Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 9 (September 1911)
- Article
- Zur Statistik der jüdischen Schulen in Russland
- Date
- 1911-09-01
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
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— 130 — Diese Angaben lassen auf keinen Zui sammenhang zwischen der Dauer des Lehrj kurses und dem Abgang aus den Schulen schließen; umgekehrt, in den sechsklassigen Schulen ist der Prozenizatz der Austretenden kleiner als in den Schulen mit einem niedrigeren Schulkursus. Danach dürfte die Annahme am Platze sein, daß die Verlängerung des Lehrkurses für die Bevölkerung von Vorteil ist. Auffallend ist auch die starke Zahl der Austretenden in der Gruppe der einkiassigen Schulen. Da aber auf diese Gruppe nur eine Schule entfällt, so läßt es sich leicht durch individuelle Gründe erklären. Indem wir nun die Angaben über die Absolventen und die Austretenden nach den Schulgruppen mit verschiedener Höhe des Schulgeldes einteilen, erhalten wir folgende Tabelle. Der Anteil der Absolventen und der Austretenden betrug: In den Schulen, in welchen das Schulgeld betrug In allen Proz. der Austret. Schulen Proz. der Absolvent. Weniger als 1 Rubel .... 11,3 7 Von 1 bis 5 Rubel .... 13,7 6,6 Über 5 bis 10 Rubel . . . 13,2 10,6 Über 10 bis 15 Rubel . . . 20,3 8,7 19,3 92 Die Tabelle zeigt uns, daß in den Schulgruppen in welchen das Schulgeld mehr als 10 R. jährlich beträgt, der Prozentsatz der Austretenden fast auffallenderweise steigt, woraus zu ersehen ist, daß ein zu hohes Schulgeld für die Massen unerschwinglich ist und ihnen die Möglichkeit nimmt, die Schule während des gesamten Schulkurses zu besuchen. Fassen wir unsere Ergebnisse zusammen, so sehen wir, daß der unbefriedigende Zustand des Schulbudgets sich in allen Seiten des Schullebens äußert. Die Ermangelung fester Einnahmequellen führt dazu, daß die Schulen ihre Existenz durch die Erhöhung des Schulgeldes zu sichern suchen. Daß vielfach diese Erhöhung des Schulgeldes einen direkten Zusammenhang mit der Verbesserung der Schulverhältnisse hat, hat uns die Tatsache gezeigt, daß die Honorierung der Lehrer mit der Zunahme des Schulgeldes steigt. Daß aber ein so hohes Steigen des Schulgeldes für die Massen unerträglich ist, hat uns der Zusammenhang zwischen der Höhe des Schulgeldes und dem Prozentsatz der Schulabsolventen erwiesen. Die Budgetverhältnisse sind aber auf die übrigen Seiten des Schullebens von drückendem Einfluß: So kommen unsere Schulen äußerst selten in den Besitz von eigenen Schulhäusern, was wiederum schlechte Luftverhältnisse zur Folge hat. Was aber das wichtigste ist, ist die Tatsache, daß der Schulkursus in den jüdischen Schulen selbst dort, wo sie Unterstützung der „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung" genießen, nur selten über 14 Jahre steigt, und dies, trotzdem die Anforderungen an den Unterricht in den jüdischen Schulen immer mehr steigen und die Aufgaben der nationalen Erziehung immer höhere Ansprüche an die Leistungen der jüdischen Schulen stellen. Demnach läßt sich behaupten, daß unsere Schulen das möglichste zu leisten suchen, was bei ihren schlechten Budgetverhältnissen zu leisten ist. Dies drückt sich in den verhältnismäßig günstigen Verhältnissen des Schulraums, die mehr oder weniger denForderungen der Pädagogik nachzukommen suchen (Zahl der Klassenzimmer), besonders aber in dem zahlreichen pädagogischen Personal aus, dessen Zahl relativ bei weitem die Zahl der Lehrkräfte in den gesamten Volksschulen übersteigt und dessen Honorierung mit der Honorierung der Lehrkräfte in den staatlichen Volksschulen so ziemlich Schritt hält. Was das Unterrichtswesen, das Programm der Schulen betrifft, so kommen bei der Behandlung derselben natürlich nicht nur die Budgetverhältnisse in Betracht, sondern es muß hier auch eine ganze Reihe der bei den russischen Juden herrschenden pädagogischen, und anderen kulturellen Verhältnisse in Betracht gezogen werden. Doch darüber ein anderes Mal