Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-06-01 · Heft 6 (Juni 1911) · p. Seite 91

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 6 (Juni 1911)
Article
Die neuesten Angaben über den Stand der jüdischen Bevölkerung in Russisch-Polen
Date
1911-06-01
Page
Seite 91 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2650397-3187691-3187697-3191297--3097-3191317
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 9 1 - Massen der jüdischen Emigranten aus dem Ansiedlungsrayon herangezogen hat, konnte nicht nur eine bedeutende Vergrößerung der jüdischen Bevölkerung in den Städten, sondern gleichzeitig auch eine Zunahme derselben in den Flecken und Dörfern aufzeigen. Daraus ist zunächst zu ersehen, daß die jüdische Bevölkerung die beweglichste Bevölkerung Polens bildet. In der Tat sehen wir, daß den mobilsten Teil der polnischen Bevölkerung die Bewohner der Städte und Flecken darstellen; von diesen aber sind 40—50 Prozent Juden. Dies ist aus dem Vergleich zwischen den ansässigen und nicht ansässigen Einwohnern in den Städten und Flecken auf der einen und den Dörfern auf der anderen Seite zu ersehen. Im Ganzen betrug die Zahl der nicht ansässigen Bevölkerung Polens zu Beginn des Jahres 1908 2208662 (18,9 Prozent der gesamten polnischen Bevölkerung — 11687853). Aber diese wandernde Bevölkerung ist jedoch nicht gleichmäßig auf Stadt und Land verteilt; während sie nämlich in den Städten und Flecken 1192 246 Personen, d. h. ca. 34 Prozent der gesamten Einwohner der Städte und Flecke — 3 514115 — ausmacht, beträgt die Zahl der nicht ansässigen Bevölkerung in den Dörfern 1016406, d. i. 12,4 Prozent unter 8173848 ländlichen Einwohnern. So ist die nicht ansässige Bevölkerung in den Städten und Flecken relativ fast 3 mal zahlreicher, als in den Dörfern. Was aber die Stadt Warschau betrifft, so beträgt dort die Zahl der zugewanderten Bevölkerung mehr als 60 Prozent der Gesamtbevölkerung, ist also li/o Mal größer als die Zahl der ansässigen Bevölkerung der Stadt Warschau. So befanden sich im Jahre 1908 unter den 751 595 Einwohnern Warschaus nur 296 657 Ansässige und 454938 Zugewanderte. Die Verteilung der Juden nach verschiedenen Ansiedelungstypen läßt zugleich den weiteren Schluß zu, daß die starke Zunahme der jüdischen städtischen Bevölkerung nur eine Folge der Zuwanderung frischer Immigrantenmassen aus anderen Gegenden sein kann, daß die jüdische Bevölkerung Polens allein keine Reserven in Flecken und Dörfern hat, die 'große Bevölkerungsmassen an die Städte abgeben könnten. Danach darf man behaupten, daß jene Zunahme der jüdischen städtischen Bevölkerung Polens, welche nach den von dem Ministerium des Inneren an die Duma überwiesenen Angaben im Laufe der Jahre 1908 und 1909 stattgefunden hat, zweifelsohne einer starken Immigration von Juden nach Polen zu verdanken ist. Nach diesen Angaben betrug die städtische jüdische Bevölkerung zu Beginn des Jahres 1910 1134226, nahm also seit dem Jahre 1908 um 112454 zu. Eine solche Zunahme hätte nicht auf Kosten der Bevölkerung der Flecken und Dörfer geschehen können; es müßte denn eine totale Entvölkerung der Letzteren stattgefunden haben. Wir haben umgekehrt allen Grund zu behaupten, daß 'die Zunahme ' der städtischen jüdischen Bevölkerung (um ca. 40000) von einer Zunahme der jüdischen Bevölkerung in den Flecken und Dörfern begleitet war. In der Tat hat die jüdische Bevölkerungszahl in den Flecken und Dörfern seit der allgemeinen Volkszählung von 1897 nicht nur nicht abgenommen, sondern umgekehrt zugenommen, wie folgende Tabelle zeigt: Die Zahl der jüdischen Bevölkerung betrug In den Flechen In den Dörfern Im Jahre 1897 331526 176199 Zu Beginn des jahres 1908 470117 324175 Offenbar kann auch in den folgenden zwei Jahren die Auswanderung der jüdischen Bevölkerung aus den Flecken und Dörfern nicht so groß gewesen sein, um an die Städte mehrere Zehntausende von Einwohnern abzugeben; folglich rekrutierte sich die Hauptmasse der Einwanderer aus anderen Gegenden, nämlich aus dem übrigen Ansiedlungsrayon. Zum Schluß wollen wir noch die prozentuale Verteilung der jüdischen mit jener der katholischen Bevölkerung Polens in verschiedenen Ansiedlungstypen für die Jahre 1905—1908 vergleichen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.