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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-06-01 · Heft 6 (Juni 1912) · p. Seite 86

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 6 (Juni 1912)
Article
Die Entwickelung der Juden in Preussen während der letzten hundert Jahre
Date
1912-06-01
Page
Seite 86 (sequence 6)
Language
German
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— 86 — gaben für 1905 mehr problematischer Natur sind, liegt dieser Berechnung folgender Irrtum zugrunde. Sie wäre zutreffend, wenn die preussische Statistik sowohl im Jahre 1890 wie 1905 die Zahl der im Auslande gebürtigen Juden angegeben hätte, dann würde man durch eine einfache Subtraktion die Zuwanderung feststellen können. Es handelt sich hier aber um die nichtstaatsangehörigen Juden, und zu diesen gehören ja auch solche, die in Preussen selbst geboren sind von Eitern, die in Preussen keine Staatsangehörigkeit besitzen. Man nmss also von den 27 000 Personen alle jene abziehen, die in dem 15 jährigen Zeitraum 1890 bis 1905 in Preussen geboren; sind. Fassen wir das Ergebnis unserer Betrachtungen zusammen, so können wir fol- : gendes feststellen: Von 1822 bis 1840 j hatte die preussische Judenheit einen Gewinn durch Zuwanderung in der Höhe von 9500 Personen, von 1840 bis 1895 einen Verlust von ca. 74 000 und von 1895 bis 1910 abermals einen Gewinn von ca. 16 000; mithin hat die jüdische Bevölkerung i in Preussen im Verlauf von 100 Jahren | einen Verlust von etwa 48 500, also rund | 50 000 Personen aufzuweisen. eine Statistik des Von Dr. S. Weissen Gelegentlich einer Umfrage über die Formen des ehelichen Geschlechtsverkehrs, die mit dem Eindringen der malthusischen Ideen im Zusammenhang stehen, fiel es mir ein, auch die Frage über den Besuch des rituellen Bades, der Mikwe, der mit dem ehelichen Leben der Juden eng verbunden ist, ebenfalls in den Kreis meiner Betrachtungen zu ziehen. Das Leben eines Volkes setzt sich aus vielen scheinbar unbedeutenden Einzelheiten zusammen, deren Summe aber den jeweilgen Stand der Kultur ausmacht und welche die infolge der neuen Anschauungen in Beziehung auf das Hergebrachte eingetretenen Veränderungen zum Ausdruck bringen. Der Mensch ist im Grunde genommen höchst konservativ veranlagt, und es fällt ihm wohl nicht leicht, mit den alten überlieferten Formen zu brechen, und zwar auch in dem Falle, wenn er deren vollkommene Inkongruenz mit dem modernen Leben oder sogar ihre Schädlichkeit klar einsieht. Wie schwer fällt es z. B. der Feuerbestattung, sich durchzuringen, obgleich deren vielseitige Vorteile jedermann einleuchtend sind. Umsoweniger darf man es der jüdischen Masse verübeln, wie es so oft geschieht, wenn sie sich zäh an ihre alten Bräuche Rinial&iäfeesucK b e r g, Elisabethgrad. hält, da diese oft nicht nur den blossen Schein der Nützlichkeit tragen, sondern sogar nicht selten mit den Errungenschaften der modernen Hygiene im vollen Einklang stehen. Und wenn die christlichen Theologen nicht müde werden, von der Verfangenschaft der Juden im Zeremonialgesetz zu sprechen, so zeugt das erstens dafür, dass sie den Balken im eigenen Auge nicht merken, und zweitens ist es ein Beweis iür die vollkommene Unkenntnis der Rolle, die noch so manche biblische Vorschrift im Leben des heutigen Judentums spielt, und zwar zu dessen physischer und ethischer Erhebung beitragende) Wenn ich hier kurz von der Verbreitung einer seit biblischer Zeit bestehenden jüdischen Zeremonie im Zusammenhang mit anderen dazu gehörigen Dingen sprechen will, so scheint es mir, dass gerade gegen das rituelle Bad kein vernünftiger Mensch etwas einzuwenden haben wird. Es besteht nämlich in gründlicher Waschung des ganzen weiblichen Körpers in speziell für diesen Zweck nach besonderen Vorschriften eingerichteten — Mikwe genann- *) S. meine Abhandlung „Hygiene in Brauch und Sitte der Juden" in „Hygiene der Juden" (Dresden 1911).

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