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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 78

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland
Date
1911-05-01
Page
Seite 78 (sequence 3)
Language
German
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— 78 — bei der Reichsbevölkerung betrug von 1895 bis 1907 29,1 Prozent, die der jüdischen Erwerbstätigen nur 17,2 Prozent. Worauf ist nun diese geringere Zunahme der erwerbstätigen Juden zurückzuführen? Naumann vergleicht die Gesamtbevölkerung Preußens mit der jüdischen Bevölkerung und läßt außer Acht, daß die jüdische Bevölkerung eine beruflich ganz anders geartete Masse darstellt als die Gesamtbevölkerung. Aus der eigenartigen Berufsgruppieiung der deutschen Juden ist sowohl der geringere Anteil der erwerbstätigen jüdischen Bevölkerung, wie auch das geringere Wachstum derselben befriedigend zu erklären. Zum besseren Verständnis des Folgenden müssen wir manches vorwegnehmen, was erst später ausführlicher zu behandeln ist. Weitaus der größte Teil der nichtjüdischen Bevölkerung ist bekanntlich landwirtschaftlich und industriell tätig, während die Juden hauptsächlich im Handelsstande vertreten sind, erst in den letzten Jahrzehnten sich der Industrie zuwenden, ferner die „freien" Berufe bevorzugen. Nun ist Folgendes zu beachten. Landwirtschaft und Industrie sind zwei Berufszweige, in denen Personen in jugendlichem Alter und weiblichen Geschlechts, welche ja das Hauptkontingent zur Gruppe der „Angehörigen" stellen, beschäftigt werden können. Namentlich die Industrie mit ihren starken Arbeitermassen saugt immer mehr die weiblichen Arbeitskräfte auf. Dagegen setzen Handel sowohl wie freie Berufe zur beruflichen Betätigung ein höheres Alter voraus und sind dem weiblichen Geschlechte nicht in so hohem Masse zugänglich wie Landwirtschaft und Industrie. Daher bei den Juden der höhere Prozentsatz von Angehörigen und der niedrigere von Erwerbstätigen. Nicht .etwa, weil die Juden für weniger Erwerbsunfähige oder Erwerbsschwache sorgen müssen, besitzen sie einen geringeren Anteil von Erwerbstätigen, sondern weil sie nur ein geringeres Kontingent stellen können. Die erwerbsfähige Bevölkerungsschicht rückt erst in späterem Alter in die erwerbstätigen Berufsgruppen ein, und das weibliche Geschlecht beteiligt sich aus den eben genannten Gründen nicht in so hohem Maße am Erwerbsleben. Daher aber auch die geringere Zunahme der Erwerbstätigen bei den Juden vom Jahre 1895 bis 1907 als bei der Gesamtbevölkerung. Bedenken wir nur, daß die Landwirtschaft mehr und mehr von der Industrie verdrängt wird, daß in immer größeren Scharen die bisher landwirtschaftlich tätige männliche Bevölkerung in die Industrie hinüberströmt — Landarbeiterfrage — daß daher ein großer Teil von weiblichen Personen, welche in der Landwirtschaft als Angehörige nur nebenberuflich tätig waren, daher nicht zu den Erwerbstätigen im engeren Sinne gehörten, jetzt die männliche Arbeit ersetzen müssen und dadurch die Zahl der Erwerbstätigen im Hauptberufe beträchtlich verstärken. Bei den Juden hat sich nur eine Verschiebung vom Handel zur Industrie vollzogen, und auch diese nur in der Weise, daß ein Teil der bisher im Handel Selbstständigen darnach strebte, in der Industrie selbständig zu werden, daß ferner die Beteiligung an den freien Berufen gestiegen ist. Die Abnahme der Bevölkerungsgruppe „Angehörige" bei den Juden ist zum größten Teil darauf zurückzuführen, daß das weibliche Geschlecht mehr als früher in den Wirtschaftskampf eingetreten ist. Jetzt begreifen wir, weshalb die Zunahme der jüdischen Erwerbstätigen geringer ist als bei der Gesamtbevölkerung. Zur Illustrierung dieser Tatsachen wäre nötig, daß wir die Beteiligung der Geschlechter an den erwähnten Bevölkerungsgruppen, sowohl bei den Juden als bei der Gesamtbevölkerung mit einander verglichen. Namentlich die Gruppe der „Angehörigen" müßte man nach dem Geschlechte zerlegen können. Nun ist zwar in der Berufszählung von 1907 eine solche Ausscheidung der einzelnen Bevölkerungsgruppen nach dem Geschlechte für die Konfessionen vorgenommen worden, nicht aber in der Berufszählung von 1895,

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