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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. Seite 9

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Taufbewegung der Juden in Österreich
Date
1908-01-01
Page
Seite 9 (sequence 4)
Language
German
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— 9 — rend bei den jüdischen Täuflingen das Verhältnis der Männer zu den Frauen wie 56,1:43,9 sich darstellt, ist es bei den christlichen wie 30,7 : 69,3 (360 Männer und 812 Frauen in den Jahren 1886 bis 1903). Da wir bei den Übertritten zum Judentum erst recht, und zwar hier als fast ausschließlichen Grund der Konfessionsänderung die Heirat betrachten müssen, so folgt aus dem eben festgestellten Verhältnis beider Geschlechter bei den jüdischen und christlichen Konvertiten, daß christlich-jüdische Mischehen hauptsächlich von jüdischen Männern und christlichen Frauen eingegangen werden. In Bezug auf Alter und Zivilstand weisen die christlichen Konvertiten ungefähr gleiche Verhältnisse auf, wie die jüdischen. Von allen 1172 Konvertiten standen 705 im Alter von 20 bis 30 Jahren (= 60,1%, also 11,1% mehr als bei den jüdischen) während nur 108 (-=9,2%, d. i. 2,8% weniger als bei den jüdischen) das 40. Lebensjahr überschritten haben. Auch die Zahl der Ledigen ist etwas höher, 78,5% (920) gegen 74% bei den Juden. Ob unter den zum Judentum Übertretenden getaufte Juden, also „rückkehrende Söhne" sich befinden, was wohl anzunehmen ist, und in welcher Zahl, kann nicht angegeben werden. Inwiefern die Verluste des Judentums durch die Taufen einen teilweisen Ersatz an den Übertritten finden, zeigt nachfolgende Zusammenstellung. Es entfielen auf je 100 ausgetretene Juden übertretende Christen: im Jahre im Jahre im Jahre 1886 15,4 1892 22,2 1898 11,3 1887 16,4 1893 25,2 1899 11,2 1888 23,3 1894 23,7 1900 9,8 1889 21,1 1895 18,5 1901 14,9 1890 19,9 1896 16,5 1902 8,2 1891 O iT\ S~* 2z,t> 1897 10,2 1903 12,2 c) Austritte und Übertritte in Lemberg, über die Konfessionsänderungen in einigen anderen österreichischen Städten sind nur vereinzelte Angaben und nirgends für so lange Zeitabschnitte wie für Wien vorhanden. Wichtig ist es immerhin, daß für die beiden galizischen Hauptstädte Lemberg und Krakau Zahlen veröffentlicht sind. Nach den statistischen Mitteilungen der Stadt Lemberg haben in Lemberg in den 6 Jahren 1897 bis 1902 (vgl. diese Zeitschrift, 2 Jahrg. S.' 94) 157 Personen das Judentum verlassen, also jährlich 26, fast eben so viele Männer wie Frauen (77 Männer und 80 Frauen). Die meisten (107=68,1 %) sind der römischkatholischen Kirche zugefallen, der griechischkatholischen nur 20 (= 12,7 %). Dagegen ist auch hier die im Verhältnis zur geringen Zahl der Evangelischen in Lemberg (2833 gegenüber 82 597 Römisch-Katholischen und 29 327 Griechisch-Katholischen) sehr hohe Ziffer der zur evangelischen Kirche übergetretenen Juden: 24=15,3% bemerkenswert. Die meisten Ausgetretenen (137=87,3 %) befinden sich im Alter von 14—40 Jahren, ferner waren 4 Kinder unter 4 Jahren, d. h. sie wurden mit den Eltern oder durch die Eltern der Taufe unterzogen. Auch sind bedeutend mehr Ledige als Verheiratete (112 gegen 42), ferner 3 Verwitwete vorhanden. Vier Personen sind in dieser Zeit in Lemberg zum Judentum übergetreten, und zwar 3 aus der evangelischen (2 Männer und eine Frau) und 1 Frau von den Konfessionslosen. Alle waren ledig, 3 im Altervon 20—30, 1 im Alter von 30—40 Jahren. d) Austritte und Übertritte in K r a k a u. Die sehr sorgfältig bearbeiteten Berichte des statistischen Amtes der Stadt Krakau bieten seit einer Reihe von Jahren über Konfessionsänderungen ausführliche und systematische Angaben, die gleich den Wiener Daten über die ganze Taufbewegung ausgiebige Aufschlüsse erteilen. Aus Tabelle VII ergibt sich, daß das Judentum in Krakau in 16 Jahren 444 Mitglieder durch Taufe verloren hat. Im Gegensatze zu Wien überwiegen hier ganz bedeutend unter den Getauften die Frauen (302 Frauen 68%

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