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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-11-01 · Heft 11 (November 1912) · p. Seite 158

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 11 (November 1912)
Article
Die russischen Juden in Kopenhagen
Date
1912-11-01
Page
Seite 158 (sequence 6)
Language
German
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~ i58 — Zimmern begnügt, in denen Mann, Frau, 5 Kinder und 1 Dienstbote hausen, Eine solche Genügsamkeit würde man bei einer Familie dänischer Herkunft selten antreffen. Ein Herr meines Bureaupersonals, der, um die Aufschlüsse der Volkszählungslisten zu vervollständigen, eine Anzahl russischer Judenfamilien besuchte, erzählt darüber folgendes: die Zimmer waren durehgehends sehr klein und niedrig und wurden oft ausser zum Aufenthalt am Tage und als Schlafraum gleichzeitig auch als Werkstätte benutzt, da ein Teil der russischen Juden Arbeit mit sich nach Hause nimmt. Mit der Reinlichkeit ist es sehr oft schlecht bestellt, doch trifft man auch nette und wohlgehaltene Häuslichkeiten an, und die Leute sind in der Regel lebhaft und intelligent. An einer Stelle befand sich an der Wand ein Bild von Björnstjerne Björnson, dem norwegischen Dichter, das nicht nur zum Schmuck da war, da der Familienvater von der Bedeutung Björnsons als Volkserzieher unterrichtet war. Mein Abgesandter kam bei einer gegebenen Gelegenheit, ganz gegen seinen Willen, dazu, den schwarzen Mann" zu spielen. Eine Familie, die bei seinem ersten Besuch nicht zu Hause war, der aber mitgeteilt wurde, dass ein Flerr sich nach ihr zu erkundigen wünsche und deshalb noch einmal kommen würde, flüchtete über Hals und Kopf aus der Wohnung, ohne die geringste Mitteilung darüber zu hinterlassen, wohin sie gezogen war. Ob es nur die allgemeine Furcht vor den Behörden war, die ihnen von ihrem Heimatlande aus im Blute lag, oder ob wirtschaftlich etwas ihr Gewissen beschwerte, will ich dahin gestellt sein lassen. Die nachfolgende Tabelle h beleuchtet an der Hand der Verteilung der Wohnungen nach der Zimmeranzahl die Wohnverhältnisse der russischen Juden und der alten jüdischen Gemeinde im Vergleich zu denjenigen der gesamten Bevölkerung. Ferner sind die durchschnittlichen halbjährlichen Mietsbeträge für die beiden jüdischen Gruppen angegeben. Tabelle h. Prozent sämtlicher bewohnter Wohnungen Durchscha. halbj.Mietsbet. Russische Juden 1011 Alte jüdische Gemeinde 1911 Die ganze! Bevölkerung 1900*) | Russische Juden 1911 Alte jüdische* Gemeinde 1911 1 Zimmer .... 2 S „ .... 4 „ .... 5-7 „ .... 8 ,, u. mehr 8.0 60,0 21,! 8,.. 2,« 4.o U.5 9.* 15,« 50,4. % 10fl 38;1 20,q iß,; 12,4 2J4 Kr. 48,5 89J6 140,5 183)0 440,3 Kr. 57„ 125,. 179,; 263,, 5U,C 1125IG 100,0 | 100,0 100,0 117n! 420,2! Eine Vergleichung der 1. und 3. Kolonne I der Tabelle h zeigt, dass die Wohn verh al t-; nisse der russischen Juden wesentlich unj günstiger sind als die der ganzen Bevöl- | kerung, indem die Zweizimmerwohnungen I stark in den Vordergrund treten, während i verhältnismässig weit weniger Wohnungen | von 4 Zimmern und mehr vorhanden sind, j Und hierzu kommt, dass das Bild, welches | die Prozentzahlen von den Wohnverhältnissen der russischen Juden gaben, in Wirklichkeit zu günstig ist, sowohl weil die Woh-; nungen von schlechter Beschaffenheit sind, als auch weil sie stärker als gewöhnlich überfüllt sind. So möge angeführt werden,! dass die durchschnittliche Bewohner zahl j pro Wohnung bei den russischen Juden für | Ein-, Zwei- und Dreizimmerwohnungen 2,70 beziehungsweise 3,99 und 4,89 gegen nur 1,85, 3,35 und 4,09 für die ganze Bevölkerung betrug. Der grosse Unterschied er- *) Die neue allgemeine Wohnungsstatistik für i Kopenhagen liegt im Augenblick noch nicht vor.

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