Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- Die jüdischen Gemeindeeinrichtungen in London mit Angaben über die Kriminalität und die Todesursachen der Londoner Juden
- Date
- 1911-09-01
- Page
- Seite 132 (sequence 2)
- Language
- German
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— 132 — Der Rat der United-Synagogues befaßt sich nicht so sehr mit der Verwaltung der Synagogen, sondern hat verschiedene Wohlfahrtseinrichtimgen und sonstige Institutionen geschaffen, wie Friedhöfe, gegenseitigen Hilfsfonds für verarmte Mitglieder und deren Witwen, Armenunterstützung durch Armenpfleger, Verteilung von Mazzos zu Pessach, Fürsorge für Sträflingsfamilien und für entlassene Sträflinge, Erhaltung eines Beth- Hamidrasch verbunden mit Bibliothek und Lesehalle und eines Beth-Din mit Dajanim, welches hauptsächlich den Juden des Ostens zu gute kommt. Auch wird ein Jugend- Gottesdienst für über 5000 Kinder wöchentlich veranstaltet und freier Gottesdienst für die armen Juden an den hohen Feiertagen ermöglicht. — Überdies werden Legate von über Lstr. 100 000 für verschiedene wohltätige Zwecke verwaltet, deren Zinsen durch die Armenpfleger verteilt werden. Die United-Synagogues haben auch 1885, als die Wohnungsnot hauptsächlich im Osten Londons infolge der Massenemigration aus Rußland eintrat, die Frage der Errichtung von billigen Wohnungen in verschiedenen Stadtteilen eingehend studiert und die Gründung einer öffentlichen Gesellschaft mit einem Kapital von Lstr. 400 000 für diesen Zweck herbeigeführt. Die United-Synagogues sind als die eigentliche jüdische Gemeinde zu betrachten, weshalb wir uns heute ausschließlich mit ihrer Tätigkeit beschäftigen wollen. Sie sind auch in allen jüdischen Institutionen Londons durch Repräsentanten vertreten. Die Immobilien repräsentierten im Jahre 1909 einen Wert von Lstr. 350000. Der Fond von Wertpapieren betrug Lstr. 25000; den einzelnen Synagogen waren Darlehne im Betrage von Lstr. 26 835 gewährt. Die Einnahmen der United-Synagogues bestanden aus prozentualen Zuschlägen der einzelnen Synagogen (Lstr. 4936 und 2188), aus Realitäten (Lstr. 1122), aus Zinsen der Wertpapiere (Lstr. 645), aus Gebühren für Trauungen (Lstr. 1282), Begräbnisse (Lstr. 650), diverse (Lstr. 791); sie betrugen zusammen 11662 Lstr. Charakteristisch ist es, daß der Board of Shechita im Jahre 1909 gar keine Einnahmen brachte, während dieselben 1908 Lstr. 588 betrugen. Die Ausgaben waren: Salaire Lstr. 4509 (Chief-Rabbi 2000), Dajanim 850, Beamte 1659 (Tensionen Lstr. 1291), Lebensversicherung der Beamten Lstr. 547, Keligionssehulen 820, Jugend-Gottesdienst 619, Beaufsichtigungs- Comitee und Sträflings-Fürsorge Lstr. 650, Armenfürsorge Lstr. 680, Mazzos zu Pessach Lstr. 161, außerdem Subventionen an Jewish of Deputies Lstr. 150, Jewish Board of Guardian s Lstr. 1274, Jews College (Rabbiner- Seminar) Lstr. 200, Beth-Hamidrasch Lstr. 20, Mikwah für Arme Lstr. 25, für Arme Palästinas Lstr. 15, zusammen 10961. Außerdem wurden 1148 Lstr. für den gegenseitigen Hilfsfonds ausgegeben. — Das Beaufsichtigungs-Komitee für die armen Juden, dem auch viele Damen angehören, hat 4284 Besuche gemacht, und zwar in Hospitälern 2227, in Krankenhäusern 973, in Asylen und Arbeits Werkstätten 278, in Schulen 170 und in Gefängnissen 636. — Die Tätigkeit dieses Komites ist bedeutend größer geworden, was aus einem Vergleich zwischen den Jahren 1871 und 1909 ersichtlich ist. Es zählte 1871 nur 19 Mitglieder, welche 55 Institute besuchten, während es 1909 deren 78 waren, die 4284 Besuche in 165 Anstalten machten. Sie begnügten sich aber nicht blos mit Besuchen, sondern sind oft mit Rat und Tat den Verwandten der Betroffenen an die Hand gegangen, was viele Mühe verursachte, aber auch glänzende Erfolge erzielte. Zusammen haben das Beaufsichtigungs- Komitee unddieSträflings-Fürsorge ausgegeben Lstr. 1257, und zwar für Erziehung verwahrloster Jugend Lstr. 269, für Gottesdienst in den Strafanstalten 478, für entlassene Sträflinge Lstr. 450, für diverses Lstr. 60. Die Kosten der Armenpüege betrugen Lstr. 680, hiervon Lstr. 336 für Alterspensionen und Lstr. 144 für zeitweilige Unterstützung. Außerdem wurden durch die Armenpfleger