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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-02-01 · Heft 2 (Februar 1908) · p. Seite 18

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 2 (Februar 1908)
Article
Die Mischehe
Date
1908-02-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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_ 18 —. Für den anthropologischen Forscher ist allerdings der Eeligionswechsel vor der Eheschließung ohne Bedeutung; für ihn bleibt die Ehe zwischen Christen und Juden mit oder ohne Eeligionswechsel eine Mischehe, d. h. eine Ehe zwischen Angehörigen verschiedener Rasse. Aber dieser anthropologische Standpunkt kann nicht zur Grundlage der Betrachtung dienen, wenn es gilt, die Mischehe statistisch zu erfassen, und zwar aus einem rein praktischen Grunde. Die Rassenzugehörigkeit des Individuums fällt nämlich, wenigstens in Europa, nicht in den Rahmen der amtlichen Statistik und wird bei der Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, die europäischen Weißen in praxi bestimmten anthropologisch einheitlichen Gruppen zuzuteilen, auch kaum je in ihren Rahmen fallen. Will man also mit Hilfe der Statistik die Verbreitung der Mischehe feststellen, so kann man nur von der Religionszugehörigkeit der Eheschließenden ausgehen. Die so gewonnenen Ergebnisse sind für den Anthropologen dann zwar nicht vollständig, weil sie die vorhin erwähnten Ehen der vor der Heirat ihre Religion wechselnden Eheschließenden nicht enthalten, aber sie haben doch auch für den Anthropologen jedenfalls die Bedeutung von Mindestzahlen. Denn so wenig bei allen anderen Völkern Religion und Rasse mit einander zu tun haben: bei den Juden bildet die Religion zugleich einen sicheren Hinweis auf die Rassenzugehörigkeit. Man darf hierbei freilich den Begriff Rasse nicht überspannen. Versteht man unter Rasse nur eine solche Gemeinschaft, die ihre charakteristischen anthropologischen Merkmale in vorgeschichtliseher Zeit ausgebildet und sich in geschichtlicher Zeit von jeder geschlechtlichen Vermischung mit anderen Gemeinschaften frei gehalten hat, so gibt es unter den Menschen mit weißer Hautfarbe überhaupt keine Rassenverschiedenheit, denn sie alle sind im Laufe der Jahrtausende wiederholt durcheinander gewürfelt worden und haben sich nicht nur unter sich, sondern in geringerem Umfange auch mit Menschen gelber und schwarzer Hautfarbe gekreuzt. Ob die Juden yon ihrem Eintritt in die Geschichte an eine einheitliche Rasse gebildet und diesen einheitlichen Charakter stets bewahrt haben, steht völlig dahin. Als sicher kann aber gelten, daß die Bekenner der mosaischen Religion gegen Ende des 18. Jahrhunderts nach vielen Jahrhunderten strengster Inzucht innerhalb eines relativ kleinen und räumlich beschränkten Kreises eine durch anthropologische Merkmale von ihrer christlichen Umgebung scharf unterschiedene Gemeinschaft bildeten. Die Gesamtheit derjenigen Personen, welche genealogisch von dieser Gemeinschaft abstammen, kann man — mangels eines besseren Wortes für anthropologisch einheitliche Menschengruppen — als eine Rasse und zwar als die jüdische Rasse bezeichnen. Im 19. Jahrhundert sind manche Angehörige dieser Rasse von der jüdischen Religion zur christlichen übergetreten, andere haben einen christlichen Ehegatten geheiratet und ihre Kinder dem Christentum zugewendet, sodaß sich jetzt Angehörige der jüdischen Rasse auch unter den Anhängern der christlichen Religion befinden. Demgegenüber sind die Fälle, in denen Christen (d.h. anthropologisch gesprochen: Germanen, Slaven usw.) durch Übertritt zum Judentum oder auf dem Wege der geschlechtlichen Vermischung mit Juden zu Bekennern der mosaischen Religion geworden sind, so selten, daß man sie ohne erheblichen Fehler ganz vernachlässigen und auch heute noch alle Anhänger dieser Religion als Angehörige der jüdischen Rasse bezeichnen kann. Nennt man alle Anhänger der mosaischen Religion „Israeliten", alle Angehörige der jüdischen Rasse „Juden", so kann man das Ergebnis unserer Betrachtung kurz dahin formulieren: alle heutigen Israeliten sind Juden, aber nicht alle heutigen Juden sind Israeliten. Es war zur methodologischen Deutlichkeit notwendig, diese Verhältnisse mit einigen Worten klarzustellen. Wir wollen jetzt die Verbreitung der Mischehe in der Gegenwart betrachten. Der erste Anstoß zur Aufhebung der die Ehe zwischen Christen und Juden verbieten-

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