Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Article
- Das Verhalten der Juden gegen ansteckende Krankheiten
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 140 — Und noch eins scheint mir berüeksieh- | tigungswert. Verheerende Epidemien sind in j Europa seit längerer Zeit unbekannt und j treten jetzt fast ausschließlich in Rußland j auf, das dazu auch eine kompakte jüdische Bevölkerung zählt. Nun wäre es wirklich unverzeihlich das kolossale Material nur statistischer Defekte wegen, die momentan nicht zu bessern sind, unbearbeitet zu lassen, und so möge nun vorliegende Arbeit in Ermangelung einer gründlicheren gütig aufgenommen werden. Das gesamte Material in Form von Registrierzetteln hat mir unser Sanitätsarzt W. Fialkowski in liberalster Weise zur Verfügung gestellt, wofür ihm auch an dieser Stelle mein Dank ausgesprochen sei. Um eine gewisse wenn vielleicht auch oberflächliche Ordnung in die Arbeit hineinzubringen, die sich später möglicherweise von Vorteil erweisen wird, möchte ich sämtliche zur Beschreibung gelangenden Krankheiten in zwei Gruppen einteilen, nämlich erstens in epidemische, d. h. solche, die nur zeitweise j aber mit großer Wucht auftreten und zweitens j in endemische, d. h. solche, die beständig, I dagegen aber in mehr milderer Form \ herrschen. Die Einteilung ist zwar veraltet, j indem eine endemische Krankheit an einem j anderen Orte epidemisch auftreten kann und i umgekehrt, sie hat aber auch jetzt noch teil-! weise ibre Berechtigung hauptsächlich, was \ die Wuehtigkeit des Auftretens anbelangt, j Um es später nicht mehrfach wiederholen zu müssen, sei hier darauf aufmerksam gemacht, daß Elisabethgrad 61488 Einwohner während der Volkszählung 1897 zählte, darunter 23890 Juden, die somit 38,9 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten. Jetzt soll die Zahl der Einwohner etwa I 80 000 betragen, das prozentuelle Verhältnis j der Juden hat sich aber kaum verändert. Da j die Zugehörigen der anderen Nationalitäten, außer den Juden und Russen, in kaum nennenswertem Prozentsatze hier vertreten sind, so sind sie im folgenden unberücksichtigt geblieben und das Material nur nach den beiden Bekenntnissen — Juden und Christen — geordnet. A. Epidemische Krankheiten. Die Blattern. Als erste Schwalbe erschienen Ende 1907 die Blattern, an denen während des Monats Dezember 1907 und des ganzen darauffolgenden Jahres 1908 insgesamt 134 Personen erkrankten. Obgleich seitdem die Blattern eigentlich nicht aufgehört haben und jährlich einige Opfer fordern, ist doch die Zahl der in den letzten zwei Jahren an ihnen Erkrankten zu gering um die Resultate beeinflussen zu können, weshalb ich mich nur mit der Betrachtung des eigentlichen Epidemiejahres begnüge. Tabelle f. Blatternkranke von Dezember 1907 bis Ende 1908. luden Christen ea B Alter B M. Fr. Zus. M Er. Zus. E3 =3 e/5 0— 1" _ 2 2 7 6 13 15 1- 5 — — — 5 16 21 21 6-10 4 1 5 12 8 20 25 11-15 4 — 4 7 5 12 16 16-20 5 — 5 17 9 26 31 21—30 1 1 2 7 11 18 20 31-40 1 1 2 4 — 4 6 Zusammen .... 15 5 20 59 55 114 134 1 1 2 26 15 41 43 Gest. In Proz.d.Erkrankt. — 10,0 — _ 36,0 — V. 100 Erkrankten waren! _ — 14,9 — — 85,1 — V. 100 Gestorbenen war. i — — 4,7 — — 95,3 — Nach Tabelle I erkrankten im Ganzen an Blattern 134 Personen, worunter nur 20 Juden waren. Die Morbidität der Juden war somit beinahe um das Dreifache geringer, als ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprechen sollte, indem von 100 Erkrankten auf die Juden nur 15 und auf die Christen 85 entfielen. Aber auch diese schon an und für sich geringe Morbidität wurde durch die für Pocken sehr niedrige Sterblichkeit der Juden fast ausgeglichen, da von den 20 erkrankten Juden nur 2, das sind 10 Prozent, dagegen von den 114 erkrankten Christen 41 oder 36 Prozent gestorben sind. Wenn somit von 100 Erkrankten 15 Juden waren, so be-