Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
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— 171 — Rasse sein kann, indem wir in der Hingabe der Juden ihren Kranken gegenüber einen dafür genügenden Moment haben. Daß wir es hier nicht mit einem Zufall zu tun haben, beweist Tabelle XI, Tabelle XI. Todesfälle an Scharlach. juden Christen «s jähr «Inner ■auen E «C '£ ä'nner 'auen c« C/3 £ £ CO £ tu; N £ LU N 1907 3 2 5 12 7 19 24 1908 2 3 i 5 n i 5 12 17 1909 1 2! 3 9 5; 14 17 1910 33 29 : 62 92 99 191 253 1911 14 13 : 27 15 15 : 30 57 V. 100 Gestorb. war. j 1907 — — 120.8 — — 79.2 — 1908 — — 129.4 _ — :70.6 — 1909 — — 117.7 — — 82.3 — 1910 — — 124.5 — — i|75.5 — 1911 — — 47.4 — o2.6 — wo die Sterblichkeit an Scharlach für 1907 j bis 1911 zusammengestellt ist. Wir sehen, | daß die Sterblichkeit im Jahre 1908 mit der j für unsere Epidemie etwa zusammenfällt, j während sie in den Jahren 1907 und 1909! noch geringer ist. Dagegen ist es auffallend, \ daß die beiden Epidemiejahre eine sehr verschiedene jüdische Sterblichkeitsrate auf-; weisen, indem diese für 1910 24,5 und für j 1911 das Doppelte 47,4 beträgt. Dies hat; aber darin seinen Grund, daß die Juden; während des Jahres 1911 viel mehr an Schar- : lach litten als die Bussen, indem 286 Juden j und nur 195 Russen erkrankten, was einen; Prozentsatz von 59,5 Juden ergibt. Es ist; deshalb anzunehmen, daß die Epidemie sich : zuletzt besonders in den jüdischen Stadtteilen einnistete, was nur eine mehr detallierte Bearbeitung des Materials beweisen könnte. Selbstverständlich mußten unter solchen Verhältnissen auch bei den günstigsten Bedingungen mehr Juden sterben und so sehen; wir ihren Prozentsatz unter den Gestorbenen j auf 47,4 steigen, obgleich ihre Mortalität in! Prozenten der Erkrankten nur 9,4 gegen 15,4 : bei den Russen beträgt. Was die Altersgliederung anbelangt, so : ist der Scharlach hauptsächlich eine Krankheit der ersten 1.0 Lebensjahre, wobei Säuglinge ziemlich selten und Personen im reifen Alter äußerst selten betroffen werden. Das Verhalten der Geschlechter ist ein gleichmäßiges. Der Keuchhusten. Wenn auch der Keuchhusten im Allgemeinen als eine ungefährliche Krankheit betrachtet wird, so führt er doch häufiger, als in Laienkreisen geglaubt wird, durch verschiedene hinzukommende Lungenerkrankungen zum Tode. Und wirklich sehen wir aus Tabelle XII, daß diese scheinbar harmlose Krankheit bei den Juden 6,7 und bei den Christen sogar 32,8 Prozent Opfer forderte. Nun ist nicht nur der christliche sondern auch der jüdische Prozentsatz der Todesfälle ein zu großer, indem er der ärztlichen Erfahrung, sowie den tatsächlichen, statistischen Feststellungen widerspricht. Wir haben also wieder anzunehmen, daß eine große Zahl von Fällen unserer Sammelstelle entgangen ist und zwar noch mehr auf christlicher als auf jüdischer Seite, denn die Mortalität der Christen ist wregen ihrer Ungeheuerlichkeit eine ganz unmögliche. Der Prozentsatz der erkrankten Juden übersteigt auch hier ihren Anteil an der Bevölkerung bedeutend, was kaum nur als Folge der mangelhaften Kartierung der christlichen Kranken, sondern eher als mehr oder weniger wirklicher Maßstab ihrer Morbidität, die der der Christen entspricht, zu betrachten ist. Jedoch ist auch hier bei den Juden der Prozentzatz der Gestorbenen ein bedeutend geringerer als der der Erkrankten, indem beide Zahlen sich wie etwa 1 zu 3 verhalten, was wiederum nicht ausschließlich der besserer, Registrierung der Juden, sondern auch ihrer besseren Pflege zuzuschreiben, ist. Was die Verteilung der Geschlechter anbelangt, so läßt sich in ihrem Verhalten keine nennenswerte Abweichung beobachten. In Bezug auf die Altersgliederung ist die starke Beteiligung der Säuglinge, sowie die