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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 168

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
Date
1908-11-01
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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— 188 — häufiger zur Kenntnis der Behörden. — Bei der Musterung der Todesursachen sehen wir entgegen der herrsehenden Meinung, daß die Juden in keiner Krankheitsgruppe stärker belastet sind, als die übrige Bevölkerung, Die Verschiedenheiten in der Verteilung der Krankheitsgruppen sind durch die abweichende Alterssterblichkeit der Juden vollkommen ausreichend erklärt, — An Gehirnerweichung und Zuckerkrankheit sterben die Juden nicht häufiger als nach ihrer beruflichen Gliederung zu erwarten ist, während ihre Verluste an Gebärmutterkrebs auffallend gering sind. Auch für Lungenkrankheiten sind ihre Sterbeziffern weit unter dem Durchschnitt infolge ihrer sozialen Lage und besseren hygienischen Lebensführung. Syphilis und Alkoholismus sind unter den Juden Budapests weniger verbreitet als unter der übrigen Bevölkerung, und damit auch deren Folgekrankheiten. Der Selbstmord ist selten. So zeigen die Juden in ihrer Sterblichkeit wohl eine scharf umrissene Rasseneigenart, aber diese ist eine psy chologische. Stärkere elterliche Fürsorge, große Sorgfalt in der Erhaltung ihrer Gesundheit, Mäßigkeit im Genuß geistiger Getränke, infoige häufigerer Heiraten und festeren Familienlebens geringere Verbreitung der Geschlechtskrankheiten, und vielleicht als wichtigstes die starke Hinneigung zu bestimmten Berufen, die ein rasches soziales Aufsteigen ermöglichen — das ist die Rasseneigenart der Juden. So lange sie diese haben, bedürfen sie keiner körperlichen Immunität gegen einzelne Krankheiten. Diese seelische [Eigenart ist im jahrhundertelangen Kampf um die Existenz herangezüchtet; sie sichert den Juden durch einen kräftigen Männerüberschuß einen sozialen Vorsprung. Freilich ist dem Gewinn an Leben eine Grenze gesetzt: Die Zusammendrängung auf wenige das Gehirn beanspruchende Berufe läßt langsam schwere Schäden erwachsen, die an einigen Punkten Westeuropas sich bereits in der Pathologie der Juden bemerkbar machen und die Forderung nach gesunder Zurückführung der Juden auf alle, auch die körperlich arbeitenden Berufe unabweisbar machen. Die Budapester Juden befinden sich noch in dem aufsteigenden Zuge der Entwicklung. Sie bieten dem Kampf ums Dasein instinktiv die geringsten Reibungsflächen und verhalten sich dem Tod gegenüber in fa:t idealer Weise wie ein Streiter, der seinem Gegner keine Blöße zeigt. Ein Beitrag zur wirtschaftlichen Geschichte der polnischen Juden im Hittelalter. von H. W. Golds In der mittelalterlichen Geschichte der Juden bildet Polen eine Ausnahme unter den übrigen Ländern Europas. In derselben Zeit, als in den romanischen und germanischen Ländern die schauerlichstenJudenverf olgungen stattfanden, galt in Polen in Bez ig auf die Juden eine äußerst liberale Politik, so daß dieselben ein friedliches und ruhiges Dasein hatten. Noch mehr: Die Juden des mittelalterliehen Polen besaßen nicht nur die allgemeinen städtischen Bürgerrechte, sondern sie waren auch im Besitze besonderer Privilegien, die sie als eine besondere Klasse aus der gesamten Bürgerschaft aussonderte, mit t e i n in New-York. anderen Worten, die sie vom Bürgertum zu einer zweiten polnischen Aristrokratie, zu einer Art städtischen Adels emporhob. *) Allerdings kann man nicht behaupten, daß Polen stets den Juden gleich günstig gestimmt war; es gab Zeiten, in denen auch die polnischen Juden gequält und bedrückt wurden — es besteht aber ein wesentlicher Unterschied in dieser Beziehung zwischen Polen und den übrigen Ländern Europas. Während in den letzteren die Judenverfolgungen beinahe den x) Unter vielen Königen durften die polnischen Juden Waffen führen und gleich dem Adel Säbel tragen.

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