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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-07-01 · Heft 7 (Juli 1908) · p. Seite 106

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 7 (Juli 1908)
Article
Die Juden in Österreichisch-Schlesien
Date
1908-07-01
Page
Seite 106 (sequence 3)
Language
German
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— 106 — Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied der Konfession. Diese gewaltigen rechtlichen Umwälzungen hatten eine natürliche Einwirkung auf die sozialen Verbältnisse der Juden. Es war ihnen die Freizügigkeit und die freie Berufswahl eingeräumt worden und es ist selbstverständlich, daß die in ihren Ghetti eingezwängten Juden Mährens dieselben scharenweise verließen, um an anderen Orten unter günstigeren Bedingungen neuen Berufen nachzugehen, daß aber auch die Juden Schlesiens sich nunmehr vielfach an Orten niederließen, in denen die Maximalzahl der Juden komplet, und daher eine Neuaufnahme von Juden unzulässig war. Die Fluktuation der jüdischen Bevölkerung erstreckte sich jedoch nicht blos innerhalb des Landes; aus den benach" barten Kronländern Mähren und Galizien, sowie aus Ungarn kamen viele jüdische Familien nach Schlesien, und insbesondere die bis dahin in ihrem Ghetto internierten 135 systemisierten Familien der Judengemeinde Hotzenplotz, welche auf einer mährischen Enklave im Lande Schlesien gelegen ist, verließen zum großen Teile ihre Heimatsgemeinde und besiedelten Troppau und andere Städte Westschlesiens. Ostschlesien (Teschner Kreis), das auch bis dahin ungleich mehr Juden beherbergte als Westschlesien (88 systemisierte Familien gegen 31), wurde auch jetzt von Juden, insbesondere aus Galizien, mehr aufgesucht, da die diesen Landesteil bewohnenden Polen infolge ihrer niedrigen Kulturstufe des Juden als des volkswirtschaftlichen Trägers von Handel und Verkehr mehr bedürfen, als die Westschlesien bewohnenden Deutschen, welche den Juden als wirtschaftlichen Faktor boykottieren und ihn zu eliminieren suchen. Daher kommt es, daß speziell das flache Land von Westschlesien in manchen Bezirken von Juden fast nicht oder überhaupt nicht bewohnt ist. Die beigeschlossene Tabelle gibt Aufschluß über die Fluktuation der jüdischen Bevölkerung Schlesiens in den letzten drei Dezennien. Die größte jüdische Einwohnerschaft weisen die Städte Bielitz und Teschen auf, sonst wohnen die Juden in größerer Zahl fast nur in den diversen Industrieorten. Besonders stark ist die Zunahme der jüdischen Bevölkerung im Ostrauer Kohlenrevier, und zwar sowohl auf mährischem als auf schlesischem Territorium, in den Gerichtsbezirken Mähr.-Ostrau, Oderberg und Polnisch-Ostrau. Der Gerichtssprengel Mähr.- Ostrau erfuhr in den letzten 3 Jahrzenten eine Steigerung der jüdischen Bevölkerung von 1017 auf 2222, bezw. auf 4985; die beiden anderen schlesischen Gerichtsbezirke von 557 auf 691, bzw. auf 1523. Im Allgemeinen hat die jüdische Bevölkerung Schlesiens seit der Emanzipation kontinuierlich sowohl absolut als auch relativ zugenommen, nur in dem, wie oben erwähnt antisemitisch durchtränkten Westschlesien ist während des letzten Dezenniums eine Abnahme der Juden zu konstatieren. Nach den statistischen Ausweisen wohnten in Österreich-Schlesien x) im Jahre 1850 2456 Juden 1857 3280 „ (= 0,71% d. Ges.*Bev. Schles. 0,5% sämtl. österr. Jud.) im Jahre 1869 6123 Juden (= 1,2% d. Ges.-Bev. Schles. 0,75% samt!, österr. Jud.) im Jahre 1880 8580 Juden (= 1,51% d.Ges.-Bev.Schles. 0,85% sämtl. österr. Jud,) im Jahre 1890 10042 Juden (= 1,66% d.Ges.-Bev, Schles. 0,88% sämtl. österr. Jud.) im Jahre 1900 11988 Juden (= 1,76% d.Ges.*Bev.Schles. 0,98% sämtl.österr.Jud.) Auch im Verhältnisse zur christlichen Bevölkerung ist das Zuwachsprozent der Juden Schlesiens ein bedeutendes; denn während die Gesamtbevölkerung Schlesiens innerhalb der Zeitperioden 1889—1890—1900 Steigerungen von 7,1 und 12,35% aufweist, beträgt das x) Eine Entvölkerung einzelner Gemeinden von juden, wie dies in Mähren vielfach erfolgte, läßt sich in Schlesien nicht konstatieren. Denn selbst in den von Juden am stärksten bewohnten Städten, wie Bielitz und Teschen, wohnten die Juden nicht in einer verhältnismäßig so großen Zahl, als daß ihnen nicht genügende Erwerbsgelegenheit geboten gewesen wäre. Anderseits \ wurden die Industriestädte Troppau, Jägerndorf, Frei- I Waldau u. a. von Juden rasch bevölkert.

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