Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Stand der jüdischen Bevölkerung in Deutschland auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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— 66 — seren folgenden Ausführungen über die Gesanilbevölkerung zugrunde gelegt haben, hervor, dass .,die Darstellung der Bevölkerungsverhältnisse Elsass-Lothringens und ihrer Entwickelung besonderes Interesse biete, da in der Zusammensetzung, Verteilung und Entwicklung der Bevölkerung die Folgen der politischen und wirtschaftlichen Aenderimgen zahlenmässig zur Geltung kommen, die in den letzten Jahrzehnten in diesem Lande vorgekommen sind. Auf die Vereinigung Elsass - Lothringens mit dem Deutschen Reich ist einerseits eine bedeutende Abspltitterung zahlreicher Teile des einheimischen Volkskörpers durch Auswanderung erfolgt, andererseits ein Zuwachs zur ursprünglichen Bevölkerung durch die Einwanderung aus Alt - Deutschland, zu der noch die Verlegung zahlreicher Truppenteile mit Angehörigen der übrigen deutschen Staaten kam. Auf wirtschaftlichem Gebiete hat sich eine fortschreitende Industrialisierung des ganzen Landes, besonders aber einiger Gebietsteile vollzogen, die starke Verschiebungen innerhalb der einheimischen Bevölkerung (Binnenwanderungen], aber auch ausserordentlichen Zuzug auswärtiger, besonders auch ausländischer Elemente mit sich gebracht hat." Die Zahl und das Wachstum der Bevölkerung stellt sich nach den einzelnen Volkszählungen wie folgt dar: Jahr Gesamtzahl Zu (-f) oder Ab (-} nähme Durchschn. jährl. Zu (-(-) oder Ab- (—) nähme in 0 0 1868 1597228 1871 1549738 — 47790 — 0f55 1875 1531804 — 17934 — 0,29 18S0 1566670 34866 0,45 1885 1564355 — 2315 — 0,03 1890 1603506 39151 0,49 1895 1640986 37480 0,46 1900 1719470 78484 0,93 1905 1814564 95094 1,08 19:0 1374014 59450 0,65 Von 1871 bis 1910 hat die Bevölkerung von Elsass - Lothringen um 324 276, d. h. 21 Prozent zugenommen. Im einzelnen war die Entwicklung eine überaus schwankende. Es wäre interessant, sie in die Zeit französischer Herrschaft zurück zu verfolgen. Hervorgehoben sei nur, dass auch einmal vor der Occupation durch das Deutsche Reich ein Rückgang der Bevölkerungsziffer zu beobachten war, und zwar in dem Zeitraum 1851 bis 1856. Die S t a t i s t i q u e de 1 a France {Serie II, Tome IX, 1859) gibt als Ursache des Rückganges die Tatsache an, dass die Bevölkerungszunahme im Zeitraum 1851 bis 1856 für ganz Frankreich die schwächste gewesen sei, welche bis dahin beobachtet worden sei. Sie erklärte sich aus einem erheblichen Rückgang der Geburtsziffer und aus einer ungewöhnlich hohen Sterblichkeit während der Jahre 1854 und 1855, die durch den dreifachen Einfiuss der Cholera, des Krieges und der allgemeinen Teuerung plötzlich eingetreten sei. Die Bevölkerungsverluste, welche bei den Zählungen von 1871. 1875 und in geringem Masse im Jahre 1885 zu beobachten waren, sind eine Folge des Krieges von 1870/71 und der auf die Einverleibung Elsass - Lothringens in das Deutsche Reich folgenden Auswanderung nach Frankreich. In dem Jahrzehnt 1895 bis 1905 vollzog sich eine rasche Aufwärtsbewegung unter dem Einfiuss der lebhaften wirtschaftlichen Entwicklung einerseits und des Zurückgehens der Auswanderung andererseits, die aber in dem Jahrfünft 1905/10 auffallend stark nachgelassen hat. Der Zusammenhang, der zwischen der Abwanderung und der natürlichen Vermehrung besteht, zeigt sich nirgends so deutlich wie in Elsass-Lothringen. Zweifellos ist die französische Auffassung von der absichtlichen Beschränkung der Kinderzahl in Elsass-Lothringen stark verbreitet und trägt viel mit dazu bei. dass die Geburtenziffer die niedrigste im deutschen Reich ist, doch muss andererseits auf die grossen Verluste reproduktionsfähiger Elemente durch die Auswanderung nach Frankreich hingewiesen werden, die eo ipso zu einem Rückgang der Geburtenzahl geführt haben. Die Folge ist eine langsame, aber unauf-