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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. Seite 12

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Taufbewegung der Juden in Österreich
Date
1908-01-01
Page
Seite 12 (sequence 7)
Language
German
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— 12 — Es waren somit unter 69 Konvertiten in 4 Jahren 56 im Alter von 14—40 Jahren und 60 noch ledig. Interessant ist die verhältnismäßig sehr hohe Zahl der Konfessionsloserklärungen. Unter 76 vom Judentum Ausgetretenen haben sich 51 (= 67,1 %) konfessionslos erklärt, während 21 zur katholischen und 4 zur evangelischen Kirche übergetreten sind. f) Endergebnisse. Ziehen wir das Fazit aus der bisherigen Darstellung für ganz Österreich, so muß zunächst vom übrigen Österreich Gralizien gesondert werden. In Galizien dürften außerhalb der Hauptstädte Lemberg und Krakau Austritte nur höchst vereinzelt vorkommen. Auf diese beiden Städte entfallen jährlich etwa 27 jüdische Austritte, mit diesen zusammen dürften alle Taufen in Galizien höchstens auf 70—80 jährlich kommen, was gegenüber der jüdischen Bevölkerung Galiziens von über 800 000 Seelen als verschwindend klein betrachtet werden kann. Ein ungefähr gleicher Prozentsatz (1 Austrittsfall auf ca. 10 000 Juden) kann auch für die Bukowina angenommen werden. Somit wären 900 000, d. i. 3/4 aller österreichischen Juden, von der Taufe nur ganz wenig berührt. Von den übrigen 300 000 Juden entfällt fast genau die Hälfte auf Wien, wo die Taufbewegung am stärksten auftritt. Dort kamen in den Jahren 1868/79 ungefähr 50 Taufen jährlich vor oder 1 Tauffall auf etwa 1200 Juden, in den Jahrenl 880/89 steigt die Taufziffer auf 220 jährlich, d. h. es entfällt eine Taufe schon auf 420—430 Juden; noch höher wird sie in den Jahren 1890/1903, nämlich 455 jährlich, d. h. 1 Tauf fall kommt auf je 260—270 Juden. Auf diese Weise vermehren sich die Taufen verhältnismäßig weit rascher als die jüdische Bevölkerung in Wien. In den übrigen Städten und österreichischen Kronländern nehmen die Taufen sicherlich auch rasch zu, scheinen jedoch nicht so anzuwachsen wie in Wien. Das Verhältnis dürfte sich ungefähr so gestalten, daß der Prozentsatz der Taufen in größeren Judengemeinden hinter dem Wiener zurückbleiben, in Städten aber mit geringer jüdischer Bevölkerung (wie Innsbruck, Salzburg u. a. mit 100—150 Juden) die Wiener Ziffern noch übersteigen wird. Letztere fallen jedoch bei der Darstellung des Gesamtbildes nur wenig ins Gewicht. In Brünn entfiel in den Jahren 1868/79 eine Taufe auf etwa 1330—1340 Juden, in den weiteren Jahren aber schon auf 510—515. In Triest kommt unter je 300 Juden jährlich ein Austritt vor. Im allgemeinen läßt sich für die 150 000 österreichischen Juden außer Galizien, Bukowina und Wien eine fast zweimal geringere Taufziner annehmen als in Wien, so daß hier rund auf etwa 500 Juden ein Austritt fällt. Im ganzen wäre nach diesen Ausführungen die Zahl der durch Austritt vom Judentum abfallenden Juden in allen österreichischen Kronländern zusammen auf 840—900 jährlich zu veranschlagen; es entfällt somit 1 Austritt auf 1360—1480 Juden. Statistisches Archiv. Berlin, Die Befteuerungsüerhältniffe der in den Jahren 1875—1906 in Beriin aus dem Judentum ausgetretenen Perfönen, Im Anschluß an den im vorigen Jahrgang, S, 145 ff., veröffentlichten Aufsatz über die Austritte aus dem Judentum in Berlin bringen wir nachstehend eine Tabelle, aus der sich ergibt, wieviel besteuerte und wieviel unbesteuerte Personen in den einzelnen jähren ihren Austritt atis dem Judentum erklärt haben und zu welchen Steuersätzen die Besteuerten veranlagt waren.

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