Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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— 85 — derartige Untersuchung wohl anstellen, nicht aber für die Juden infolge Fehlens des amtlichen Materials. Nun werden wir ja von vornherein annehmen dürfen, daß die nebenberufliche Betätigung bei den Juden durchaus nicht eine so große Rolle spielt wie bei der übrigen Bevölkerung, da ihre Beruf sgruppierung und innerhalb derselben ihre soziale Schichtung für die Ausübung von Nebenberufen nicht viel Spielraum läßt. In der Landwirtschaft beispielsweise sind die Nebenberufe von großer Bedeutung — Hausindustrie —, ebenso bei den kleinen Handels- und Gewerbetreibenden auf dem Lande, nicht aber im Großhandel, in der Industrie und vollends in den freien Berufen. Da es jedoch nichtsdestoweniger sehr interessant ist zu erfahren, wie es hierin bei den Juden aussieht, wollen wir, um wenigstens einigermaßen einen Einblick in die nebenberufliche Tätigkeit der deutschen Juden zu gewinnen, die Resultate der Berufszählung von 1907 für München betrachten. Hier wurde auf Veranlassung des Vereins für die Statistik der Juden die Auszählung der Nebenberufsfälle unter den Juden vorgenommen, und das Ergebnis war folgendes: Berufsabteiluug Erwerbstätige, die hauptberuflich den in der Vorspalte bez. Beruf ausüben, haben Nebenberufe (Zahl der Talle) als Selbständige als Unselbständige Als Nebenberuf üben den in der Vorspalte bez. Beruf aus Personen, die bei den fiaupberufen geführt sind als selbständ. unselbst Erwerbstätige m.; w. m. w. Erwerbstätige überhaupt Angehörig, ohne Beruf m.; w. Selbständ. ohn. Beruf u. Dienstb rn. A. Landwirtschaft etc. « . . B. Industrie etc..... C. Handel und Verkehr . . , D Häusl. Dienst, u. Lohnarbeit E. Oeffentl. Dienst u. fr. Berufe F. Beruflose Selbständige . . 2 13 23 1 16 5 33 1 15 6 36 1 18 —! 18 —; 2 2 I 1 1 1 18 3 25 A—F 8! 3 | 54 61 22 2 63 32 Die Anzahl der Fälle, in denen Erwerbstätige im Hauptberufe in den einzelnen Berufsabteilungen Nebenberufe ausübten, betrug nur 73. Die meisten entfielen naturgemäß auf die im Handel und Verkehr als Selbstständige Beschäftigten. Das männliche Geschlecht ist am Nebenberuf stärker als das weibliche beteiligt. Die Gesamtzahl der nebenberuflich tätigen Personen belief sich auf 95, ist also derart gering, daß sie den Gesamteindruck, den die Berufsgliederung der Juden in München macht, fast gar nicht beeinflußt. Wenn wir außerdem erwägen, daß München in gewisser Hinsicht für die nebenberufliche Betätigung der Juden besonders günstige Vorbedingungen hat, weil sich hier infolge des Zuströmens von Ausländern viele kleine Gewerbetreibende befinden, die auf die Ausübung mehrerer Berufe zum Teil angewiesen sind, so können wir behaupten, daß sich unter den Juden weit mehr als unter der Gesamtbevölkerung die Konzentrierung der gesamten Tätigkeit auf den Hauptberuf vorfindet. Die Berufsabteilungen, mit denen wir uns bisher beschäftigt haben, sind von der amtlichen Statistik — auch für die Konfessionen — in 26 Berufsgruppen und wichtigere Berufsarten zerlegt worden. Von den Berufsgruppen sind bei den Juden am stärksten besetzt: Handels ge werbe (137356 64,68 Prozent), Bekleidungsgewerbe (24326 11,45 Prozent), Industrie der Nahrungs- und Genussmittel (13807 6,5 Prozent), Gast-und Schank-