Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-12-01 · Heft 12 (Dezember 1911) · p. Seite 173

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 12 (Dezember 1911)
Article
Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
Date
1911-12-01
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2650397-3187691-3187702-3191505--3249-3191520
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 173 — in schwächerem Maße an Mumps leiden als \ ihrem Bevölkerungsanteil entsprechen würde. Was die Qesehlechtsverhältnisse, sowie die Altersgliederung anbelangt, so lassen sich hier keine Abweichungen von dem bei den anderen Kinderkrankheiten festgestellten Typus beobachten, nämlich gleiche Morbidität der beiden Geschlechter und hauptsäch- : liches Ergriffensein der ersten 10 Jahrgänge. Die Windpocken. Die Windpocken kamen nur im Jahre 1908 in größerer Häufung vor, weshalb ich die übrigen zwei Jahrgänge aus der Betrachtung ausgelassen habe, wozu ich mich umsomehr berechtigt glaubte, als während dieser \ Periode nur sehr wenig Fälle regristriert wurden. Aber auch die Zahl der in Tabelle; XIV angegebenen Fälle entspricht keinesfalls j der Wirklichkeit, indem wohl die meisten j Fälle ohne ärztliche Hilfe verliefen und nur j die bei dieser Krankheit äusserst seltenen \ Fälle mit schwererem Verlauf zur Anzeige gelangten. Daß die Juden nun beinahe doppelt so häufig als die Christen an Windpocken erkranken, wie es Tabelle XIV zeigt, Tabelle XIV. Windpockenkranke des Jahres 1908. Juden Christe n o B Alter g Man. Frau.j Zus. Man. Frau, Zus. 3 </> 0- 1 4 5 9 3 3 6 15 1— 5 9 10 19 5 3 8 27 6—10 5 4 l 9 1 2 3 12 11-15 1 1 2 2 i : 3 5 16-20 2 1; 3 2 1! 3 6 21—30 I — : 1 1 —! 1 2 Zusammen . . 22 21 | 43 14 10; 24 67 V. 100 Erkr4 war. — _! | 64,2 — — 35,8 — ist kaum anzunehmen, da sich kein plausibler Grund dafür anführen läßt, daß die Juden wirklich häufiger oder nur in schwererer und deshalb zur Anzeige gelangender Form erkranken. Die Mortalität, die uns bis jetzt als zuverlässiger Prüfungsstein der statistischen Unzulänglichkeiten diente, fehlt hier und müssen wir deshalb nur aus schon mehrmals gewonnener Erfahrung annehmen, daß das häufigere Ergriffensein der Juden meistens eine Folge ihrer häufigeren Inanspruchnahme der ärztlichen Hilfe ist und somit für ihre höhere Intelligenz zeugt, wobei aber auch ihre leichtere Ansteckungsmöglichkeit infolge der schlechten Wohnungsverhältnisse in Betracht zu ziehen ist. Der akute Brechdurchfall. Obgleich die Registration des akuten Brechdurchfalls als zweifellose Infektionskrankheit vom Sanitätsarzt verlangt wird, so bringt es doch einerseits der meistens gutartige Verlauf der Krankheit sowie andererseits das gewöhnlich fast ausschließliche Ergriffensem des ärmeren Teils der Bevölkerung, die nicht gerne einen Arzt konsultiert, mit sich, daß wohl die meisten Fälle nicht zur Anzeige gelangen. Einen indirekten Beweis dafür haben wir darin zu erblicken, daß die Sterblichkeit an benannter Krankheit in den Jahren 1908 und 1909 eine ganz kolossale war und nicht selten für einzelne Rubriken 50 Prozent erreichte, was sich nur durch die höchst ungenügende Registrierung der einzelnen Krankheitsfälle erklären läßt. G-anz anders lagen aber die Verhältnisse im Jahre 1910, als die Cholera mit Sommerbeginn ihren Einzug in die Stadt hielt. Da wurden von der städtischen Verwaltung unentgeltliche Ambulanzen in den verschiedenen Stadtteilen eröffnet und die Choleraangst trieb dahin jeden, dessen Verdauung nicht ganz in Ordnung war. Die Statistik dieses Jahres scheint deshalb begründeten Ausspruch auf größere Zuverlässigkeit erheben zu dürfen, was auch die Zahlen wirklich beweisen, wie wir später sehen werden. Aus diesem Grunde begnüge ich mich mir mit der Betrachtung der Daten für 1910, die in Tabelle XV zusammengestellt sind. Es muß vorausgeschickt werden, daß unter den Begriff des akuten Brechdurchfalls alle möglichen Krankheiten gelangten, die dieses Symptom mehr oder weniger ausgesprochen zeigten, so die akuten Magendarmkatarrhe der Säuglinge und kleinen Kinder,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.