Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
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— 147 — Die Juden haben in der Tat nur zwei Drittel der allgemeinen Sterblichkeit. Die „übrigen Konfessionen" stehen zwischen ihnen und den Katholiken, aber ganz nahe den Katholiken» Man bemerkt ein leises Steigen der Sterblichkeit in der Zeit von 1901 bis 1905. Am deutlichsten ist es bei den übrigen Konfessionen; hier beträgt der Zuwachs 2,34 %o5 bei den Katholiken l,050/oöj bei den Juden nur 0,87 °/00. Unsere Aufgabe ist es jetzt, den Ursachen dieser auffallend geringen Sterblichkeit der Juden nachzugehen, den Bächen bis an die Quellen zu folgen, aus denen sich der Strom des Todes zusammensetzt. 2. Die Altersgliederung der Sterblichkeit. Wie verteilt sich die Sterblichkeit der Juden auf die verschiedenen Altersstufen? Zur Beantwortung dieser Frage empfiehlt es sieh von vornherein die Untersuchung für beide Geschlechter getrennt durchzuführen, Es ist eine seit langem bekannte Tatsache, daß in der allerersten Lebenszeit die Knaben in höherem Maße hinweggerafft werden als die Mädchen; sie sind hier durchaus noch nicht das starke Geschlecht. Unter den Erwachsenen wieder treten erhebliche Differenzen durch die verschiedene berufliche Inanspruchnahme auf. Die folgende Tabelle gibt zunächst die Sterblichkeit der männlichen Personen in den einzelnen Altersklassen für die Jahre 1901 bis 1905 an. Bis zum Alter von 20 Jahren haben wir sie nach Jahrfünften, dann nach Jahrzehnten gegliedert. Tabelle IV. X—V LO O o c o O o o o LO! w tH 1 rH 1 CM 1 CO 1 LO 1 CO 1 I> \ 1 00 i i CO l~ <D ö 1 LO o LO o O O o o o XI rH rH CM CO iO <x> t> :3 Katholik. Juden übr.Konf, 10049 1959 2217 697 213 165 283 99 63 617 213 16ß 2114 539 695 2554 547 677 2975 639 827 2638 742 776 2091 841 1309; 516 6231375 555'318! 121 Worin die hauptsächlichen Unterschiede der 3 Konfessionsgruppen liegen, erkennen wir in ungefährem Umriß, wenn wir in drei Hauptaltersstufen einteilen: 0—15 Jahre (Kinder), 15—50 Jahre (Erwachsene in erwerbskräftigem Alter), über 50 Jahre (Greise). Tabelle V. Es starben von 10000 der betr. Konfession: 0-5 15-50 über 50 Katholiken Juden übrige Konf. 48,53 26,02 42,15 36,48 22,20 40,79 28,95 29,57 30,53 Die Verteilung der Toten auf die drei Altersstufen ist demnach bei den Juden grundverschieden gegenüber den Nichtjuden. Bei den Nichtjuden liegt die höchste Sterb.lichkeitsqiiote im Eindcsaltar (0—15 Jahre). Das Mannesalter (15—50 Jahre) zeigt etwas geringere, aber noch sehr hohe Ziffern. Bedeutend geringer ist die Zahl der gestorbenen Greise, da eben viele das Greisenalter nicht erreichen. Bei den J u den dagegen liefert die höchste Totenziffer das Greisenalter, eine höhere nicht nur als das Mannesalter, sondern selbst als das Kindesalter. Am deutlichsten zeigt diese Unterschiede die Kurve, (s. Figur 1) Figur 1. 4o 50 2o \ ~V--'S. k\ -v Juden Katholiken übr. Konf. 0-15 •^o 5-0- Soziologisch betrachtet ist die Kurve der Juden typisch zweckmäßig. Es sterben wenig Kinder, die ja die zukünftigen Werte darstellen, sehr wenig Männer im kräftigsten Alter, zahlreiche Greise, die einen negativen Posten im Volksvermögen darstellen. Die Kurven der Nichtjuden sind typisch u n - zJM-ck mässi g. Die hohe Kindersterblichkeit bedeutet Verlust an Geburts- und Erziehungsarbeit, es sterben viele arbeitskräftige Männer, während dadurch auf die Greise nur ein geringerer Anteil an der Sterblichkeit entfällt.