Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Die Sterblichkeit der Juden in Budapest 1901 - 1905
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— i46 •— zelnen Punkten die Methodik der statistischen Aufarbeitung des Materials geändert, wodurch eine kleine Erschweiung für uns herbeigeführt wird. Als Vergleichsmaterial dienen uns naturgemäß die Nichtjuden Budapests. Wir teilen sie in 2 Gruppen: 1) Katholiken, 2) übrige Konfessionen. Die Katholiken bilden die Hauptmasse, etwa 60 % der Bevölkerung. Die „übrigen Konfessionen" setzen sich zusammen aus Griechiseh-Katholischen, Griechisch-Orientalischen (armenische Kirche), Evangelischen A.-C, Reformierten, Unitariern, Sonstigen und Unbekannten. (Die Personen unbekannter Konfession werden wir nur da nicht zu den „übrigen Konfessionen" rechnen, wo sie, wie bei den Totgeburten und Selbstmorden, einen nicht unerheblichen Prozentsatz bilden.) Die Juden mit der Gesamtbevölkerung zu vergleichen, empfiehlt sich deswegen nicht, weil sie durch ihre starke Ziffer (fast V4 der Einwohner!) die Sterblichkeit der ganzen Stadt beeinflussen; durch eine solche Gegenüberstellung könnten Unterschiede eher verdeckt als ans Licht gezogen werden. Als Typus der Bevölkerung gelten uns also die Katholiken. Die kleineren Konfessionen pflegen, wie das auch Rosenfeld für Wien hervorgehoben hat, in stärkerem Grade sozial höheren Schichten anzugehören, da naturgemäß die Masse des Proletariats der Hauptlandeskonfession zufällt. Wir haben demnach drei Hauptabteilungen der Bevölkerung Budapests: Die Katholiken, die Juden, die übrigen Konfessionen, Das Stärkeverhältnis der drei Gruppen zu einander hat sich in dem Jahrfünft 1901—1905 nicht geändert, (s. Tabelle I.) Tabelle I. Jahr Es lebten in Budapest Auf 100 Einw. kam. Ins' gesamt Katholiken Juden übrige Konf. Katholik. Juden übrig. Konf. 1901 1905 703448 764076 427112 463924 166198 180522 110138 119630 60,7 60,7 23,6 23,6 15,7 15,7 Wir werden sicher keinen großen Fehler begehen, wenn wir auch für die Zwischenjahre dieses selbe Verhältnis der drei Gruppen unseren Berechnungen zugrunde legen. Man halte also, um für die folgenden Zahlen einen ungefähren Maßstab zu gewinnen, fest: Die Juden bilden etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung, zwei Fünftel der Katholiken und übertreffen die übrigen Konfessionen um die Hälfte ihrer Zahl. Allgemeiner Teil. 1. Die Oesamtsterblichkeit. Tabelle Ii. Es starben in Budapest eines natürlichen Todes Jahr Katholiken Juden übrige Konfes. Von 100 Gestorb. waren Katholiken Juden übrige Konf. 1901 1902 1903 1904 1905 9104 9642 9808 9948 10379 2198 2319 2372 2519 2545 2073 2195 2303 2342 9,522 68.1 68,1 67.7 Ql',2 67,2 16,4 16,4 16,4 17,0 16,5 15,5 15,5 15.9 15|8 1fi '3 JL\S}Kj | 67,6 | 16,5 | 15,8 Diese Tabelle zeigt eine höchst bemerkenswerte Tatsache: Die Gesamtsterblichkeit der Juden ist außerordentlich gering. Während sie fast ein Viertel der Bevölkerung ausmachen, stellen sie nur ein Sechstel ihrer Toten: 16,5% gegenüber 23,6%. Die „übrigen Konfessionen" stehen in der Sterblichkeit genau mit der ihrer Zahl entsprechenden Ziffer, 15,8; die Katholiken überschreiten sie erheblich: 67,6 % gegenüber einem Bevölkerungsanteil von 60,7%. Das Auffallendste aber bleiben die Juden, die um ein volles Drittel hinter der zu erwartenden Zahl zurückbleiben. Noch schärfer tritt der Unterschied hervor, wenn wir die Zahl der Gestorbenen auf 1000 Personen der gleichen Konfession berechnen. Tabelle III. Es starben von 1000 Jahr Katholiken Juden übrige Konfessionen 1901 21,32 13,23 18,82 1902 21,68 13,41 19,08 1903 21,74 13,35 19,74 1904 21,75 14,16 19,80 1905 22,37 14,10 21,16