Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1913)
- Article
- Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Württemberg von 1820 bis 1910
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 75 (sequence 11)
- Language
- German
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Stuttgart hat um 88% zugenommen, Keilbronn um 42° 0, Eßlingen um 40°/o - Eßlingen hat keine gleichmäßige Ent-; wicklung; es Ist ein ständiges Auf und Nieder, bald ein Ansteigen, bald ein Absteigen zu beobachten —, Ludwigsburg um; 141%, also um mehr als das Doppelte seiner! ursprünglichen Bevölkerungszahl Sämtliche ' eben genannten Orte liegen im Neckarkreis.; Der Schwarzwaidkreis hat wenig Orte mit : einer größeren jüdischen Bevölkerung auf- : zuweisen. Nur in Tübingen ist gegenwärtig i eine größere jüdische Gemeinde vorhanden,; die, wie die Tabelle zeigt, in Zunahme; begriffen ist. Sie hat sich von 1871 bis : 1910 verdreifacht. Der Jagstkreis ist mit ■ den beiden Orten Halt und Crailsheim vertreten. Hall ist nach einer überaus günstigen ( Entwicklung — von 1871 bis 1880 hatte j sich die jüdische Seelenzahl verdoppelt — in; ununterbrochenem Absteigen, während Crails- [ heim sich von einem vorübergehenden Niederj gange in -den 80 er und 90 er Jahren wieder j erholt hat und eine aufsteigende Kurve! zeigt. Ulm zeigt denselben Entwicklungsgang wie Hall, nur ist der Abstieg nicht so ausgeprägt, Laupheirn dagegen hat sich um mehr als die Hälfte verringert. Es war dies früher eine blühende jüdische Gemeinde, die durch fortwährende Abwanderung in die Großstadt ihrer allmählichen Auflösung entgegengeht. Eigentümlich ist, daß hier der Rückgang schon in den 70er Jahren einsetzt. Es wäre eine interessante Aufgabe, an Ort und Stelle den Gründen für den Niedergang dieser jüdischen Ansiedhingen nachzugehen. Göppingen dagegen zeigt ein langsames und sicheres Ansteigen. Die drei letztgenannten Orte liegen im Donaukreis. Gegenwärtig verteilen sich die Juden auf die einzelnen Kreise folgendermaßen. Zum Vergleiche stellen wir die Zahlen von 18S0 denen von 1910 gegenüber: Kreis 1880 1910 ^Zuin - /n Neckarkreis 3188 6276 ■ f- 1088 -{-21 Schwarzwaldkreis 1505 1359 - 146 — 9 lagstkreis 3911 2412 — 1499 - 38 Donaukreis 2627 1935 - 692 —26 zusammen 13331 11982 1349 10 Im Psycliologis ües iudisclieii flusw&ntas. Von Jakob Lestzinsky, Zürich. I. Wenn wir das Leben des jüdischen Auswanderers in all den Ländern betrachten, wohin das unbarmherzige Schicksal ihn verschlägt, so müssen wir mit Erstaunen bemerken, wie eintönig die Beschädigung ist, die der Jude ausübt, in dieser Beziehung unterscheidet sich das dichtbewohste Nordamerika mit seinen gigantischen Städten fast garnicht von Kanada mit seiner spärlichen Bewohnerzahl und seinem im Entstehen begriffenen Städtewesen. Nicht nur in London mit seinen 7 Millionen Einwohnern, sondern auch in den sich allmählich bildenden Städten Argentiniens treibt er dasselbe Gewerbe und begnügt sich mit einem Berufe, der nur die ungünstigten Arbeitsbedingungen zuläßt. Die Mehrzahl der jüdischen Emigranten » o ist in den Industriezweigen beschäftigt, in denen die Anwendung der modernen Technik nicht zur Geltung kommen kann. Das Anfertigen von Kleidungsstücken, Schuhwerk, Möbel, Mützen und Zigaretten - ist fast ihr einziger Beruf. Zwar sehen wir auf der