Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Zur Kriminalität der Juden in Russland
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 130 (sequence 4)
- Language
- German
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— 130 — friedenheit und oppositionellen Gesinnung unter den Juden. Der Anteil der Juden an den Uebertretungen der staatlichen und behördlichen Verordnungen ist ziemlich bedeutend- (II: 17.10 Proz. und VIII: 5,03 Proz,) Ich bin der Meinung, dass es sich hierbei nur um Uebertretungen von Circularvorschriften handelt. Es werden nämlich gegen keinen Teil der Bevölkerung soviele Circularvorschriften erlassen, wie -gegen die Juden. (Zirculare betreffend das Wohnrecht, den Schulbesuch etc.} j Als überaus interessant, charakterisj tisch und sogar sonderbar muss man die j relativ bedeutende Beteiligung der Juden; an der Gruppe der Uebertretungen der Vorschriften betreffend die allgemeine und persönliche Sicherheit, d. h. an den Pogro-! men bezeichnen. Hier beträgt die Krimij nalität der Juden 12,42 Proz., erreicht also j eine Höhe, die grösser ist als bei der j Gruppe der Staatsverbrechen. Dies kann I natürlich nicht etwa damit erklärt werden, j dass die Juden sich selbst die Pogrome! bereiten, sondern die Ursache dieses I scheinbaren Widerspruchs liegt darin, dass j zur Gruppe der sog. Pogromverbrechen die j meisten Uebertretungen der Pressgesetze j gehören, und an diesen Uebertretungen ist I die Beteiligung der Juden gross. j Zur Schattenseite des jüdischen Lebens \ gehört der bedeutende Prozentsatz der j wegen falscher Anschuldigung! und Meineids Verurteilten. (13,75 Proz.) j Die Beteiligung der Juden an der Diebstahlshehlerei übersteigt nur wenig die Norm (4,75 Proz. anstatt 4 Proz.), wird aber durch den geringen Anteil der Juden an einer ganzen Reihe schwerer Diebstähle wieder gut gemacht. Besonders wichtig für die Beurteilung des psychischen und sozial-ethischen Charakters der Juden sind die Angaben der folgenden Tabelle, nach welcher die Kriminalität der Juden an einer Anzahl von Delikten bedeutend niedriger ist als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Tabelle C. 1. Diebstahlsversuch 2,88 Proz. 2. Raub 2,41 „ 3. Gewöhnlicher Diebstahl 2,29 „ 4. Diebstahl unter erschwerenden Umständen 2,15 „ 5. Einbruchsdiebstahl 1,48 „ 6. Pferdediebstahl 1,45 „ 7. Verbrechen gegen das Regierungssystem 1,40 ,, 8. Körperverletzung 1,21 9. Diebstahl unter mildernden Umständen 1,12 10. Mord 1,11 u In den verschiedenen Gruppen der Diebstähle bleibt die Beteiligung der Juden weit hinter dem Soll zurück. Namentlich ist dies bei denjenigen Gruppen zu konstatieren, wo eine bedeutende körperliche Kraftanstrengung vonnöten ist, z. B, bei den Einbruchsdiebstählen (1,48 Proz.}, Pferdediebstählen (1,45 Proz.) Hier erreicht die Beteiligung nicht einmal die Hälfte der Norm. Aus demselben Grunde ist auch der Anteil der Juden am Raub (2,41 Proz.) und an der Körperverletzung (1,21 Proz.) gering. Erstaunlich niedrig ist die Beteiligung der Juden an den Verbrechen gegen die staatliche Ordnung (1,40 Proz.} Wahrscheinlich gehört hierher das Delikt des Widerstandes gegen die Staatsgew a 11. Die Juden bevorzugen offenbar mündliche oder schriftliche Aeusserungen der Unzufriedenheit, scheuen aber körperlichen Widerstand gegen die Staatsgewalt, da sie nicht einmal mit einem Drittel ihres S o 11 an diesem Delikt beteiligt sind.