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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. Seite 96

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
[Ohne Titel]
Date
1912-06-01
Page
Seite 96 (sequence 3)
Language
German
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— 96 — nicht zu unterschätzen. Gegenwärtig ist das Bureau mit einer Enquete über die Wohlfahrtspflege in allen grösseren jüdischen Gemeinden des In- und Auslandes beschäftigt. Ein ausführlicher Fragebogen ist zur Versendung gelangt und bereits von einem grossen Teile der Gemeinden ausgefüllt zurückgeschickt worden. Diese Arbeit soll mehreren Zwecken dienen: in erster Linie soll zusammenfassend gezeigt werden, auf welchen verschiedenen Gebieten die einzelnen Gemeinden sich sozial betätigen und in wie grosszü- £iger und wohlwollender Weise die Gemeinden sich ihrer minderbemittelten Mitglieder annehmen. Ferner verfolgen wir einen praktischen Zweck: es soll durch Vergleichung der Institutionen der verschiedenen Gemeinden festgestellt werden, welche Einrichtungen, die in einer oder der anderen Gemeinde vorhanden sind, auch für andere Gemeinden mit Nutzen verwendet werden können; des weiteren werden die Erfahrungen der Gemeinden auf den verschiedensten Gebieten der Wohlfahrtspflege ausgetauscht und verwertet werden können. — Auch in diesem Jahre hat das Bureau eine grosse Anzahl wissenschaftlicher Anfragen erledigt. Die von Jahr zu Jahr sich steigernde Zahl derselben beweist das wachsende Interesse für jüdisch-statistische Fragen. — An diesen Bericht schloss sich eine überaus lebhafte Diskussion. Als erster Diskussionsredner ergriff Herr Dr. Wassermann das Wort und gab dankenswerte Anregungen für die weitere Ausbreitung der Bestrebungen des Vereins. Er schlug vor, öfter Versammlungen abzuhalten, in denen statistische Themen in populärer Form behandelt werden sollen, geschulte Redner in die Literaturvereine zu entsenden usw. Ferner regte er die Frage an, ob in den Veröffentlichungen des Bureaus an die statistische Darstellung Schlussfolgerungen geknüpft und Werturteile abgegeben werden sollen. Er für seine Person ist dagegen. In diesem Zusammenhang erwähnt er einige Stellen aus dem soeben erschienenen Werke von Dr. S e g a 11 ,,Die beruflichen und sozialen Verhältnisse der Juden in Deutschland". Sämtliche folgenden Redner, nämlich Geh. San.-Rat Dr. Maretzki, . Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer, Rechtsanwalt D r. Bruno Blau, Dr. J. Segall, Rabbiner D r. Eschelbacher, Dr. W. Hanauer und Davis Trietsch, stimmten den Anregungen D r. Wassermanns bezüglich weiterer Propaganda bei und ergänzten dieselben durch manche wertvolle Einzelheiten; ebenso einmütig traten sie der von Wassermann geäusserten Ansicht bezüglich der Art der Bearbeitung des statistischen Materials entgegen. Insbesondere führte Dr. Hanauer, welcher die Grüsse der Frankfurter Gemeinde überbrachte und hervorhob, mit welchem Interesse dieselbe die Bestrebungen des Bureaus verfolge, aus, dass S e g a 11 in seinem geistvollen und an .originellen Gedanken reichen Werke nicht bloss die Aufgabe gehabt habe, Tatsachen darzustellen, sondern auch Mittel und Wege anzugeben, um Misstände, die er aufgedeckt habe, zu bessern. Die Anschauungen, die er geäussert, die Wünsche und Forderungen, die er erhoben, könne man ohne weiteres als die communis opinio der deutschen Juden bezeichnen. Er weist auf einige besonders interessante Partien hin, so auf die Erörterung der Frauenfrage, die Stellung der Juden zur Landwirtschaft, und betont, dass die Anschauungen Segalls zu diesen wichtigen Fragen von eminent praktischer Bedeutung seien. Er schloss mit dem Wunsche, dass das Bureau auf dem bisher eingeschlagenen Wege weiterwandeln möge im Interesse der jüdischen Wissenschaft. Bei den darauffolgenden Wahlen wurden wiederbezw. neugewählt: in das Kuratorium die Herren Geh. Sanitätsrat Dr. Maretzki, Geh. Sanitätsrat Dr. B 1 u m e n t h a 1, Prof. Dr. MartinPhi- 1 i p p s ,o n, Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Bankier Benno Stern, Justizrat Max Fuchs, Frau Prof. Dr. Meyerhoffe r, die Herren Justizrat Dr. Horwitz, Siegmund Berge 1, Julian M e i s e 1, Sanitätsrat Dr. Feilchenfeld, sämtlich zu Berlin, Dr. Wilhelm Hanauer zu Frankfurt a. M. und Heinrich Levy zu Hamburg; in den Vorstand die Herren Dr. N o s s i g, Richard Cassel, Bankier Benno Stern, Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, Dr. Hans G. H e y m a n n. Rechtsanwalt Dr. Ludwig Holländer, Dr. Bernhard Kahn, Prof. Dr. Rosin und Prof. Dr. Kalischer und schliesslich zu Kassenrevisoren die Herren Leopold Domnauer und S. Kirschstein. — An den geschäftlichen Teil schloss sich ein ausserordentlich lehrreiches und mit dem allgemeinen Beifall der Versammlung belohntes Referat des Herrn Dr. Jacob Segall über „Die Entwickelung der Juden in Preussen während der letzten 100 Jahre/' Das Referat gelangt in diesem Heft an anderer Stelle zum Abdruck. Für die Red: kticn \ eranrw örtlich: FechtsarAvalt Dr. Bruno Blau, Berlin-Clarlottenburg. — Verlag des Bureaus für Statistik der Juden, Berlin. — Expedition und jKcn-,iri«sicnsveil2g von Louis Lamm, Berlin C, Neue Friedrichstrasse 61 — 63. Diuck von Anton Timm, Berlin KO- 13, Strausbergerstrasse 14.

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