Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 8 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- Die Juden in der russischen Armee
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2650397-3187717-3187721-3192409--3360-3192438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 37 — und der jüdischen Bevölkerung unsägliche Leiden und unerschwingliche materielle Opfer auferlegeu. Kehren wir aber zu unseren Zahlen zurück. Es ist Manchem wahrscheinlich aufgefallen, daß der Prozentsatz der jüdischen Wehrpflichtigen mit 13,22 geringer ist als der Prozentsatz der Juden, die in die Armee wirklich einrücken sollen und der 14,29 beträgt. Beide Verhältnisse sollen theoretisch eigentlich gleich sein, es geschieht aber auch hier den Juden gegenüber eine Ungerechtigkeit, indem der Auslosungsmodus, auf dessen Einzelheiten wir hier nicht eingehen können, für sie weniger günstig ist als für die übrige Bevölkerung. Setzen wir die Betrachtung der Tabelle fort, so sehen wir aus ihrem vierten Abschnitt, daß der mittlere Prozensatz der wirklich ausgehobenen Juden mit 12,03 zwar geringer als in den vorhergehenden Abschnitten ist, aber doch noch den Prozentsatz der Juden in der Bevölkerung um eine Einheit übersteigt. Es muß somit zugegeben werden, daß d i e J u den i m Allgemeinen nicht weniger, sondern viel mehr Soldaten liefern, als sie es nach Recht und Billigkeit tun sollten. Es klingt deshalb wie Hohn, wenn auf dem jüdischen Konto jahraus jahrein ein beträchtliches Defizit verzeichnet wird, zu dessen Aufklärung wir jetzt übergehen wollen. Vergleicht man die beiden Rubriken „Nicht erschienen" und „Es fehten" miteinander, so fällt auf, daß in beiden die Juden einen sehr großen Prozentsatz ausmachen. Diese Zahlen sind es hauptsächlich, die zu dem Vorurteil Anlaß geben, daß die Juden dem Militärdienst zu entgehen suchen. Nun wirft U s s o w die allzu berechtigte Frage auf: wo sollen denn die nicht erschienenen Juden, deren Zahl in den letzten Jahren beinahe 20 000 erreicht, stecken? Wenn sie existieren, müssen sie doch essen und trinken und auf Erwerb ausgehen? Ist es möglich, daß in einem Rechtsstaate, zu dem Russland doch gerechnet sein will, eine so große Menge von in verbrecherischer Absicht sich verbergenden Leuten unaufgedeckt bleiben könnte? Die einzig richtige Antwort darauf muß lauten: Die nicht e r s c hie n enen wehrpflichtige n Juden sind nicht erschienen, weil sie einfach nicht existieren. Denn wären sie da, so entstände auch bei schwacher polizeilicher Aufsicht eine förmliche Hetzjagd auf sie, da erstens das Gesetz eine Belohnung von 50 Rubel für jeden gefangenen flüchtigen Juden aussetzt, und zweitens wird bei Stellung eines Flüchtigen sein Ersatzmann freigemacht, weshalb die Letzteren immer auf der Lauer nach den Ersteren sind. Hier muß wieder daran erinnert werden, daß die Zahl der Fehlenden sich hauptsächlich aus der Zahl der Ausgewanderten und Verstorbenen zusammensetzt. Daß die Auswanderung dabei den ausschlaggebendsten Teil ausmacht, ist aus Tabelle II zu ersehenwobei zu berücksichtigen ist, daß die Tabelle nur die Auswanderung nach den Vereinigten Tabelle Ii. Zahl der jüdischen Auswanderer nach den Vereinigten Staaten. 1 jähr Zahl Defizit bei der der Auswanderer Aushebung 1880 527S 2976 1881 8193 1618 1882 17497 2380 1883 6907 1958 1884 15122 2453 1885 16603 2273 1886 173U9 «46 1887 23944 340 1888 31256 506 1889 31889 317 1890 33147 388 1.891 42145 818 1892 76417 1054 1893 35626 3078 1894 36725 1255 1895 33232 1230 1896 45137 1588 1897 22750 1468 1898 27221 1734 1899 24275 1074 1900 37011 1307 1901 37660 1253 1902 37846 1634 1903 47689 1926 1904 77544 10882 1905 92388 11541 1906 125234 10576