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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1913-05-01 · Heft 5 (Mai 1913) · p. Seite 80

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
9 (1913)
Issue
Heft 5 (Mai 1913)
Article
Zur Psychologie des jüdischen Auswanderers
Date
1913-05-01
Page
Seite 80 (sequence 6)
Language
German
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Revolution im Leben unserer Kleinbürgerschaff; denn diese wäre von sich aus garnicht imstande gewesen, diese Hausindustrie ins Leben zu rufen, sie mußte sich die jüdischen Handwerker zu Hilfe nehmen. Die jüdischen Schneider, Schuhmacher, Tischler., und Mützenmacher, welche einen Ted der Emigration bilden, gingen in Amerika wieder in ihr altes Gewerbe und dächten garnicht daran, sich eine andere Beschäftigung zu suchen. IV. Wir erwähnten schon, daß der Übergang vom Handel zur Industrie für die jüdischen Emigranten von Schwierigkeiten begleitet Ist, denn vorn Ladentisch bis zur Nadel, ganz abgesehen vom Pflug oder der Maschine, ist ein weiter Weg. Durch das Anormale dieses Prozesses läßt es sich auch erklären, warum die jüdischen Emigranten so oft ihren Beruf wechseln. Im jüdischen Viertel, wo die Klassendifferenzierung noch nicht weit fortgeschritten ist, gibt es keine Scheidewände und keine abgrenzenden Linien. Da die Mehrzahl des östlichen Judentums zum Kleinbürgertum gehört, so drückt das letztere dem ganzen jüdischen Leben den Stempel auf. Aber allmählich beginnt die produktive Arbeit eine ebenso große Rolle zu spielen wie der Handel Diese Erscheinung sehen wir schon in Rußland, und sie kommt in allen Ländern vor, wohin die Emigration ihren Weg nimmt; aber im Kampfe zwischen Handel und produktiver Arbeit trägt die letztere fast immer den Sieg davon. Zwar sind die Fälle nicht selten, wo ein Emigrant, der nach Paris verschlagen wird, dort bei einem Mützenmacher arbeitet, dann nach London geht und das Schneiderhandwerk treibt und zuletzt in New- York mündet, wo er im gelobten Lande wieder zum Handel greift. Im heutigen Judenturne ist nichts Festsiehendes, die Zustände sind im ewigen Wandel begriffen. Und doch können wir mit Bestimmtheit voraussagen, auf wessen Sehe der Sieg sein wird. In Rußland ist der Anteil der Juden am Handel großer als ihr Anteil am Gewerbe, während in Amerika die Juden sich um 15% mehr im Gewerbe als im Handel betätigen. Diese Daten können natürlich keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit haben, aber sie geben eine richtige Vorstellung von dem Anteil der Juden in den verschiedenen Gebieten der Volkswirtschaft. Es ist klar, daß eine Verschiebung der sozialen Faktoren innerhalb des Judentums stattfindet, und zwar mit dem Ziele des Übergangs vom Handel zur Industrie. Aus Mangel an Raum musste das , Statistische Archiv für die nächste Nummer zurückgestellt werden. Für die Redaktion verantwortlich: Rechtsanwalt Dr. Brunno Blau, Berlin-Charlotteiiburg. —* Verlag von Max Scliiidbetger Inhaber A r t n u r S c Ii I e s i n g e?, Berlin W. 62, Schilfstrjße 3. . Druck von E. Grüner, Bernau bei Berlin,

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