Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Die Sterblichkeit der Juden in früheren Jahrhunderten
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 124 (sequence 1)
- Language
- German
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124 — Die Sterblichkeit der Juden in früheren Jahrhunderten. Eine Antwort an Herrn Dr. Fei. A. Theilhaber von Dr. W. Hanauer, Frankfurt a/M. In seiner Arbeit über die Sterblichkeit der Juden in Grunwald: „Die Hygiene der Juden", (Dresden 1911), hat Theilhaber S. 150 die These aufgestellt: „Die jüdische Sterblichkeit ist durchweg in allen Ländern, zu allen Zeiten und in allen Verhältnissen bedeutend geringer als die der Nichtjuden:" Zur Stütze seiner apodiktischen Behauptung, daß die jüdische Sterblichkeit zu allen Zeiten geringer gewesen sei wie die der Nichtjuden, ist Theilhaber in der Lage, soweit die Sterblichkeit in früheren Jahrhunderten, also bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts in Frage kommt, sich auf das Zeugnis von sage und schreibe 5 Autoren zu stützen, die nb. gar nicht einmal von der Gesamt Sterblichkeit der Juden im Vergleich zu der der Christen sprechen, sondern jedesmal nur von dem Befallenwerden der Juden von bestimmten Seuchen (Pest, Typhus, Malaria, Ruhr). Selbst wenn diesen Zeugnissen nicht andere Autoren entgegenstünden, welche über eine höhere Sterblichkeit der Juden gegenüber der der Nichtjuden berichten, bestreite ich Theilhaber das Recht, mit Hilfe dieser so überaus winzigen Belege die allgemeine These aufzustellen, daß die Sterblichkeit der Juden zu allen Zeiten geringer gewesen sei wie die der Nichtjuden. Nun gibt es aber Belege dafür, welche eine hohe Sterblichkeit der Juden in früheren Jahrhunderten nachweisen, diese Zeugnisse sind Theilhaber sehr unbequem, da sie nicht in seine Theorie von der Mindersterblichkeit der Juden passen, und es ist nun interessant zu sehen, wie er sich damit abfindet. So zitiert er zunächst S. 116, den Holländer van Bima, der die jüdische Morbidität Amsterdams 1736 bis 1811 mit 43ö/00 veranschlagt, die Mortalität mit 10%o ge~ ringer. Theilhaber nennt diese Resultate „fraglich". Warum sie fraglich seien, das zu begründen oder nur näher darauf einzugehen, erspart sich Theilhaber. Der zweite Autor, den Theilhaber zitiert, bin ich selbst; er tut mir die große Ehre an, näher auf meine Arbeiten, welche die Sterblichkeit der jüdischen Bevölkerung in Frankfurt a. M. betreffen, einzugehen. Doch hören wir Theilhaber selbst, was er wörtlich folgendermaßen darüber zu sagen hat: „Hanauer berechnet (in der „deutschen Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege" 1908) die jüdische Sterblichkeit in Frankfurt a. M. 1631/40 mit 2060 auf 10001) Personen, wonach in fünf Jahren die autochthone Bevölkerung Frankfurts ausgestorben wäre. Auch sonst erscheinen mir die Resultate Hanauers recht problematischer Natur, sodaß seine Behauptung von der größeren Sterblichkeit der Juden Frankfurts a. M. noch einer weiteren Untersuchung bedarf. Seine Ziffern sind im Durchschnitt der Jahre (%o)2): 1624-1630 74 1710—1720 35 1631-1640 206(!) 1721—1730 36 1641 — 1650 102 1731—1740 41 1651 — 1660 108 1741—1750 45 1661—1670 67 1751—1760 42 1671—1680 56 1761 — 1770 41 Ein Druckfehler; soli natürlich 206 heißen. (Anm. des Verfassers). 2) soll heißen Jahre.