 42 9 4 8 — 4 in Wien Heimatsberechtigten kinderlose sind. Die Zivilehen, die bei den Juden 70% aller Ehen bilden, sind von 83 auf 166, also auf das Doppelte gestiegen, eine Folge der österreichischen Ehegesetze. Die Ehescheidungen und Ehetrennungen haben sich von 72 auf 97 erhöht. Die Austritte aus dem Judentum, zumeist Konfessionslosigkeitserklärungen, haben in den letzten Jahren erfreulicher Weise nachgelassen, sind aber immerhin fast viermal so hoch als in Berlin und doppelt so viel als in ganz Ungarn; sie sind von 607 auf 575 gesunken. Der Höhepunkt war 1906 mit 692 Personen; daran waren in früheren Jahren mehr Männer als Frauen beteiligt, in den letzten Jahren fast zu gleichen Teilen. Aus einer Zusammenstellung der Ausgetretenen für die Jahre 1910 und 1911 nach Stand, Alter, Heimatsberechtigung und Beruf ist ersichtlich, daß es zumeist ledige — 73% — und im heiratsfähigen Alter bis 40 Jahren über 80% waren. Ober 50°. o Tabelle XI. Zuständigkeit. Jahr Wien | Böhmen | | Mähren | | Schlesien | | Galizien j | Bukowina | Andere Kronländer | Ungarn | | Deutschland | | Rußland ] | And. Länder | 1 unbekannt j Austritte 1910 292 57 42 14 22 6 24 80 7 11 7 2 1911 282 44 13 13 30 9 16 83 12 36 4 33 Eintritte 1910 104 22 15 ... 8 2 17 12 5 5 — — 1911 108 24 12 3 11 2 6 10 2 4 3 3