Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 4 (1908)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1908)
- Article
- Jüdisch-Statistisches
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 90 (sequence 1)
- Language
- German
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Einige Anregungen von Dr. med. J. Fern von den Sammlungen der statistischen | Archive und Jahrbücher, sowie z. Zt. durch Berufsarbeit an statistischen Studien gehindert, möchte ich denen, die an der Quelle sitzen, Nachstehendes zur Prüfung unterbreiten: L Uber Irrenstatistik. Daß die Juden einen ungleich höheren Prozentsatz zu den Nerven- und Geisteskranken stellen als die Nichtjuden, scheint heute ab Axiom anerkannt zu sein, sowohl in den psychiatrischen Arbeiten als auch in den spezifisch jüdischen Schriften, mögen diese sich rein wissenschaftlich mit der Darstellung der demographischen Verhältnisse der Juden beschäftigen oder aber vom sozialen oder philanthropischen Standpunkte auf jene Zahlen nur hinweisen, um die Notwendigkeit einer Änderung der jüdischen Lebensverhältnisse zu begründen. Nun will ich keineswegs die Giltigkeit obiger Tatsache umzustoßen versuchen, ich möchte aber darauf hinweisen, daß wahrscheinlich der Unterschied der Beteiligung an den Nerven- und Geisteskrankheiten zwischen Juden und Nichtjuden ein wesentlich geringerer werden wird, wenn wir eine Statistik nach Altersgruppen aufstellen. In den mir augenblicklich zugänglichen Schriften und Aufsätzen1) ist dies nirgends geschehen, vielleicht, weil es auf Grund des bis jetzt vorliegenden Materials nicht geschehen kann. H. L. Eisenstadt2) hat jüngst auf das Mangelhafte der Irren-Statistik in dieser x) Singer, Krankheiten der Juden. 1904. Engländer, Krankheitserscheinungen der jüdischen Rasse. 1902. M a r e t z k i, Die Gesundheitsverhältnisse der Juden. Beilage zum Bericht der Großloge für Deutschland, U. O. B.B. 1904. Jeremias, Die Hygiene der jüdischen Nerven. Jüdische Volksstimme, 1902. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, Bd. 1—3. 2) Sozialpolitik der Juden in der Gegenwart. Nach einem in der Montefiore*Loge gehaitenen Vortrag. (Literaturblatt der „Jüdischen Rundschau*, 1908.) D r e y f u ß , Arzt in Kaiserslautern. Beziehung aufmerksam gemacht.?5Wir besitzen keine direkte Krankheitsstatistik und erst recht keine Statistik der Geisteskrankheiten. Die Angaben über Zugänge zu den preußischen Irrenanstalten sind zwar recht genau, ersetzen aber keine allgemeine Zählung. Vermutlich befinden sich bei der christlichen Bevölkerung mehr derartige Kranke in häuslicher Pflege, während die jüdische Bevölkerung mehr und früher die Geisteskranken in Anstalten schickt." Es liegt klar auf der Hand, wie wichtig in der vorliegenden Frage eine Aufstellung nach Altersklassen wäre. Bekanntlich sind die Geisteskrankheiten bei Kindern sehr selten, steigen aber vom 15. Lebensjahre an sehr schnell. Nun ist ebenso bekannt, daß bei den westeuropäischen Juden, denen die Angaben über Geisteskrankheiten meist entnommen worden sind, in den letzten Jahrzehnten die Geburtenziffer außerordentlich abgenommen hat. Infolge dieser Tatsache ist die jüdische Bevölkerung in Bezug auf Altersgruppen derart zusammengesetzt, daß sie viel weniger Kinder und viel mehr Erwachsene enthält, als die nichtjüdische. Was ist nun natürlicher als daß auch die Krankheiten der Erwachsenen — und dazu gehören die Geisteskrankheiten — bei den Juden zahlreicher sind? Will man deshalb über die relative Häufigkeit der Geisteskrankheiten bei Juden und Nichtjuden ein zutreffendes Bild bekommen, so ist es unbedingt nötig, die gleichen Altersklassen bei beiden zu vergleichen. Möglich, vielleicht wahrscheinlich, daß auch dann noch ein größerer Prozentsatz bei den Juden herauskommen wird, aber sicher wird der Unterschied geringer werden, als er bei der jetzigen Statistik erscheint. Wäre es der jüdischen Statistik mit ihrer jetzigen Organisation möglich, einen solchen Vergleich nach Altersklassen anzustellen? Der Zweck der Sache wäre sicher ein wichtiger