Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1913)
- Article
- Jüdische Kreditgesellschaften auf Gegenseitigkeit in Rußland
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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— -90 — Gesellschaften.1) Insgesamt funktionierten in Rußland am I.Januar 1912 776 Kreditgesellschaften auf Gegenseitigkeit (jüdische und nichtjüdische). Die Endziffern der Hauptposten der Bilanz dieser 7 7 6 (jüdischen und nichtjüdischen) Gesellschaften stellten sich am 1. Januar 1912 folgendermaßen dar: (in tausend Rubel) Zahl der Darlehen und Mitglieder Wechseldiskont spezielle Rechnungen 50i 821 505 436 181864 Kapital Depositen Schulden U9 9832) 487 456 I26 6i98j Die Endziffer der Hauptposten der Bilanzen der 132 jüdischen Kreditgesellschaften stellte sich am 1. Januar 1912 folgendermaßen dar: (in tausend Rubel) Zahl der Darlehen und Mitglieder Wechseldiskont spezielle Rechnungen 67 576 38 434 10 505 Kapital Depositen Schulden 7 837 *) 22 248 12 7085) Somit lauteten für die 644 nichtjüdischen Kreditgesellschaftcn die betreffenden Bilanzziffern folgendermaßen: (in tausend Rubel.) Zah! der Darlehen und Mitglieder Wechseldiskont spezielle Rechnungen 435 245 467 002 171 359 Kapital Depositen Schulden 112 146«) 455 208 1 13 91 i7} r) Die Zahl kann auch größer sein, denn die Rechnung ist nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Dr. Silberfarb hat zu den jüdischen Kreditgesellschaften nur diejenigen gerechnet, die ihren Sitz im Ansiedlungsrayon haben und deren Verwaltung ausschließlich aus Juden besteht. 2) Darunter Grundkapital 98906, Reservefond 21 077. 3) Darunter rediskontierte Wechsel und Lombarden bei der Staatsbank 33 391, bei anderen privaten Kreditinstituten 93 228. 4) Darunter GrundkapitaI7370, Reservefonds487. :V Darunter rediskontierte Wechsel und Lombarden bei der Staatsbank 1061, bei anderen privaten Kreditinstituten 11 647. <5) Darunter Grundkapital 91 536, Reservefond 20 590. 7J Darunter rediskontierte Wechsel u. Lombarden bei der Staatsbank 32 330, bei anderen privaten Kreditinstituten 81581. Vergleichen wir nun auf Grund der mitgeteilten Zahlen die Tätigkeit beider Gruppen dieser Kreditgesellschatten. Das Grundkapital ist das Zeichen der Intensität und des Umfanges der Tätigkeit jedes Kreditinstitutes. Die Höhe des Grundkapitals ist aber bei den jüdischen Kreditgesellschaften 2V2 rnal so niedrig wie bei den nicht jüdischen; so besitzt jede jüdische Gesellschaft durchschnittlich ein Kapital in der Höhe von 55 833 Rubel, jede nichtlüdische dagegen ein solches in der Höhe von 142 121 Rubel. Da das Grundkapital sich vornehmlich aus den Mitgliederbeiträgen zusammensetzt, so muß entweder die Zahl der Mitglieder in den jüdischen Gesellschaften kleiner sein oder ihre Beiträge müssen niedriger sein als in den nichtjüdischen Gesellschaften. In der Tat trifft beides zu: so hat jede jüdische Gesellschaft im Durchschnitt 511 Mitglieder (67 576:132), dagegen jede nichtjüdische 674 (434 245:644); es entfallen ferner vom Grundkapital auf jedes Mitglied bei den jüdischen Gesellschaften durchschnittlich i 09 Rubel, bei den nichtjüdischen Gesellschaften — 2 i 7 Rubel. Die jüdischen Kreditgesellschaften zeichnen sich mithin durch geringere Mitgliederzahl und niedrigere Mitgliederbeiträge aus. Die Ursachen dieser Erscheinung sieht Dr. Silberfarb darin, daß die jüdischen Gesellschaften vornehmlich in den kleinen Städtchen arbeiten, wo das Kreditbedürfnis mit kleineren Mitteln zu befriedigen ist, ferner aber auch in dem Urnstande, daß viele nichtjüdische Gesellschaften bedeutend aller sind als die jüdischen. — Das größere Alter der nichtjüdischen Kreditgesellschaften hat ferner zur Folge, daß das Verhältnis zwischen Grundkapital und Reservefond bei den jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaften recht verschieden ist, und zwar nicht zu Gunsten der Juden. Während bei den jüdischen Gesell-