Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- Neomalthusianismus und Judenfrage
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 44 (sequence 2)
- Language
- German
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— 44 — „Untergang der deutschen Juden1' spricht R u p p i n allerdings nicht. Allein wenn T Ii e i 1 h a b e r diese Ausführungen nicht deutlich genug sind, warum hat er dann nicht wenigstens erwähnt, daß Ruppin 19^0 das Problem im ersten Jahrgang der „Zeitschrift für Dem. und Stat. d. J.~ (Heft 6) mit aller Deutlichkeit in einem Aufsatz über .,Das Wachstum der jüdischen Bevölkerung in Preußen" entwickelt hat — ein Aufsatz, der, obwohl er bloß 4 Seiten lang ist, doch unendlich mehr für die Aufheilung des ganzen Problems geleistet hat, als T h e i 1 h a b e r s ganzes Buch. Dort sagt Ruppin wörtlieh:?1 Zur Erklärung (sc. des Rückgangs der Geburtenzirfer der Juden' bleiben nur zwei Möglichkeiten übrig: eine physiologische, nämlich die Abnahme der Zeugungsfähigkeit, oder eine soziale, nämlich die absichtliche Beschränkung der Kinderzahl. Wir sind geneigt, dem zweiten Umstand die bei weitem größere Bedeutung zuzumessen." Klarer und deutlicher kann man sich wohl nicht ausdrücken! Und dasselbe wiederholt dann kurze Zeit darauf Thon hinsichtlich iier bayerischen Juden (inHeft8) sowieS e ga 11 in seiner unten erwähnten Schrift. Und nunmehr verstummt die- Diskussion überhaupt nicht mehr. Es würde ermüden, sollten nun alle diejenigen hier aufgerührt werden, die mehr oder minder ausführlich zum Geburtenrückgang der Juden Stellung genommen haben. Ich greife von den Autoren der rZeitschrift für Dem. und Stat. d. J." nur noch Knöpfe], den Dezernenten der amtlichen hessischen Statistik, heraus, weil dieser im 2. Jahrgang, Seite 85 eine besonders instruktive vergleichende Tabelle des Cfeburtenrückgangs der Juden m Preußen, Bayern und Hessen gebracht hat, die T heil h a b e r unverständlicherweise nicht in sein Buch aufgenommen hat, obwohl sie viel beweiskräftiger ist, als seine seitenweise aus der ..Zeitschrift" .nachgedruckten und von Druckfehlern entstellten Zahlenreihen. Davon. da Ii Theilhaher diese Tabelle nicht gekannt hat, kann keine Rede sein, nachdem ich sie in meinem er ■wähnten Aufsatz in der «Zeitschrift für Sozial Wissenschaft" J. L909, nicht 1908, wie; Theilhaher konsequent falsch zitiert,) ergänzt wiedergegeben habe, einem Aufsatz, den T h e ilh a b e r sonst recht ausgiebig benutzt hat. Dieser Aufsatz enthält schon lückenlos und auf breiter statistischer Grundlage die Ideen, die ich später in einem Feuilleton der ..Frankfurter Zeitung" (vom 20. Juli 1911) in populärerer Weise ausgeführt habe.*) Das Buch Theilhabers ist von Segall an dieser Stelle schon gewürdigt worden. Ich halte seine Kritik zwar für zu wohlwollend, stimme ihr aber im übrigen vollständig bei: Das Buch Theilhabers ist wissenschaftlich vollständig wertlos. Aber auch popularisatorisch leistet es nicht das, was es leisten könnte, da es massenhaft unbewiesene Behauptungen enthält und von Fehlern nur so wimmelt. **) •:) Fin Auszug aus diesem Feuilleton findet sich auch im „Hamb. Israelitischen Familienblatt" vom 17. Aug. 1911. :::;:) Eine Anzahl der Fehler hat Segall schon namhaft gemacht, andere habe ich oben schon berichtigt. Ich stelle außerdem noch folgende sinnstörende Irrtümer hier fest, wobei ich die stilistischen Ungeheuerlichkeiten, an denen das Buch ebenfalls reich ist, unerwähnt lasse. Auf Seite 3 spricht Th. in der Fußnote 2 von der „Zeitschrift d. Kgl. preuß. Statistik." Gemeint ist wohl die „Zeitschrift des Kgl. preuß. statst. Büros'- (jetzt Landesamts). Auf Seite 17 ist von bayerischen „Regierungsbezirken" die Rede. Da Th. selbst bayerischer Staatsangehöriger ist, sollte er wissen, daß es in Bayern keine Regierungsbezirke gibt, sondern diejenigen Gebiete, die den preußischen Regierungsbezirken entsprechen, „Kreise" heißen. Auf Seite 25 findet sich eine Tabelle, aus der nicht ersichtlich ist, ob die angegebenen Zahlen Durchschnittszahlen sind oder sich auf mehrere Jahre beziehen. Ich nehme an, daß die Jahresangaben „1877/80" u. s. w. falsch gedruckt sind, daß es vielmehr ..1877 - 80" u. s. w\ heißen müßte und daß die absoluten Zahlen die Zunahme wänrend der ganzen Periode wiedergeben. Die Tabelle auf Seite 31, die aus einein Aufsatz von mir ohne Quellenangabe abgeschrieben ist, ist so, wie sie wiedergegeben ist, unverstandlich. Sie wird erst klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die erste Rubrik die absoluten Zahlen enthalt und die zweite die Prozentzahlen. Auf Seite 55 gibt Th. zum Vergleich die Geburtenziffern anderer nichtdeutscher Staaten, er entnimmt dieselben Ruppins „Juden der Gegenwart", vergißt aber anzugeben, auf welchen Zeitraum sie sich beziehen. Ohne diese Mitteilung sind die Zahlen