Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 3 (März 1913)
- Article
- Die Neigung zu Mischehen
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 37 (sequence 2)
- Language
- German
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— 37 — Mischehen 50. Für die Juden wäre dann _ . 50. 100 y 200, x — 50, also m 1 =20%; m 2= ^ö+im - HV9% d. h. 20 Proz., bezw. 11 */• Proz. aller jüdischen Ehen sind Mischehen. Bei den Christen ist y — 1000, x — 50, also m 1 « 50 . 100 4,76; m 2 =- 50 . 100 2,44, 1050 2000+50 d, h, 4,76 Proz., bezw, 2,44 Proz, aller christlichen Ehen sind Mischehen, Würde man mehrere solche Beispiele aus der Wirklichkeit wählen, so würde man n a t u r -! * i gemäss zu dem Schlüsse kommen, die j Neigung zu Mischehen ist umso stärker, je s schwächer der Anteil der Bevölkerungsj gruppe an der Gesamtbevölkerung ist, | Diese Tatsache ist jedoch kein Beweis für die psychologische Neigung zu Mischehen,! sondern sie ist mathematisch notwendig, j Bei den Juden unseres Beispiels ist die! Möglichkeit zu Mischehen viel grösser als bei den Christen. Es können z. B. alle Juden Mischehen eingehen, während bei den Christen höchstens 450 von den 2050 Verheirateten hätten Mischehen eingehen können, nämlich soviel, als Heiratsfähige der kleineren Bevölkerungsgruppe vorhan- (Tab den sind« Will man aber die psychische Neigung zu Mischehen untersuchen, so muss man die Anzahl der Mischehen in Beziehung setzen zu der mathematischen Wahrscheinlichkeit derselben. Unter der mathematischen Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses versteht man das Verhältnis der Anzahl der dieses Ereignis herbeiführenden Fälle zu a 11 e n möglichen Fällen. Dabei muss man bestimmte Voraussetzungen machen über die als gleich zu betrachtenden Möglichkeiten. In unserem Falle wollen wir voraussetzen, die Neigung aller Verheirateten zur Heirat sei gleich gewesen, während die Nichtverheirateten unter keinen Umständen geheiratet hätten. Ferner setzen wir voraus, es sei allen gleichgültig gewesen, welchen Partner bzw. welche Partnerin sie erhalten hätten. Am besten bekäme man also den von allen psychischen Einflüssen freien, mathematisch idealen Genzfall, wenn man sämtliche in einem Jahre heiratenden Paare wieder scheiden würde und dann für jeden Mann eine Frau durch das Los bestimmen würde. Nehmen wir also an, es gebe 2 Gruppea A und B, und zwar gebe es Ehen zwischen i) Mann A u. Frau A Mann A u. Frau B Mann B u Frau A Mann B u. Frau B X y z t Dann gibt es Heiratsfähige von der (Tab. 3) (Tab. 2} Gruppe A Gruppe B Männer Frauen Männer i Frauen : x + y x -f* z z + t i y + t Jeder j ^lann hat nun die Möglichkeit, j Mann A Frau A Mann B Frau B Reine Ehe . Mischehe . . v + z y + t y + x t + z t + y z + x z±l x + y jede Frau seiner Art und der andern Art zu heiraten und umgekehrt. Es sind also die Möglichkeiten zur reinen und zur Mischehe für jedes Individuum: Denn die Anzahl der Möglichkeiten der reinen Ehe des Individuums einer Gruppe ist gleich der Anzahl der Individuen des andern Geschlechts dieser Gruppe, die Anzahl der Mischehenmöglichkeiten ist gleich der Individuen des andern Geschlechts der