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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-09-01 · Heft 9 (September 1912) · p. Seite 132

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 9 (September 1912)
Article
Austritte aus dem Judentum und Uebertritte zum Judentum in Wien im Jahre 1910 mit Rückblicken
Date
1912-09-01
Page
Seite 132 (sequence 2)
Language
German
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— 132 — iallenderweise hat eigentlich nur das männliche Geschlecht einen erheblichen Rückgang zu verzeichnen, während das Sinken beim weiblichen Geschlecht nicht so bedeutend ist. Während noch im Jahre 1906 die Zahl der männlichen Ausgetretenen jene der weiblichen um nahezu 100 übertraf, herrscht heute Gleichgewicht der Geschlechter. Die Ursache für die relative Konstanz der Austrittsbewegung unter den Frauen mag darin bestehen, dass für letztere die Eingehung einer Mischehe die Hauptveranlassung zum Austritt bildet. Da nun die Zahl der Mischehen nicht in Abnahme begriffen ist, ist naturgemäss auch die Austrittsziffer der Frauen nicht gesunken. Der Prozentsatz der jüdischen Ausgetretenen sinkt von Jahr zu Jahr, Er betrug 1906: 29 Proz., 1908: 28 Proz., 1910: 23 Proz. Betrachten wrir nunmehr die persönlichen Verhältnisse der im Jahre 1910 aus dem Judentum Ausgetretenen genauer. Es traten von den 512 Personen über zur römisch-katholischen Kirche 211, zur evangelisch-augsburgischen Kirche 136. Konfessionslosigkeits-Erklärungen erfolgten 133- Der griechisch-orientalischen und evangelisch-helvetischen Kirche wandten sich 5 bezw. 10 Juden zu. Für 17 fehlen die Angaben über die Kirche oder Religionsgenossenschaft, zu v/elcher der Uebertritt angemeldet wTurde. Die grosse Zahl der Konfessionslosigkeits-Erklärungen hat ihren Grund darin, dass in Oesterreich Mischehen gesetzlich verboten sind. Es lassen sich daher diejenigen, welche eine Mischehe eingehen wollen, für konfessionslos erklären. Dem Familienstande nach gliedern sich die Ausgeschiedenen folgendermassen: Familienstand Euänrd. weibl. zus. Ledig..... 214 172 386 Verheiratet . 35 49 S4 Ehepaare .... < 3 8 Verwitwet 3 22 25 Geschieden . . . 3 14 17 Das Hauptkont: ngent stellen natürlich die Ledigen, nämlich 386, d. h. 75 Proz., deren Zahl ja, da es sich hierbei um eine Dunkelziffer handelt, noch viel höher ist. Ganz verschwindend klein ist die Beteiligung der Ehepaare am Austritt, da für sie der Anreiz, aus dem Judentum auszutreten auch am geringsten ist. Dass unter den Verwitweten und Geschiedenen das weibliche Geschlecht überwiegt, hängt damit - zusammen, dass an sich die Zahl der verwitweten und geschiedenen Frauen grösser ist als jene der Männer. Auffallen muss die Tatsache, dass auch in der Gruppe der Verheirateten die Frauen in der Mehrzahl sind. Von besonderem Interesse ist die Verteilung der Ausgetretenen nach dem Alter. Da, wie in der Einleitung bemerkt ist, vom 14. Lebensjahr selbständig der Austritt erfolgen kann, beginnt die Altersgliederung mit dem 14. Jahre. Altersklassen m. w. zus. 0/ w /ü u- °/n zus. über 14-20 27 25 52 10,6 9,7 10,15 „ 20-30 125 140 265 49,0 54,4 51,7 „ 30-40 62 59 121 24,3 22,9 23,6 40 - 50 32 18 50 12,5 7,0 9,75 „ 50-60 5 7 12 1,0 2,7 2,3 „ 00-70 3 7 10 1,1 2,7 1,9 „ 70-80 1 1 2 0,8 0,6 0,6 zus. 255 257 512 1 100,00 100,00 100,00 Naturgemäss entfällt sowohl beim männlichen wie weiblichen Geschlechte der stärkste Prozentsatz der Ausgetretenen auf die Altersklasse 20 bis 30. Die Unterschiede im Altersaufbau der beiden Geschlechter liegen so klar zu tage, dass eine Begründung derselben kaum vonnöten erscheint. Man muss sich nur vor Augen halten, dass für die Frauen der Hauptgrund zum Austritt in der Eingehung einer Mischehe zu suchen ist Daher die überaus starke Besetzung der für die Eingehung einer Ehe hauptsächlich in Frage kommenden Altersklassen 20 bis 30 und die relativ geringe Vertretung der ausgetretenen Frauen in den höheren Altersklassen. Vergleiche hierzu die konstatierte Beteiligung der verwitweten Frauen am Austritt. Ordnen wir die Berufe der männlichen Ausgetretenen nach der Grösse der Zahl der in ihnen Ausgetretenen, so steht an erster Stelle der Stand der freien Berufe mit 49, d. h., 19?2 Proz. Dax auf folgt die Klasse der niederen Angestellten in Gewerbe und Industrie mit 44 Personen. Die Sammelgruppen der „Sonstigen Berufe" und der ,,Studenten und Schüler" stellen ein gleich hohes Kontingent von 35 Personen, d. h. 14 Proz. Unter den Ehefrauen stammen die meisten, nämlich 41 Proz., aus der Gruppe der ,,sonstigen Berufslosen", welche Private umfasst, ferner Personen, die einen Beruf überhaupt nicht angegeben haben. Am zweitstärksten sind die Lehrerinnen vertreten. Was endlich die Ledigen anlangt, so gehören 138, d. h. 66 Proz,, zur sog. Klasse der Mädchen bis mit 30

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