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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-03-01 · Heft 3 (März 1908) · p. Seite 41

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 3 (März 1908)
Article
Die Juden in Mähren
Date
1908-03-01
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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— 41 — mehr florierten, während die Stellung der Juden sich zusehends verschlechterte. Hierzu kam vielfach die antisemitische Bewegung, welche sich in größerem und kleinerem Maßstabe allmählisch über das ganze Land verbreitete und, vielfach unterstützt durch die lokale Presse, den wirtschaftlichen Boden der Juden zu untergraben und ihre sozialen Aufwärtsstrebungen zu unterbinden trachtete. Die künstliche Erschwerung der wirtschaftlichen und Erwerbsverhältnisse traf insbesondere die Juden auf dem flachen Lande und in den kleinen Städten. Hierzu kam auch noch der allgemeine Niedergang der kleinen Handelsstädte, welcher vielen jüdischen Familien die Existenzmöglichkeit entzog und sie zwang, das Land und die kleinen Städte zu verlassen und in die größeren Städte zu übersiedeln. Aber auch viele bemittelte Personen zogen in die Stadt, namentlich wenn ihre Kinder bereits daselbst dem Studium oder einem Berufe nachgingen. Von den vielen jungen Leuten schließlich, die alljährlich in die Stadt kamen, um einen wissenschaftlichen oder praktischen Beruf zu erlernen und auszuüben, kehrte ebenfalls naturgemäß nur ein geringer Teil aufs Land zurück. So ergab sich mit der Zeit eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung auf dem flachen Lande, zuerst in den reichen Gegenden (insbesondere auf der Hanna), in welchen die Bevölkerung frühzeitig aufgeklärt wurde und sich rasch von den Juden emanzipierte, später in ärmeren Gegenden (insbesondere in der Slovakei und Wallachei), deren Bevölkerung weniger Fähigkeit und Geneigtheit besaß, um die Tätigkeit der Juden auf dem Gebiete des Handels und Gewerbes selbst zu übernehmen. Eine gemeinsame zeitliche Grenze für die Bückstauung der Juden vom Lande in die Stadt kann nicht gezogen werden, denn diese ging in manchen Gegenden früher, in manchen später vor sich, in manchen ist sie bisher überhaupt nicht erfolgt. Ein deutliches Zeichen für die Strömung der Juden vom Lande in die Stadt bildet die Auflösung mehrerer alter Judengemeinden in kleinen Orten, in welchen eine rapide Abnahme der jüdischen Bevölkerung erfolgte, und die Begründung neuer Kultusgemeinden in jenen größeren Städten, in welchen die Juden erst seit dem Jahre 1848 sich niedergelassen hatten. Die Wanderbewegung der jüdischen Bevölkerung Mährens beschränkte sich jedoch nicht nur auf das Kronland selbst. Wie aus den Volkszählungen erhellt, erfolgte seit dem Jahre 1869 eine bedeutende relative und im letzten Dezennium sogar eine absolute Abnahme der jüdischen Bevölkerung Mährens. Dies ist daraus zu erklären, daß sich ein großer Teil der mährischen Juden außerhalb der Landesgrenzen, insbesondere in Wien, niederließ und daß die Einwanderung von Juden nach Mähren (aus JJngarn, Galizien etc.) keineswegs jene Dimensionen erreichte, um die Auswanderung zu paralysieren. Während die Gesamtbevölkerung Mährens innerhalb der Zeitperioden 1869—1880—1890 z:.%-.:j?r >c^' bis 1900 Steigerungen von;6,75, 5,73 und 7,07 % aufweist, beträgt das Zuwachsprozent unter den Juden innerhalb der ersten zwei Dezennien 2,97 und 2,6 %, innerhalb des letzten Jahrzehntes ist eine Abnahme von 2,34% zu verzeichnen. Hingegen weist Wien infolge des Zuzuges von Juden aus allen Teilen der Monarchie einen weitaus höheren Zuwachsprozent bezüglich der jüdischen Bevölkerung als bezüglich der Gesamtbevölkerung auf, nämlich von 1880—1890 81,58% (bei der Gesamtbevölkerung 17,07%) und von 1890—1900 35,42 Prozent (bei der Gesamtbevölkerung 14,21%). Mähren partizipiert hierbei nächst Galizien mit dem größten Prozentsatz. Unter der Gesamtbevölkerung Mährens bildeten die Juden: im Jahre 1869 mit 42644 Seelen 2,13 % „ „ 1880 „ 44175 „ 2,05 „ „ „ 1890 „ 45324 „ 1,99 „ „ 1900 „ 44255 „ 1,84 „ Es erübrigt nur noch die Berufsstellung ~, iSV der Juden kurz zu berühren. Wie bereits erwähnt, haben die Juden [nach der Emanzipation hauptsächlich diejenigen Berufe ergriffen, mit denen sie bereits vertraut waren, nämlich Handel und Gewerbe, nur wenige den

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