Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in den Städten Galiziens 1881 - 1910
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 24 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 24 — in näherer oder fernerer Zukunft das Rej servoir, aus welchem die Städte bisher ge- I schöpft haben, schliesslich fast ganz ver-; siegen wird, dass also von dieser Seite kein Zufluss mehr zu erwarten wäre; 2) ist zu | konstatieren und in Erwägung zu ziehen, j dass der Unrwandlungsprozess des halbj agrarischen Galizien in ein Industrieland begonnen hat und fortschreiten wird. Die polnische und ruthenische Bevölkerung der Städte und Städtchen erhält einen erheblichen Zuwachs von Menschenmaterial vom Lande. Diese Tatsache wirkt zunächst auf das Sinken der relativen Zahl der jüdischen Bevölkerung in den Städten, welche immer mehr sinken wird, je mehr Personen der autochthonen Bevölkerung in die Städte ziehen werden und je näher wir dem Zeitpunkte sind, in welchem bereits ein Zufluss in die Städte seitens der jüdischen Bevölkerung von dem Lande unmöglich sein wird. Wir werden also m. E. in nicht ferner Zukunft mit dem jüdischen Problem in zweifacher Form zu tun haben; a) als dem Minoritätsproblem schlechtweg, b) als dem Problem einer ausschliesslichen und fast geschlossenen städtischen Bevölkerung, UnterricbtsstafistfR für äa$ frfer m in Rtt$$lM<L Von B. Gold L Noch jetzt spielt der C h e d e r die Hauptrolle beim Elementarunterricht der jüdischen Bevölkerung. Und gerade in Bezug auf die statistische Erfassung des Chederbesuches herrscht die grösste Ungewiss hei t, Unklarheit, ja volle Verwirrung; von blosser Ungenauigkeit kann dabei gar nicht die Rede sein, denn bei verschiedenen Quellen variieren die offiziellen Angaben um 200—400 Prozent. Infolgedessen beeinflussen diese fehlerhaften Ergebnisse des Chederbesuches im höchsten Grade die gesamte Unterrichtsstatistik, und ein klares Bild über dieselbe bei den Juden Russlands lässt sich nur nach gründlicher Korrektur der offiziellen Angaben herstellen. Dagegen sind die Angaben über alle arideren Schularten in Russland, da dieselben der Aufsicht und Kontrolle der Regierungsorgane unterworfen sind, ziemlich genau und leicht zugänglich. Inwieweit die A.ngaben über den Chederbesuch differieren, beweisen folgende Daten, die in dem bekannten von der b e r g, Wilna. JCA1) herausgegebenWerkeangeführt sind. Der offizielle statistische Bericht Russlands für das Jahr 1890 spricht von 1701 Cheder in ganz Russland (incl. Polen). Für das Jahr 18% sprechen die offiziellen Berichte bereits von 9255 Cheder. Nach der Enquete der Petersburger freien ökonomischen Gesellschaft fanden sich im Jahr 1904 13 683 Cheder mit 201 964 Schulkindern und 14 740 Lehrern (Melamdim). Die russische Abteilung der JCA versuchte in den Jahren 1898/99 eine genaue Erhebung in ganz Russland durchzuführen. Doch gelang es derselben nur von 507 Orten des jüdischen Ansiedlungsrayons ziffernmässige Angaben zu erhalten. Wegen der grundlegenden Bedeutung jener JCA-Unt ersuchung bringen wir an dieser Stelle die ziffernmäßigen Angaben des zitierten Werkes. Nach der statistischen Erhebung von 507 Orten mit einer Bevöi- J) Sammelwerk der Materialien über die ökonomische Lage der Juden in Russiand, 2 Bände, 1904 (russisch), St, Petersburg.