Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- Ueber die Selbstverstümmelung der jüdischen Rekruten Russlands
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 43 (sequence 4)
- Language
- German
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— 43 — sene Ränder auch ohne solche vorkommen. Dass durch einen künstlichen Eingriff, den man als Einbohren eines Handschuhfingererweiterers in Narkose sich vorzustellen gewohnt hat, gelegentlich ein schnelleres Reifen eines Bruches ermöglicht werde, hält er bei vorhandener Anlage nicht für ausgeschlossen. Dagegen erkennt er kein zuverlässiges Zeichen an für die Unterscheidung künstlicher von natürlichen Brüchen, er hält die praktische Bedeutung der ersteren für gering und eine ,»erhebliche Aenderung" ihrer Bewertung in der russischen Literatur für notwendig. Auch Glückmann kommt zu dem Schlüsse, man gehe in vielen Fällen mit dem Verdacht gegen die Juden zu weit, diese seien zu Leistenbrüchen besonders disponiert. Er stützt sich auf die Untersuchungen S o - 1 o m k a s von 176 000 Mann, die bei Juden eine 5—7 mal grössere Häufigkeit der Leistenbrüche als bei anderenKonfessionen ergaben, und zwar mit Bevorzugung der linken Seite bei den Juden, der rechten bei Anderen. (Ob hier wirklich eine rassenanatomische Eigentümlichkeit vorliegt, weiss ich nicht). Er hält die Frage der künstlichen Brüche für noch nicht endgültig gelöst. Von anderen beliebten Methoden zur Selbstverstümmelung möchte ich nur flüchtig erwähnen: die künstlichen Hais¬ und Hodengeschwülste und Krampfadern, durch Injektion flüssigen Paraffins erzeugt, tropfte in mehreren Fällen das Paraffin (bei Auflegen eines heissen Umschlags aus der Einstichöffnung), die künstlichen Zellgewebsentzündungen durch Einspritzen des stark reizenden Crotonöls und die durch Einnehmen von Pikrinsäure hervorgerufene Gelbsucht. Von besonderem Interesse sind aber noch die sogenannten Tefilliniähmungen des linken Arms, von denen E r i k s o n aus dem Warschauer Militärhospital in den letzten 3 Jahren etwa 25 Fälle beschrieben hat. Es besteht eine schlaffe Lähmung des Armes, der Hand und Finger und eine ödematose Schwellung vom Unterarm abwärts. Die Differenz im Unfang zwischen rechts und links beträgt bis 7 cm zu Gunsten der gelähmten Seite. Das klinische Bild lässt sich mit keinem der bekannten spontan entstehenden neurologischen Krankheitsbilder in Einklang bringen und ist absolut typisch. Das übrige Nervensystem ist völlig intakt. Bei den Juden wurde diese Lähmung stets nur am linken Arm beobachtet und daher auf Tefillin zurückgeführt. G) Nun erzählt aber Erikson7), dass im gleichen Bezirk ein anderer Arzt 2 Tartaren und einen Juden mit den gleichen Erscheinungen fand. Einer von ihnen erzählte: Ein Feldscher habe ihm den Arm mit Nikotin eingerieben, dann verpackt und nun bis zum Eintreten des beschriebenen Zustandes, der dann längere Zeit bestehen blieb, mit einem Stocke bearbeitet. Auch diese Entstehungs weise ist medizinisch denkbar und daher die Diagnose auf Tefillinlähmung aus dem Befund nicht ohne weiteres zu stellen. Wo diese zugegeben wird, gelangt das Gericht nach Eriksons Angaben merkwürdigerweise in der Regel zu einer Freisprechung, indem es jugendlichen Unverstand bei Einleitung der Verstümmelung oder persönliche Unschuld des Verstümmelten annimmt. Ob die Angehörigen in letzterem Fall die Lähmung zwecks Befreiung vom Militärdienst oder aus religiösem Fanatismus (?) herbeigeführt haben, ist nach Erikson bisweilen schwer zu entscheiden. W.NL J. 1911, Heft 11. W.M.J. 1909, Heft 7.