Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- Unterrichtsstatistik für das Jahr 1910 in Russland
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 25 (sequence 2)
- Language
- German
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Mentioned entities
- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
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— 25 — kerungszahl von 1 420 653 Juden und mit 202 956 Kindern im schulpflichtigen Alter gab es in denselben 7145 Privatcheder mit 99 724 Schülern und 213 Talmudthoraschulen mit 8565 Schülern, im ganzen also 7358 Cheder mit 108 298 Schülern, Ein Privatcheder kommt im Durchschnitt demnach auf 199 jüdische Seelen und 28 Schulkinder. Es kommen im Durchschnitt 14 Schüler auf jeden Privatcheder und 40 Schüler auf jede Talmud Thoraschule. In den obenerwähnten 507 Orten, welche die verschiedenartigsten Typen von Städten und Städtchen umfassen, fanden Unterricht in den Chedern 53,8 Proz. sämtlicher Kinder im schulpflichtigen Alter; der allergrösste Teil der Knaben und ein geringer Teil der Mädchen. Die Zahlen variieren zwischen 69,4 Proz. (Gouv. Kieff), 66 Proz. (Gouv. Minsk), 64 Proz. (Gouv. Grodno) bis 32,3 Proz. (Gouv. Tschernigoff), und am niedrigsten ist sie im Gouv. Jekaterinoslaw — 30,4 Proz. Im Gouv. Jekaterinoslaw besucht der grösste Teil der Schulkinder eine organisierte jüdische oder nichtjüdische Schule und nicht den Cheder. Wenn man die hier ermittelten Angaben als durchschnittliche zur Grundlage der Berechnung für den übrigen Teil des Ansiedlungsrayons annimmt, so müsste die Zahl der im Jahre 1898/99 im ganzen Ansiedlungsrayon (inklusive Königreich Polen) (bei einer Bevölkerungszahl nach der Volkszählung von 1897 von 4 874 636 Juden) befindlichen Cheder gewesen sein: 25 540 Cheder (Privatcheder) und 600 Gemeinde- Cheder oder Talmud-Thoraschülen. 3) *) D. h. Cheder, die der Gemeinde oder speziellen Taimud-Thor a Gesellschaft angehören und wo der Unterricht unentgeltlich erteilt wird. Der Inhalt des Unterrichts und die Methode desselben sind ganz dieselben wie im Privatcheder. Also im Ganzen gibt es 26140 Cheder und Schulen mit Chedersystem, d. h. traditionelle jüdische Elementarschulen ohne irgend welche staatliche oder kommunale Aufsicht. Dies sind keine modernen jüdischen Religionsschulen, sondern eigenartige Stätten des jüdischen traditionellen Lebens, wo die hebräische Sprache, Bibel und Talmud als alles umfassende Geistes- und Wissensquelle dem jüdischen Kinde eingeprägt wird. Wir besassen demnach nach den fast erschöpfenden Untersuchungen der JCA, die als die glaubwürdigsten zu betrachten sind, am Ende des XIX. Jahrhunderts im Ansiedlungsrayon über 26 Tausend Cheder. Schon diese Zahl an und für sich spricht deutlich genug für die eminente Bedeutung des Cheders im jüdischen Leben Russlands. In diesen 26140 Chedern fanden Elementarunterricht ca. 363 000 Kinder, Der Zahl nach übersteigt die Anzahl der Cheder in ganz bedeutendem Masse diejenige der Schulen in den meisten Ländern Europas, so z, B. besitzen Serbien im ganzen nur 1305 Schulen, Griechenland 3263, Dänemark 3431, Rumänien 4565, die Schweiz 4689, Norwegen 5970, Portugal 6897, Belgien 7207, Schweden 14.700, Ungarn 18.539, Allerdings gibt es in allen diesen Ländern keine organisierten Schulen mit einer solchen niedrigen Schülerzahi wie bei den Chederschulen, aber wenn wir auch statt 3—4 unorganisierter Chederschulen nur eine organisierte Schule rechnen, so ist auch dann noch der Complex der Chederschulen ein ganz gewaltiger und würde seine Beaufsichtigung und seine Leitung die Kräfte eines ganz bedeutenden Unterrichtsministeriums beanspruchen. Nach diesen Vorbemerkungen gehen