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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-09-01 · Heft 9 (September 1911) · p. Seite 122

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 9 (September 1911)
Article
Zur Statistik der jüdischen Schulen in Russland
Date
1911-09-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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— 122 — Schule, nämlich das Schulprogramm Auskunft erhalten. Um den Zustand dieser Schulen beurteilen zu können, muß man sich zunächst ihre Budgetverhältnisse vergegenwärtigen. Die meisten haben keine festen Einnahmen, nur ein kleiner Teil des Schulbudgets wird von den lokalen jüdischen Gemeinden bestritten. So beträgt der von den lokalen jüdischen Gemeinden bestrittene Zuschuß des Schulbudgets in den Knabenschulen 29, in den sog. gemischten Schulen 14, in den Mädchenschulen aber nur 9,9 Prozent des gesamten Schulbudgets. Es ist nun selbstverständlich, daß diese Schulen ohne die Unterstützung der Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung, die 17,2 Prozent des Schulbudgets in den Knaben-, 31,4 Prozent des Schulbudgets in den gemischten und 30,1 Prozent des Schulbudgets in den Mädchenschulen bestreitet, fast nicht auskommen könnten. Im Ganzen hat die Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung im Jahre 1908/09 24885 R für diese Schulen ausgegeben. Aber trotzdem bleibt ein großer Teil des Schulbudgets ungedeckt, und jede Schule muß sich von Jahr zu Jahr die nötigen Mittel suchen, um diesen verbleibenden Rest zu decken. So mußten 32,5 Prozent der Einnahmen der Knaben-, 42 Prozent der Einnahmen der Mädchen- und 44,1 Prozent der Einnahmen der gemischten Schulen aus Mitgliedsbeiträgen, (die von Jahr zu Jahr schwanken), aus Spenden, Kollekten, verschiedenen Veranstaltungen zum wohltätigen Zwecke (Bällen, Konzerten) und sonstigen zufälligen Einnahmequellen gedeckt werden. Solche Budgetverhältnisse haben zur Folge, daß diese Schulen ein ziemlich hohes Schulgeld verlangen müssen. So beträgt die Summe, des von den Schulkindern eingegangenen Schulgeldes 22,3 Prozent der Einnahmen in den Knaben-, 22,6 Prozent der Einnahmen in den gemischten und 30,1 Prozent der Einnahmen in den Mädchschulen. Der Betrag des Schulgeldes, der im Durchschnitt1) auf einen Schüler entfällt, schwankt *) Gewöhnlich tragen nicht alle Schuler In einer Schule gleiche Summen des Schulgeldes ein.! in den verschiedenen Schulen, und wenn er auch in manchen Schulen nur ein Minimum beträgt, so steigt er in anderen sogar auf 15 bis 18 R. jährlich. Wenn wir noch in Betracht ziehen, daß unter den Schülern sich Viele befinden, die vom Schulgelde befreit sind, so müssen wir annehmen, daß die Summe, die jeder zahlende Schüler entrichten muß, im Durchschnitt noch größer ist, sodaß der Betrag des Schulgeldes in vielen jüdischen Volksschulen fast ebenso groß ist wie in den Mittelschulen Rußlands. Der Schultypus. Von den 40 Schulen, deren Angaben wir zu betrachten haben, waren 12 Knaben-, 18 Mädchen- und 10 gemischte Schulen. Daraus ist zu ersehen, daß die gemischten Schulen, nämlich solche, die von Kindern beiderlei Geschlechts besucht werden, schon ziemlich verbreitet sind. Bei einer näheren Betrachtung sehen wir, daß diese Verbreitung an bestimmte Bedingungen gebunden ist. Zwei von den gemischten Schulen, die Schule in Oscha und die in Mur. Kurilowtzy, erteilen überhaupt keinen gemeinsamen Unterricht an Knaben und Mädchen, sondern der Unterricht der Knaben und Mädchen geht in verschiedenen Gruppen vor sich, die sich jeweilig ablösen, drei befinden sich in verschiedenen jüdischen Ackerbaukolonien, die Übrigen, mit Ausnahme der Schule in Jurjeff, in kleinen Orten, also in solchen Ortschaften, wo man schwerlich das Vorhandensein zweier jüdischer Schulen, nämlich einer besonderen Mädchen- und Knabenschule vermuten dürfte. Sonst aber existiert in den größeren Städten, wo sich bei den Juden der Typus der getrennten Schule herausgebildet hat, dieser Typus auch weiter, und es scheint kein besonderes Bedürfnis nach der Einführung des gemeinsamen Unterrichts voihanden zu sein. Daß aber die Einführung des gemeinsamen Unterrichts keinen besonderen Widerstand von Seiten der traditionellen Gewohnheiten der Bevölkerung findet, ist daraus zu ersehen, daß der Typus der gemischten Schule selbst | in Zentren des Chassidismus möglich war, | z. B. in Lubawitschy und Liosno.

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