Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- Die jüdischen Gemeindeeinrichtungen in London mit Angaben über die Kriminalität und die Todesursachen der Londoner Juden
- Date
- 1911-09-01
- Page
- Seite 131 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187691-3187699-3191377--3160-3191401- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 131 — Die Jüdischen Gemeindeeinrichiongen in Lo und die Todesursachen Von H o Die Juden in London bilden nicht ins- | gesamt eine Gemeinde, wie dies in Deutschj land und Österreich der Fall ist, sondern j sind in viele einzelne selbständige Kongregationen (Synagogenvereine) geteilt, die durch Mitgliedsbeiträge in verschiedener Höhe die Ausgaben, für Erhaltung der Synagogen und Besoldung der Reverends (Rabbiner) bestreiten. Sie sind auch durch freiwillige Spenden der Mitglieder in der Lage, vielen Wohlfahrtsinstitutionen größereSub ventionen zu gewähren. Auch unterhalten fast alle Synogogen Schulen, in denen zwei Mal wöchentlich und auch öfter Religionsunterricht erteilt wird. Diese Zersplitterung beeinträchtigte das Ansehen der Judenheit Londons in hohem Maße, weshalb schon seit langem das Bestreben vorhanden war, alle Synagogen zu vereinigen. Schon vor 40 Jahren kam die Konsolidierung von fünf Synagogen unter dem Namen „United Constituent Synagogues" zu stände, denen sich nach und nach weitere 11 angeschlossen haben, so daß sie jetzt zusammen 16 zählen. Der Council (Rat), dessen Präsident Lord Rothschild ist, besteht aus 128 Mitgliedern mit einem Executiv-Comitee (Vorstand) von 13 Personen, und als Reverend steht der Chief-Rabbi Dr. H. Adler an der Spitze. Diese Synagogen sind die bedeutendsten und ihre Mitglieder die angesehendsten und reichsten Juden Londons. — In loserem Zusammenhange mit diesen stehen vier Synagogen unter dem Namen „Associates Synagogues". Eine ansehnliche Vereinigung — 45 an Zahl — ist die „Föderation of Synagogues", deren Präsident der verstorbene Lord | Swaythling war, der viel Geld für sie aufj wendete und den Fond zur Besoldung eines j Reverends mit Lstr. 1200 jährlich stiftete. Die I Mitglieder sind zumeist eingewanderte ostj europäische Juden, und der Gottesdienst wird j ntfon mit Angeben aber die Kriminalität der londoner Juden. r a t o r. vielfach nach osteuropäischem Ritus abgehalten. Ferner gibt es die älteste, die Spanische und Portugisische Synagoge, die einen Rat der Ältesten und einen Mahamad (Vorstand) von 5 Mitgliedern hat. Als Chacham fungiert Dr. Gaster. Außerdem sind noch viele bedeutende Non-Constituent Synagogues unter dem Namen „Metropolitan" sowie eine Reform-Synagoge in der JBerkely-Street vorhanden. Lord Swaythling, der zugleich im Rate der United - Synagogues war, hat sich stets die größte Mühe gegeben, alle diese Synagogen zu vereinigen; aber es standen diesem Plane große Hindernisse im Wege und er scheiterte hauptsächlich an dem Widerstande der Reform - Synagoge in der ßerkely-Street. Indessen ist zu hoffen, daß die Kosolidierung doch noch gelingen wird. Die 1& Constituent-Synagogues, die den United-Synagogues als Oberbehörde unterstehen, haben jede für sich eine selbständige Verwaltung beibehalten. Ihre Mitgliederzahl betrug im Jahre 1871 bei der Gründung 1417 und stieg 1909 auf 7804 Mitglieder. Die Einnahmen waren 1871 nur Lstr. 14880 und wruchsen 1909 auf Lstr, 36152 inclusive diejenigen für den gegenseitigen Hilfsfond mit Lstr. 1140. Die Ausgaben stiegen von Lstr. 8886 auf Lstr. 21789. Hierin ist der prozentuale Zuschlag für die United-Synagogues und für den gegenseitigen Hilfsfonds nicht inbegriffen. In den Schulen wurde Religionsunterricht an 1630 Kinder erteilt, was zirka Lstr. 1000 jährlich kostete. Außerdem erreichten die Sammlungen die Höhe von Lstr. 7633, wovon der Jew7ish Board of Guardians (Vormundschaftsbehörde für Arme) Lstr. 4610. der Hospital-Fonds Lstr. 965 und das jüdische Waisenhaus Lstr. 705 erhielten.