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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 11

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
8 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Stand der jüdischen Bevölkerung in Deutschland auf Grund der Volkszählung v. 1. Dez. 1910
Date
1912-01-01
Page
Seite 11 (sequence 5)
Language
German
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— 11 — anzunehmen, es bleibt also auch für jene Zeit nur die Abwanderung als Begründung übrig. Um die Bedeutung der Abwanderung klar zu machen und um gleichzeitig auch auf die Binnenwanderung hinzuweisen, welche eben- Tab. falls einer gesunden Volkseritwicklung hinderlich ist, wollen wir in folgendem die Zahl der Juden in den einzelnen Regierungsbezirken nach mehreren Volkszählungen vorführen. Während wir bei allen jenen Regierungs- Regierungsbezirk 1867 Zahl d'.'jud. %o^r Juden 1895 Zahld. jud rler wuc» juden 19(HJ Zahl "d Jud. °; oo der juden 1905 Zahl d.jud. %oder juden lylü Zahl d. jud. 0 ooder Juden Oberbayern . . . 2154 2,0 7411 0.24 9076 6,9 10529 8/) 11625 8,0 Miederbayern . . 30 0,1 24<) 0,o5 294 M 37;) 1,0 468 1,0 Pfalz . \ . . . 13042 20,8 1U423 13,00 loios 12 90 U 6 ILO 8998 9,0 Oberpfalz . . . 1045 2,1 1480 2,71 1472 -. i I4oS 2,0 1395 2,0 Oberfranken . . 4129 7,7 3510 5,99 >H22 7,5 3176 5.0 2946 4.0 Mittelf ranken . . 10522 18,2 12291 22,88 1311i 16.1 1:1675 10.0 14219 15,0 Unterfranken . . 14400 24,(i 14157 22,38 l:;r»41 20,9 1283Ö 10,0 11925 17,0 Schwaben . . . 4512 7, < 4226 6,13 o^Ol 5,4 37(56 5,0 3402 4,0 Königreich . . . 40840 10,3 53750 i>,23 54928 8,9 553 U V),0 55005 8,0 bezirken rechts des Rheins, die einen Rückgang der jüdischen Bevölkerung aufzuweisen haben, letzteren zum Teil auf die Binnenwanderung zurückführen können, müssen wir für die Pfalz wohl in erster Linie eine Abwanderung in außerbayerische Gebiete annehmen. Und gerade die Pfalz hat am meisten Juden abgegeben: hier betrag der absolute Rückgang von 1807 bis 1910 -4U-44 Personen, tatsächlich aber ist der Verlust viel höher anzuschlagen, weil ja inzwischen auch eine Zunahme durch natürliche Völksvermehrung stattgefunden hat. Zweifels o h n e ist der größte T e i 1 des B e v ulke r u n gs- Verlustes, den die b a y e r i s c h e Judenheit erleidet, auf die Abwanderung aus der Pfalz in die umliegenden a u d e r b a y e r i s c h e n Gebiete zurückzuführen. Von den bayerischen Regierungsbezirken rechts des Rheins zeigen Oberfranken, Unteriranken und Schwaben eine erhebliche Abnahme. Zum Teil nun wandern die Juden aus diesen Regierungsbezirken nach Oberbayern (München) und Mittelfranken (Nürnberg), so aus Schwaben und Un cerf ranken, zu in Teil werden aber auch Juden an aiißerbayerische Großstädte abgegeben, so von Unterfranken au Frankfurt a. M. Fassen wir unsere bisherigen Darlegungen zusammen; Wenn auch die endgültige Größe des WänderiuigsVerlustes nicht festgestellt werden kann, so steht doch soviel fest, daß Abwanderungen in erheblichem Alane vor siel» gegangen sind, und diese in Verbindung mit andern noch zu erwähnenden Momenten haben bewirkt, daß die Zuwanderung ausländischer Juden, welche für Nürnberg und München zeitweilig einen großen Umfang angenommen hat, als Vermehrung der bayerischen Juden nicht äußerlich in die Erscheinung trat. Bei dieser Gelegenheit wollen wir einen Blick auf die Binnenwanderung werfen, von deren Größe wir uns eine Vorstellung bilden können, wenn wir die Verteilung der Juden auf die unmittelbaren Städte und Bezirksämter nach den Volkszählungen von 1875 bis 1010 betrachten. Liese Tabelle zeigt uns, daß die Zahl der Juden, welche in den unmittelbaren Städten leben, von 1875 bis 1910 sich verdoppelt hat. Sie ist von 1(5202 auf 32 72b gestiegen. Der Verlust der Bezirksämter in der Zwischenzeit war geringer, er betrug nur 1HU0U. Diese Inkongruenz ist darauf zurückzuführen, daß die Einwanderer aus dem Auslände hauptsächlich die großen Städte aufsuchen und die dortige jüdische Bevölkerung verstärken. Trotz der starken Zunahme der Juden in den unmittelbaren Städten ist ihr Anteil in denselben an der Gesamtbevölkerung ständig gefallen

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