Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1912)
- Article
- Die jüdische Auswanderung der Neuzeit
- Date
- 1912-12-01
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
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— 180 — Tabelle XL Zahl der Handeltreibenden in der jüdischen Einwanderung. Jah r Kaufleute und Händler Kommis,Buchhalter u. Handlungsgehilfen Bankiers Insgesamt In °/0 zu der jüdischen Einwanderung 1888 — 1899 1307 392 1699 4,5 1899 — 1900 1917 490 3 2410 3,9 1900 — 1901 1999 626 — 2625 4,5 1901 — 1902 2246 553 — 2799 4,8 1902 — 1903 2363 1066 1 3430 4,5 1903 — 1904 3464 1864 7 5335 5,02 1904 — 1905 4596 2543 5 7144 5,4 1905 — 1906 3495 2370 10 5875 3,8 1906 — 1907 3534 2497 3 6034 4,04 1907 — 1908 2416 2035 6 4457 4,3 1908 — 1909 1574 1106 8 2688 4,6 1909 — 1910 2580 1906 4 1490 5,3 1910 — 1911 2635 2294 3 4932 5,4 Sa: 34126 19742 50 53918 4,6 rungslande gemäss beteiligen sollten. Das ist umso befremdender, als, wie wir wissen, die ökonomische Lage der Handeltreibenden in Russland nicht gerade als eine glänzende zu bezeichnen ist, und sie ebenso unter der Unterdrückung zu leiden haben wie etwa die jüdischen Handwerker. Der prozentuale Anteil der gewerblich Vorgebildeten in der jüdischen Einwanderung (in der Zeit von 13 Jahren 37,3 Prozent) entspricht aber vollständig der Zahl der jüdischen Handwerker in Russland (35,43 Prozent). Wie Vornberg treffend bemerkt, kann uns diese Erscheinung viel lehren, vor allem aber muss sie uns dazu führen, die jüdische Auswanderung nicht als eine zufällige, sporadische Erscheinung zu betrachten, sondern als eine „ernste, tiefe und gesetzmässige Erscheinung des jüdischen Lebens." Auserdem ist es klar, dass die Ursachen der jüdischen Auswanderung nicht allein in der politischen Unterdrückung, Rechtlosigkeit und Furcht vor den Progromen liegen können. Denn damit kann man offenbar nicht die Tatsache erklären, warum zwei verschiedene soziale Gruppen, die unter der Unterdrückung gleich leiden, nichtsdestoweniger ganz verschieden sich an der Auswanderung beteiligen. Die rechtliche Unterdrückung kann insbesondere hier nichts erklären, da es ja gerade die jüdischen Handwerker sind, die die Freizügigkeit in Russland haben, der Handelsstand aber in der Tat viel mehr Beschränkungen unterworfen ist als der der Handwerker. Somit kommen wir mit Erklärungen, die in der rechtlichen Lage der Juden in Russland begründet sind, nicht aus. Die Gründe liegen vielmehr auf einem anderen Gebiete. Der jüdische (Klein) -Händler ist auf die Masse seiner Volksgenossen angewiesen, die mit ihm die gleiche Sprache sprechen; er spricht unmittelbar mit dem Konsumenten, sein Wirkungsgebiet fällt örtlich zusammen mit den Grenzen der nationalen Sprache, Des-