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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. Seite 184

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Die angebliche Rassen-Immunität der Juden
Date
1908-12-01
Page
Seite 184 (sequence 8)
Language
German
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— 184 — Fast ebenso liegen die Dinge bei andern endemischen Krankheiten wie Masern, Scharlach, Keuchhusten etc. In einigen Orten oder Zeiten scheinen die Juden weniger unter diesen Krankheiten zu leiden als die Christen, während in anderen Orten oder Perioden das Gegenteil der Fall ist. So sind die Masern, eine sehr verbreitete Kinderkrankheit, in Krakau, Lemberg, Budapest und Wien bei den Juden seltener Todesursache als bei der nichtjüdischen Bevölkerung, In New-York dagegen haben die russischen Juden eine weit höhere Sterblichkeit als die Gesamtbevölkerung. Ich berechne aus Thon's Zahlen in seinem Werk „Die Juden in Österreich", daß die Masern- Sterblichkeit auf 10000 der Bevölkerung in Krakau (1896bis 1900) unter den Juden 38,6, unter den Christen 48,1 war; in Lemberg (1897—1902) Juden 13, Katholiken 39, Protestanten 24 (Rosenfeld); in Budapest (1886 bis 1890) Juden 118, Katholiken 183, Protestanten 148 auf 100000 Kinder unter 10 Jahren (Körösi), während in New-York nach den Berichten des Sanitätsamtes die Sterblichkeit der Kinder, deren Eltern in Rußland geboren waren (praktisch sämtlich Juden), 42,5 gegenüber nur 26,8 bei der Gesamtbevölkerung betrug. Die folgende Tabelle, die auf den Angaben der oben genannten Autoren beruht, gibt Einzelheiten über andere endemische Krankheiten. Krakau Lemberg Budapest*) Wien New York Krankheit (1896- -1900) (1897- -1902) (1886—1890) (1901—1903) 1906 Juden Christ. Juden Christ juden Kath. Prot. juden Kath. Prot. Juden Ges. Pevölk. Masern.......... 36,6 48,1 4,9 9,7 118 183 146 13 39 24 42,5 26,8 38,2 58,5 48,5 36,9 316 283 310 13 16 15 17,9 8,6 57,6 49,0 27,1 35,5 560 824 795 13 27 19 71,0 39,9 14,0 20,7 6,6 10,4 69 97 83 3 11 10 14.5 8,2 *) Auf 100000 Kinder unter 10 Jahren. Diese Tabelle zeigt, daß keine Einheitlichkeit unter den bei Juden beobachteten Zahlen besteht. Die Masern zeigen auf 100000 der Bevölkerung in Krakau eine Sterblichkeit von 36,6, in Lemberg nur 4,0, in Wien 13 und in New-York 42,5. Die Schwankung in den Zahlen ist auch beim Scharlach groß, nur 13 in Wien, 17,9 in New-York und 48,5 in Lemberg. Dasselbe ist der Fall mit Diphtherie, Keuchhusten und Typhus. All das trägt zum Beweise der Tatsache bei, daß in dieser Beziehung keine Rassenanlagen unter den Juden zu beobachten sind, sondern daß das alles von sozialen, ökonomischen und sanitären Bedingungen abhängt. Unte^ ähnlichen Bedingungen sind sie der Infektion grade so zugänglich wie irgend ein anderer Teil der weißen Menschengattung. Die Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten sind oft ebenso groß wie zwischen Juden und Christen, obwohl man doch nicht behaupten kann, daß zwischen den verschiedenen christlichen Sekten irgendweiche Kassenunterschiede bestehen, die ein Anthropologe ernsthaft in Betracht ziehen kann — wenn auch freilich einige der verstiegensten Anthropo-Soziologen versucht haben, Rassenunterschiede zwischen Katholiken und Protestanten zu finden. Die Blattern sind wiederholt als eine Infektionskrankheit erwähnt worden, die nur selten Juden befällt. Cohn berichtet, daß in Posen die Sterblichkeit unter Kindern während des Zeitraums 1856—65 auf 1000 Todesfälle üherhaupt bei Katholiken 31,3 betrug, bei Protestanten 22,6 und nur 9,0 bei Juden. Ähnlich war in Budapest während der Pockenepidemie von 1886/87 die Sterblichkeit auf 100000 folgende: Katholiken 106, Protestanten A. C. 81, Reformierte 74 und Juden nur 33, Fast alle Autoren, die diese Zahlen verzeichnen, geben sich damit zufrieden, daß den Juden ihreRas j eneigentümiichkei t in dieser Beziehung einen Vorteil gewährt, ohne zu bedenken«, daß die Impfung einen viel größeren Einfluß auf die Ausbreitung der Pocken hat als Rassenanlagen. Tatsächlich ist es jedem Arzt, der

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