Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 4 (April 1913)
- Article
- Die jüdische Presse in Rußland im Jahre 1912
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 59 (sequence 2)
- Language
- German
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— 59 — des Jahres 1912 periodisch erscheinenden jüdischen Organe betrug 37 (am Ende 1910 30); davon erschienen: 1. in der jüdischen Jargonsprache 20 (13)J) 2. „ „ hebräischen Sprache 8 (7) 3. „ russischen „ 9 (8) j 4. „ „ polnischen „ 1 (1) ] Mithin entfällt fast der gesamte Zuwachs \ auf die Jargonpresse; in dem Stande der hej bräischen und russisch-jüdischen Presse ist j keine wesentliche Änderung eingetreten. Von j den anderen Lokalsprachen, die in Rußland j so zahlreich vertreten sind, besaß außer der polnischen, die ihr einziges bereits 48 Jahre existierendes Organ „Israelita" besitzt, keine ein jüdisches Organ. Auch das im Jahre 1910 in der „pharsischen" Sprach© erschienene hat j sein Erscheinen eingestellt. j Von diesen 37 Organen, die das Gesamtgut; unserer jüdischen Presse ausmachen, erschienen j täglich 13 (9), | wöchentlich 15 (14), j monatlich 5, j die übrigen erscheinen 8 Mal bezw. 4 Mal im j Jahre etc. I Von den 13 Tageblättern erscheinen in Jargon 11 (7), in Hebräisch 2 (2). Von den 15 Wochenschriften erscheinen in russischer Sprache 7 (5), in Jargon 4 (4), in hebräischer Sprache 3 (4), in polnischer ., 1 (1). Von den 5 Monatsschriften erscheinen J in Jargon 3, j in Hebräisch 2. Der Haupttypus der Jargonpresse ist nach wie vor das Tageblatt, welches gewöhnlich im Handverkauf verbreitet wird und eine oder zwei Kopeken pro Nummer kostet. Der jüdische ZeitungsVerkäufer ist in den jüdischen Straßen der Städte des Ansiedlungsrayons eine typische Figur geworden. Das Abonnement spielt bei der Jagonpresse gar *) Die in den Klammern angeführten Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1910. keine Rolle. Bei der hebräischen und russischjüdischen Presse ist dagegen das Abonnement die Grundlage, und der Absatz der Einzelnummern spielt eine gänzlich untergeordnete Rolle. In der hebräischen Presse spielen auch jetzt noch die zwei Tageblätter (Hazephira und Hasman) die führende Rolle, die russischjüdische Presse beherrschen die Wochenschriften, Ueber die Verbreitung der einzelnen Organe ist nur eine sehr weitgehende Schätzung möglich, dabei muß noch ganz besonders die ungemein große Schwankung des Absatzes an den gewöhnlichen Wochentagen und an den Tagen vor Sonnabend und den Feiertagen berücksichtigt werden. Die großen Tageblätter Ha int, Moment und Fraind werden am Freitag gewöhnlich um 40—50% mehr verkauft als an anderen Tagen; so schätzt man die Auflage dieser erwähnten drei Tageszeitungen an gewöhnlichen Wochentagen auf zirka 120 Tausend Exemplare, am Freitag (und an den Tagen vor den jüdischen Feiertagen) auf zirka 170—180 Tausend. Die Gesamtauflage der Jargonpresse wird auf 180—240 Taus.Exempl. der hebr. Presse „ 18— 20 „ „ „ russ.-jüd. Presse „ 14— 16 „ „ geschätzt. Wie aus allen diesen Angaben ersichtlich ist, beherrscht die Jargonpresse den Zeitungsmarkt, und ist deren politische und kulturelle Bedeutung in den letzten Jahren gestiegen. Es muß aber auch hier hervorgehoben werden, daß man jetzt viel weniger als früher das Recht hat, die Jargonpresse Rußlands zu einer „gelben" Presse zu stempeln. Ihr Ton und Inhalt sind viel korrekter und ernster, das sensationelle Element ist bedeutend abgeschwächt worden, und die Jargonpresse steht jetzt an Reichhaltigkeit des Inhaltes, an Schnelligkeit und Vielseitigkeit der Information kaum der russischen oder pol nischen Presse nach. Im Laufe der letzten zwei Jahre hat die Jargonpresse ihre Entwickelung fortgesetzt,