Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Die Eheschliessungen der Juden in Warschau von 1901 bis 1910
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
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— 125 — geschlossen werden und dass in dieser Hinsicht die Juden den übrigen Bevölkeruugsgruppen überlegen sind. Es ist natürlich, dass in den späteren Altersklassen der Prozentsatz der eheschliessenden jüdischen Männer und Frauen relativ geringer ist. In der Altersklasse 31—40 beträgt er noch für die Männer 12,4, für die Frauen 6,5, in der Altersklasse 41—50 für die Männer 2,7 für die Frauen 1,3. Gehen wir nun über zur Betrachtung des Familienstandes der eheschliessenden Juden und gliedern zu diesem Zwecke sämtliche eheschliessenden Personen männlichen und weiblichen Geschlechts in folgende drei Gruppen: Ledige, Verwitwete und Geschiedene. Wir werden nachher ebenso wie beim Altersaufbau die Familienstandsgliederung der christlichen Bevölkerungsgruppen betrachten und aus der Gegenüberstellung beider das den jüdischen Ehen Charakteristische entnehmen. i 'abell e 7. Männer Familienstand Frauen Familienstand °0 ledig verwitwet geschieden zus. ledig verwitwet geschieden 1597 58 23 9 33 5 10 14 5 1616 105 33 92,13 5,99 1,88 zus. 1678 47 29 1754 <■'/ /Ü 35,67 2,68 1,65 | 100 In dieser Tabelle sind die Angaben über die Geschiedenen [besonders interessant. Da bei den Juden die Ehescheidungsbedingungen viel günstiger sind als bei den übrigen Konfessionsgruppen, hätte man einen höheren Prozentsatz von Geschiedenen erwarten dürfen. In der Tat aber beobachten wir, wie folgende Tabelle zeigt, fast das Gegenteil. T a b e 11 e 8. Zahl der die Ehe eingehenden geschiedenen Personen in Proz. bei Männer Frauen Griech. Orthod. 1,24 2,07 Rom. Kathol. 0,02 0,04 Protestanten 3,77 2,47 Juden 1,88 1,65 Schliessen wir nämlich die Katholiken, bei denen die Zahl der Ehescheidungen wegen schwerer gesetzlicher Hindernisse sehr gering ist, aus, so zeigt sich, dass die Juden nicht nur günstiger als die anderen Bevölkerungsschichten dastehen, sondern auch an sich betrachtet sehr niedrige Ziffern aufweisen. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet ist besonders der Vergleich zwischen Juden und Protestanten interessant, welch letztere in der Tabelle die erste Stelle einnehmen. Diese Tatsache rechtfertigt die Anschauung, welche die Anhänger einer Reform der Ehegesetze stets vertreten, dass die Dauerhaftigkeit einer Ehe nicht von den gesetzlichen Hindernissen, welche der Auflösung im Wege stehen, abhängt, sondern von der Zusammensetzung und dem Charakter der die Ehe eingehenden Personen und dass, falls die Ehegatten aus irgend einem Grunde innerlich nicht harmonieren, keine gesetzliche Bestimmung eine Harmonie herbeiführen kann. Die soeben gemachten Wahrnehmungen, dass hinsichtlich des Prozentsatzes der Geschiedenen die jüdischen Ehen einen normalen Typus darstellen, machen wir auch bei einem Vergleich der Ledigen zwischen Juden und Christen. Schon ein flüchtiger Vergleich zeigt uns, dass die Juden den grössten Prozentsatz von Junggesellen und Jungfrauen aufweisen. Daraus können wir indirekt den Schluss ziehen, dass bei den Juden häufiger