Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1913)
- Article
- Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Kurhessen
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
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- Hanau 1× ep/1047937
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- 101 — iichen jährlichen Vermehrung bestimmt worden. In weichem Verhältnisse die Zahl der Juden seit 1817 in Kurhessen, dessen Provinzen und Regierungs - Commissions - Bezirken zugenommen hat, erhellt aus folgender Zusammenstellung. 1817 1827 1852 1858 1861 1864 A. Niederhessen B. Oberhessen ohne Ziegenhain C Fulda D. Jianau E. Schmalkalden F. Rinteln 5064 1657 1706 3572 245 266 6432 1798 1768 3879 247 298 8668 2635 2085 4485 336 414 8449 2650 2029 4304 338 344 8531 2696 2003 4230 335 391 8449 2745 1968 4107 317 377 Summa 13100 14422 18627 18164 18186 17463 Gesamtbevölkerg.in Kurhessen 568956 641152 755350 726739 738476 745063 Die israelitische Bevölkerung hat somit in dem 47 jährigen Zeiträume von i&l? bis 1864 durchschnittlich jährlich um 0,13% mehr zugenommen als die gesamte Bevölkerung in Kurhessen. Der jährliche Durchschnitt ihrer Zunahme (= ü,79°/0) ist erheblich überstiegen worden in Ober- und Niederhessen, dagegen noch nicht zur Hälfte erreicht worden in den Provinzen Fulda und Hanau. Diese Erscheinungen sind nicht auflällig, wenn man berücksichtigt, daß die Juden in Kurhessen früher und zwar in den althessischen Landen bis zum Jahre 18^6, im Fuldaischen und hanauischen aber noch bis 1833 in sehr gedrückten Verhältnissen lebten, indem sie wegen ihres damaligen Hörigkeits¬ und Schutzverhähnisses mit besonderen Abgaben belastet, dabei aber in der Wahl des Beruis, in dem Erwerbe und Besitze von Grundeigentum, der Niederlassung und Verheiratung und hinsichtlich des Aufenthalts außerhalb ihres Wohnorts sehr großen Beschränkungen unterworfen waren. Sollte doch 1 nach älteren Verordnungen da, wo sonst! keine Juden gewohnt hatten, auch keinem I der Schutz erteilt werden, nirgendwo eine | größere Anzahl als im Jahre 1744 aufj und angenommen, in den Städten die Zahl; der Juden nicht vermehrt, sondern vielmehr vermindert werden, keinem Juden, der das Schutzgeld etc. zu entrichten nicht vermögend war, sollte sich häuslich niederzulassen verstattet, die bereits aufgenommenen unvermögenden Juden das Land zu räumen angehalten werden, der Schutz aber und somit die häusliche Niederlassung regelmäßig nur einem (dem ältesten) Familiensohne erteilt werden können. Als diese Beschränkungen 1816 und (für das Fuldaische und rianauische) 1833 wegfielen und der israelitischen Bevölkerung damit eine freiere Bewegung und Entwicklung gestaltet war, stand naturgemäß eine raschere Zunahme zu erwarten, eine Zunahme, welche die der Qesamtbevölkerung übersteigen mußte, weil bei der, den Hauptbestandteil der Letz- I teren bildenden, christlichen Bevölkerung ein i Heraustreten aus gedrückten Verhältnissen i ö | nicht stattfand. Es kann in der Tat eher auffällig erscheinen, daß die stärkere Zunahme der israelitischen Bevölkerung nicht erheblicher war, als jene Zahlen nachweisen. Aliein es darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, daß mit dem Wegfallen der gesetzlichen Beschränkungen nicht alsbald auch die Hindernisse und Schwierigkeiten beseitigt waren, welche die damals noch ziemlich verbreitete Abneigung der christlichen Bevölkerung gegen die Juden dem Fortkommen und der Niederlassung derselben und ihrem Eintreten in bürgerliche und gewerbliche Verhältnisse da entgegen steilen konnte, wo eine Mitwirkung von Gemeindebehörden er- | forderlich wurde. Außerdem waren im Jahre 1816 auch in Aithessen noch einzelne Beschränkungen der Juden bestehen geblieben,