Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-09-01 · Heft 9 (September 1913) · p. Seite 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 9 (September 1913)
Article
Die Berufszählung in München im Jahre 1907
Date
1913-09-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2650397-3187730-3187738-3193240--3998-3193257
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 123 auf 10056 belief, nicht unbeträchtlich hinter dem tatsächlichen Bestände zurück. Die Differenz macht 848, d. h. 8,4% aus. Berechnet man auf Grund der Zählung von 1910 die jüdische Bevölkerung für das Jahr 1907 auf 10466, so ist das Defizit noch größer, nämlich 1258= 12%. Dieselbe Erscheinung zeigt sich auch bei der Gesamtbevölkerung. Es wurde nämlich ein Bevölkerungsstand von 533 253 Personen ermittelt, der nicht unerheblich gegen das im Jahre 1905 von der Volkszählung gewonnene Ergebnis — 538 983 Personen — zurückblieb. Als Gründe für die Unvollständigkeit der durch die Berufszählung festgestellten Ziffern gibt das Statistische Amt bei der Betrachtung der allgemeinen Ergebnisse folgende an: Ein bestimmter Teil der Bevölkerung war am Erhebungstage vorübergehend abwesend, da nicht wenige Angehörige der bemittelten Klassen bereits auswärts Aufenthalt genommen hatten, ferner ein Teil der jungen Beamten seinen Urlaub außerhalb Münchens verbrachte. Kellner, Kellnerinnen und sonstige Bedienstete hatten schon vielfach Saisonstellen angetreten, was ebenso für Bauarbeiter gilt. Andrerseits lag die Nichtregistrierung ortsanwesender Personen in der Zählung selbst begründet Es herrschte nämlich gelegentlich die Überzeugung, daß für eine Berufszählung Beruflose und Kinder nicht in Betracht kämen. Sodann dürften nicht selten vorübergehend anwesende Ausländer in der Meinung, es handle sich um eine deutsche Zählung, eine entsprechende Angabe ihrer Person unterlassen haben. Aus den angeführten Gründen, insbesondere den beiden letzten, ist auch die unvollständige Aufnahme der jüdischen Bevölkerung zu erklären. Die Folge hiervon jedoch ist, daß das Verhältnis der erwerbstätigen Juden zu den nicht erwerstätigen im Jahre 1907 nicht ganz zutreffend erscheint, da die letzteren, welche das Kontingent der „Angehörigen" bilden, nicht vollständig erfaßt worden sind. Gliedert man nämlich die! Bevölkerung nach ihrer Stellung zum Beruf | in drei Gruppen: Erwerbstätige, zu denen I auch die beruflosen Selbständigen gehören, I im Haushalt der Herrschaft lebende Dienst-! boten und Familienangehörige ohne Haupt- | beruf, so waren von den 9208 Juden 4722 | 51,3% Erwerbstätige, 70 0,8% Dienende; und 4416 47,9% Angehörige. Legt man | die jüdische Bevölkerung von 1905 der j Berechnung zu Grunde, so betrug der | Prozentsatz der Erwerbstätigen nur 47. | Im Jahre 1895 waren 3565 Juden erwerbstätig, d. h. 49% der in der Volkszählung 1895 ermittelten Bevölkerung, im Jahre 1882 | wurden 1863 Erwerstätige ermittelt, die nur 38% der jüdischen Bevölkerung nach der Volkszählung von 1880 ausmachten. Bei der Gesamtbevölkerung ist der Anteil der Erwerbstätigen im Jahre 1882 50% gewesen, im Jahre 1895 54% und im Jahre 1907 52%. Während noch im Jahre 1882 die Juden vergleichsweise 12% weniger Erwerbstätige stellten, betrug im Jahre 1907 der Unterschied nunmehr 3% oder, wenn wir dieBerufszählungals Unterlage gelten lassen, nur 1%. Zwei Gründe sind für die im Laufe von 25 Jahren vor sich gegangene Annäherung des Prozentsatzes der Erwerbstätigen unter den Juden an jenen der Erwerbstätigen unter der Gesamtbevölkerung maßgebend gewesen, einmal die starke Einwanderung, namentlich von 1885 bis 1890 und von 1895 bis 1900, welche Massen erwerbstätiger Juden nach München führte, dann der Eintritt des weiblichen jüdischen Elements in das Wirtschaftsleben, der sich in dieser Zeitspanne vollzog. (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.