Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- Die jüdische Auswanderung aus Österreich nach Amerika in den Jahren 1900 - 1909
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 42 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2650397-3187717-3187721-3192410--3367-3192443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 42 — Diese Ziffern zeigen eine große Beteiligung der freien Berufe bei den Juden (0,7 und 1.1 Prozent), femer eine stattliche Zahl von gelernten Arbeiten (35 bzw. 31,4 Proz.), dagegen einen geringen Prozentsatz von Landwirtschafttreibenden (bei Juden aus Oesterreich-Ungarn sehr natürlich!) und schließlich eine hohe Ziffer der aufgenommenen Familienangehörigen (45,2 und 21,7), darunter natürlich Frauen und Kinder. Die Zahlen reden eine deutliche Sprache: wir haben es hier mit einer proletarischen oder proletaroiden Auswanderung zu tun, daher erklärt sich die enorme Quote der berufslosen Personen, welche die Familienhäupter samt Laren und Penaten nach dem Neulande überführen, um einen neuen Herd zu begründen. Es ist also ersichtlich, daß es sich um eine Familienwanderung handelt. Eine oberflächliche Betrachtung würde, dazu führen, die jüdischen Einwanderer in Amerika zu begrüßen, da sie so viel Arbeitshände dem Markte liefern. In der Tat sind die Kapitalisten solcher Meinung, und Andrew Carnegie meinte, die Emigration sei eigentlich ein Problem für Europa, welches Menschenblut verliert, doch nicht für Amerika, welches dies erhält. Anderer Meinung sind die Arbeitervereinigungen, denen eine solche Familien Wanderung gefährlich erscheint, weil sie die Familienhäupter zwingt, billig zu arbeiten. Die Amirican Fecleration of Labour ist die schärfste Anti-Allienistin und schließt sich in den Trades L'nions ein, um so mehr als die neuangekomm.enen Arbeiter — insbesondere die jüdischen — in die Trade Unions infolge der zu hohen Beiträge nicht eintreten können. — Tabelle V. Es wanderten nach 1900/01 absolut -1909 Prozent 1907absolut 1908 Prozent 1908absolut -1909 Prozent 1900/01absolut 1909/09 Prozent New-York 282398 66,0 62697 60,7 34633 60,2 568386 63,7 Pennsylvania 45530 . 10,7 6,2 10193 9,9 4650 8,1 92354 10,4 Massachusetts 26636 6481 6.3 3667 6,4 54859 ' 6,1 Illinois 17076 4.0 5928 5,7 3909 6,8 42663 4.8 New-jersey 12480 2,9 1,7 3696 3,6 2310 4,0 28775 3,2 Ohio 7435 2228 2,2 1298 2,2 17626 2,0 Maryland 7311 1,7 1682 l',6 779 1,3 15833 1,8 Connecticut 6066 1,4 1599 1,5 912 1,6 15718 1,5 Missouri 4386 1,0 1570 1,5 896 1,5 10645 1,2 Minnesota 2690 0,6 774 0,7 559 1,0 5900 0,7 Wisconsin 2265 0/3 754 0,7 388 0,7 5476 Ofi Michigan 1831 0,4 652 , 0,6 442 0,8 4912 0,5 Rhode Island 3015 0,5 626 1 0,6 280 0,5 7328 0,5 Sonstige Staaten 10021 2,4 4507 4,4 2829 4,9 26528 3.0 Zusammen 428136; 100,0 103387 1 100,0 57551 100,0 892003 j 100,0 Tabelle V zeigt die Richtuugslinie der Emigration in Amerika selbst. New-York ist liier für die Juden der Anziehungspunkt, der Ort des kleinsten Druckes, und so erklärt sich der immer noch immense Prozentsatz der hier Einwandernden (der kleinste Prozentsatz (>0,2 Prozent im Jahr* 1908/09). East-End New-York ist, das größte Judenzentrum der Welt Der Rest der Emi»Tauten verteilt sich auf die anderen Staaten, insbesondere Pennsylvania (über 10 Prozent), Massachussets (über 6 Prozent) und andere kleinere Staaten der Union. Die Gründe dieser Verteilung sind ziemlich bekannt: es wandern meistens die typischen jüdischen Handwerker (Schneider, Schuster) aus, und die ziehen als Rekruten in die zahllosen Schwitzhöhlen, ferner ist es der Trieb, im Kreise seiner Stammesgsnossen zu