Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1911)
- Article
- Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 170 — Tabelle X. Scharlachkranke. Alter Juden 1910 19111; Mauser Frauen /Männer Frauen; Männer Frauen;Manner:Frauen I 0— 1 11! 10! 3 \ 4 28 16 8; 3 5 32 60 1— 5 137 1 107! 58 i 56 358 112 141 : 38 40 ■ 331 689 6-10 146; 135! 53 i 61 395 133 HO 35 28; 306 701 11—15 39! 43 i 13 | 18 113 74! 53 : 12 16 155 268 16—20 10 21! 7 8 46 25! 14 : 3 7 49 95 21—30 2 4 < — 3 9 0 : 9 i — 6; 21 30 31-40 1 — ' — — 1 1 \ 3 i — — 4 5 41-50 —! — : — 1 1 i i 3 | — — \ 4 5 51— —! — — — — i | — — — 1 1 Alter unbestimmt..... — 1 I — 1 i 1 | 2 — 3 4 320 135 151 : 952 369 342 93 102 i 906 3 858 Gestorben....... 33 l 29 14; 13 89 92 99 15 15 : 221 310 Gestorb. in Proz. d. Erkrankten ( )!3 9.4 9.4 26 9 15.4; 24.4 16.7 Von 100 Erkrankten waren . . — — — < — 51 2 — — — — 48.8 — Von 100 Gestorbenen waren . — — —; — 28.7 — i __ 71.3 — Christen 1910 1G111; : Zusam E c/5 ]) Bis zum 1» Juni, zu welcher Zdc die Epidemie also 51,2 Prozent Juden waren. Dieser Prozentsatz übersteigt ihren Prozentanteil in der Bevölkerung um volle 12 Einheiten. Wenn wir eine Erklärung dafür suchen, so ist wiederum daran zu denken, daß die Zahl der erkrankten Russen der Wirklichkeit nicht entspricht, indem viele Fälle der Beobachtung entgingen. So wurde mehrmals festgestellt, daß bei Erkrankung ganzer Familien die Russen nur die Schwerkranken dem Arzte zuführten, während die Leichtkranken entweder garnicht oder nach an anderen Kranken sich schon bewährten Methoden behandelt wurden. Deshalb war es keine Seltenheit, daß an den russischen Kindern der Scharlach erst nach seinen Folgen, am häufigsten der Nierenentzündung, diagnostiziert wurde, was mir persönlich bei Juden kein einziges Mal vorgekommen ist. Einen indirekten Hinweis auf die Unzulänglichkeit der russischen Statistik haben wir auch hier, wie bei den früheren Krankheiten, in der großen Sterblichkeit der Russen zu erblicken, indem eine Mortalität von 26,9 bei den Russen gegenüber einer solchen von nur 9,3 bei den Juden nicht ausschließlich der besseren Pflege der letzteren zugeschrieben werden kann. Und die Sinkuns; des Mortalitätsgan: zurückging. satzes der Russen im Jahre 1911 auf 15,4, also um mehr als 11 Einheiten, ist entschieden als ein Ausfluß des Vertrauens zur ärztlichen Kunst zu betrachten, denn die Epidemie hat im Laufe ihres Bestandes an Bösartigkeit nicht verloren, wie die Mortalität der Juden beweist, die während der ganzen Zeit etwa 9 Prozent betragen hat. Andererseits ist aber beim starken Überwiegen der jüdischen Morbidität auch in Betracht zu ziehen, daß die Juden an Scharlach vielleicht wirklich mehr erkranken, als die Russen, was auch mit Beziehung auf die Masern und die Diphtheritis zu sagen wäre. Es ist dabei zu berücksichtigen, daß diese Krankheiten, die leicht von Person zu Person übergehen, in den engen Wohnungsverhältnissen der Juden eher Ansteckungsmöglichkeiten finden können, als unter den Russen Aber trotz dieser ungünstigen Verhältnisse ist die Sterblichkeit der Juden eine bedeutend geringere als die der Russen, indem von 100 Gestorbenen auf die Juden nur 28,7 entfallen, also um 10 Einheiten weniger als ihrem Bevölkerungsanteil entsprechen sollte. Es braucht nicht weiter auseinandergesetzt zu werden, daß dieses Resultat keine Folge der Konstitution oder