Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 9 (1913)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1913)
- Article
- Die jüdische Bevölkerung in den Städten Galiziens 1881 - 1910
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 23 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 23 — Tabelle VI. Die Bevölkerung der 83 Städtchen Ostgaliziens. Gesamt Bevölk. Römisch. Griech. \ T.. i \ j KathoL! KathoL j ^'udlscn' j Andere Rom. Griech. Jud. j And. 1880 1S90 1900 1910 337496 373168 400651 441817 70771 80854 93923 115533 100781 | 162489! 3455 111413 I 178889 | 3312 125751 | 178375! 2802 1383S7! 185532! 2262 21,0 29,9 1 48,1! 1,0 21,7 29,8 47,9 1 0,6 23,5 i 31,4! 44,5 j 0,6 26,2! 31,3 i 42,0 j 0,5 Zubezw. Abnahme Gesamt.- Bevölk. Rom. i Griech. T..j Ä , KathoL; KathoL \ JucL! Andere Prozent j Rom. Griech Jud. And. 1881 - 1890 1891 — 1900 1901 - 1910 1881 — 1910 35972 27183 41168 104321 10083 1 10632 16400 -1143 13089; 14338! 514 i 290 21713! 12636! 71157 i — 340 44865 j 37606 | 23043! —1193 i 1; i i 10,7 14,2 7,3 16,2 10,3 23,1 30 9 63,4 10,5; 10,1 : -33,1 12,9; -0.3; 12,5 10,0! 4.0! —13,1 37,3 14,2; -34.5 Auswanderung sinkt die absolute Ziffer und wird der Zuwachs gehemmt, so in den Städten Tarnopol (Zuwachs 3.9), Zolkiew (Zuwachs 2.3). Viel trauriger liegen die Verhältnisse in den 83 Städtchen. Der absolute Zuwachs beträgt im Jahre 1880 162 489, im Jahre 1910 185 532! Hier ist der Herd der Auswanderung, wobei als eigentliches Emigrationsterritorium die kleinen Städtchen, in denen sich hauptsächlich die jüdische Bevölkerung festgesetzt hat, gelten: Peczenizyn, Tlumacz, Horodenka, Zaleszczyki, Borszczow, Monasterzyska, Baryz, Jagielnica, Czortkow, Husiatyn, Budzanow, Kopyczynce, Podhajce, Grzymaton, Mikulince, Kozowa, Pomorzany, Zalozce, Sassow, Lopatyn, Kulikow, Mosty-Wielkie, Sadowa, Wisznia, Chyrow, Dolina und Bolechow. Einen nur geringen absoluten Zuwachs erhielten die Städtchen Beiz, Rawa, Sieniawa, Nizankowice, Rozniaton und Dobromil. Die angeführten Zahlen bergen in sich eine schreckliche Wahrheit: zwar kann man nicht von einem Untergang der galizischen Juden reden und einen Verzweiflungsschrei ausstossen, aber frappant ist doch die Tatsache, dass die jüdische Bevölkerung allmählich auch in den Orten ihrer konzentriertesten Siedlung in den kleinen Städtchen zunächst teilweise zu relativen Majoritäten herabsinkt, wo sie früher eine absolute repräsentiert, und dass sie mancherorts auch absolut verliert, sodass wir also in nicht allzuferner Zeit mit einer im ganzen Lande stabilen Minorität zu rechnen haben werden. — Die jüdische Frage in Galizien ist überhaupt ein Minoritätsproblem par exceilence. Die Frage ist aus zwei Gründen verwickelt: 1) wird, wie oben erwähnt wurde, das Dorf von den Juden verlassen, worauf die Urbanisierung eintritt. Diese Landflucht, welche ihre Ursache in dem sozialen Drucke auf dem Lande hat (die aufgezählten Gesetze und wirtschaftliche Organisierung der Polen und Ruthenen), wird aller Voraussicht nach stets steigen und die Urbanisierung wird gewiss zunehmen, während ein Teil an die überseeische Auswanderung verloren gehen wird, so dass